Mittwoch, 30. Mai 2012

Theodizee: Gott und das Leid vieler Menschen


Wenn diese Welt das Werk eines intelligenten Schöpfers ist,
dann sollte uns dieser Schöpfer all das einmal erklären.”

Gibt es theologische Modelle, welche die Tatsache unverschuldeten Leids vereinbar werden lassen mit der Vorstellung eines gütigen, lebendigen Gottes? 

Muss Gott sich rechtfertigen?

Der Begriff Theodizee ("Rechtfertigung Gottes") bezieht sich auf das Unverständnis darüber, wie Gott das in unserer Welt anzutreffende Übel und Leid zulassen könne.
Allgemein lässt sich das Theodizee-Problem so formulieren: Wenn es einen allwissenden, allmächtigen und moralisch perfekten Gott gibt, der die Welt erschaffen hat - wie kann es in dieser Welt dann Leid geben?      
  • Wenn Gott allwissend ist, dann weiß er von allem Leid und ebenso, wie er es verhindern könnte,
  • wenn er allmächtig ist, dann könnte er alles Leid unterbinden oder wäre in der Lage, es in seiner Schöpfung erst gar nicht entstehen lassen,
  • wenn er moralisch perfekt ist, dann will er es auch verhindern.
Stimmen diese Voraussetzungen, so es dürfte kein Leid geben - mit anderen Worten: Die faktische Existenz von Leid scheint mit der Existenz (eines guten) Gottes logisch unvereinbar zu sein. 

Gerade die christliche Religion stellt in weitaus höherem Maße als Islam und Mosaismus auf die Güte Gottes ab – impliziert die Eigenart der materiellen Schöpfung womöglich Umstände, dass in ihr ebenso Böses wie Gutes in einem Geflecht von Ursachen und Wirkungen eintreten kann?  

Sonntag, 27. Mai 2012

“Die Salafisten kommen”

Emotionalisierung statt Versachlichung – Provokation statt Verständnis

Bei Sandra Maischberger diskutierten Mitte Mai 2012 die Schauspielerin Renan Demirkan, Journalist Michel Friedman, Imam Scheich Hassan Dabbagh, Ex-Viva-Moderatorin Kristiane Backer, "Spiegel"-Journalist Matthias Matussek und CDU-Politiker Wolfgang Bosbach.

‘Islamische Expansion’– eine Erfindung des Abendlandes?

Christen und Muslime neigen dazu, die jeweils andere Religion als gewalttätig und expansiv zu diskreditieren – ein müßiges Unterfangen, das letztlich nichts Gutes bewirkt. In einem um Jahrhunderte verzögerten Rückblick entscheiden zu wollen, welche der beiden Seiten sich denn historisch gesehen im Recht befanden, ist ebenso problematisch.

Bezogen auf das ‘Heilige Land’ und sein Zentrum Jerusalem kann eine faire Beurteilung wohl nur zu dem Ergebnis gelangen, dass weder Christen noch Muslime ursprünglich eine Legitimation besaßen, die einstmals von Juden und anderen semitischen Volksstämmen besiedelten Region zu erobern.
(Und selbst das Volk der Israeliten war unter David etwa 1600 Jahre zuvor gewaltsam in die ‘Stadt der Jebusiter’ eingedrungen, um sie später als zentrales Heiligtum und Tempelstadt auszubauen.)


Die Eroberungskriege der christlichen Kreuzfahrer folgte einer aus mehreren Komponenten bestehenden Motivation – den sich ausbreitenden Einfluss des Islam zu begrenzen war nur ein Baustein davon. (Vgl. ‘Gottfried von Bouillon und der 1. Kreuzzug’)

Lehnt man diese gewaltsame Form von Missionierung und Glaubens ab, so wird man diesen Maßstab auch an die gewaltsame Annektierung Jerusalems durch Muslime anlegen.
Wenn Muhammet Mertek in seinem Buch ‘Der Islam - Glaube, Leben, Geschichte’ schreibt, alle vom Propheten geführten Kriege seien Verteidigungskriege bzw. ‘Pilgerfahrten’ gewesen, so kann man sich nur wundern – selbst wenn man groß angelegte Präventivschläge als defensives Mittel betrachtet.


Mertek ist erkennbar bemüht, ein sehr freundliches Bild des Islam und seines Propheten Mohammed zu zeichnen. Objektivität anstrebende Geschichtsschreibung sieht anders aus.

Nicht Mohammed, sondern Erstbelagerte Kalif Umar I. war es, der Jerusalem im Jahre 638 zwei Jahre belagerte, bevor die Stadt nach großen Opfern in der Bevölkerung übergeben werden musste. Selbst Mertek nennt die Ereignisse beim Namen: “Unter der Führung Umars (634-644) wurden Syrien, Palästina, Aserbaidschan und Ägypten erobert.” 

Die Zeit von 631 bis 662 wurden später als das “goldene Zeitalter des Islam” bezeichnet, in denen der Islam in allen Lebensbereichen der Muslime an Bedeutung gewonnen habe – aber auch gewaltsam verbreitet wurde.
Von einer Islamischen Expansion zu sprechen, welche die religiös motivierte Eroberungspolitik der Araber an der Mitte der 630er Jahre umfasste, ist insoweit keine Erfindung bösartiger und islamfeindlicher Chronisten. (Anders sieht es aus, wenn mit Bezug auf unsere Gegenwart pauschal von expansiven Absichten im Islam die Rede ist.

Es sei noch ergänzt, das M.Mertek sich klar von gewaltorientierten Extremisten diestanziert, welche nur punktuell islamische Prinzipien bedienen: .
“Die Kharidschiten sind eine abtrünnige Gruppe von Unzufriedenen, die sich während des Kalifats des Uthman von der muslimischen Gemeinschaft trennte. […] Diese fanatische und extremistischen Beduinengruppe sorgten dafür, die ca. 100 Jahre nach dem Tod des vierten Kalifen Ali zu einem Schandfleck in der islamischen Geschichte zu machen. Die Kharidschiten bezeichneten sich als Muslime, ihr Tun verstieß jedoch vollkommen gegen die Grundlagen des Islam. […]
Auch in unserer heutigen Zeit gibt es in der islamischen Welt militante Gruppierungen, die in ihren Äußerungen und ihren Handlungen Ähnlichkeiten zu den Kharidschiten aufweisen. Diese finden jedoch zumeist nicht die Unterstützung der breiten Öffentlichkeit.”
Mit der Sichtweise eines durch und durch friedliebenden Islam vermag ich mich dennoch nicht anzufreunden – auch weil der Koran gewaltsame Auseinandersetzungen unter bestimmten Voraussetzungen offenbar rechtfertigt. Dieser Umstand trifft jedoch in gleicher Weise auf die Bibel (speziell das A.T.) zu – dass der Wunsch, die eigene Religion mit Feuer und Schwert zu verbreiten eine historische Gemeinsamkeit beider Weltreligionen ist, steht für mich insoweit fest.

Sofern sich für diese neutrale Position ein breiterer Konsens fände als es heute der Fall ist, könnte und sollte sie dazu beitragen, dass gegenseitige Mißtrauen zwischen der islamischen und der abendländisch-christlichen Welt abzubauen. Gegenseitiges Aufrechnen löst keine Konflikte, sondern begünstigt sie – vor allem wenn daraus offene territoriale Ansprüche abgeleitet werden (z.B. in Bezug auf Israel und Palästina).


Handlungsbedarf seitens der internationalen Gemeinschaft besteht dort, wo menschliche Notlagen eine Veränderung der bestehenden Zustände unabdingbar machen. Insoweit scheint eine Zwei-Staaten-Lösung mit einem unabhängigen Staat Palästina unausweichlich.
Sobald dieser Staat realisiert ist, sollte die Zeit für einen ‘Schlußstrich’ reifen, welcher einen für alle Parteien (wenn auch unter Konzessionen herbeigeführten) akzeptablen Status Quo (die dauerhafte Koexistenz beider Staaten) festschreibt.

Die Menschheit hat andere, dringliche Probleme und kann sich ein fortwährendes Gezerre im Nahen Osten unter dem Damoklesschwert einer globalen Kriegsgefahr nicht länger erlauben.
Ob derartiges Wunschdenken jemals real wird, ist heute freilich noch nicht absehbar.

Dokumentation: Das Schwert des Propheten

Ulzhan - Das vergessene Licht (Filmtipp)

Der Filmregisseur Volker Schlöndorff ist mir durch die ‘Blechtrommel’ und seine Proust-Verfilmung ‘Un amour de Swann’ in Erinnerung.
‘Ulzhan - Das vergessene Licht’, eine melancholisch-nachdenkliche Liebesgeschichte aus dem Jahr 2007 ist mir erst heute in die Hände gefallen.

Sie hat mich zutiefst berührt; es hat eine Weile gedauert, bis ich den Grund dafür verstanden habe:
Die junge Frau namens Ulzhan vermittelt mir einen Eindruck von Liebe, wie ich sie mir schöner nicht vorstellen kann: sie ist 'einfach da' für diesen Mann, Charles, dessen Traurigkeit und Verlassenheit sie spürt. Vielleicht deshalb toleriert sie dessen Distanziertheit und sein mitunter grenzwertiges Benehmen. 
Sie bedrängt ihn nicht, klammert nicht und stellt keine Forderungen, und erst recht keine 'Ansprüche'. Und doch unterwirft sie sich nicht, macht sich nicht abhängig und erniedrigt sich auch nicht vor ihm. Gibt es so eine Liebe (zwischen Mann und Frau) auch außerhalb einer fiktionalen Filmhandlung?
Die Handlung wird hier in wenigen Worten umrissen, doch dabei bleibt vieles ungesagt, was sich eben nur in Bildern und musikalisch ausdrücken lässt, etwa durch “intensive Landschaftsaufnahmen” voller Kontraste.
Der Film beginnt mit gesprochenen Worten aus einem Buch des kasachischen Poeten und Philosophen Abai Kunanbaev 1):
"…du Licht meines Auges. Du Leben meines Herzens. Unsäglich sind die Qualen der Liebe.”
Charles S. (Philippe Torreton) ist ein gezeichneter Mann, der offenbar seine Familie verloren hat. Er entflieht menschlicher Nähe und vermeidet es, überhaupt etwas von anderen anzunehmen. Wer dem naturverbundenen, etwas heruntergekommen wirkenden Fußgänger Hilfe anbietet, erntet meist schroffe Ablehnung.
Mit einem Wodka-Besäufnis und unverbindlichen Begegnungen in einer kasachischen Nachtbar hat er dagegen kein Problem – eine schützende Distanz wird gewahrt.


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Nachdem er wie ein Landstreicher aufgegriffen und vernommen wurde, muss Charles zur Kenntnis nehmen, dass Kasachstan lange kein ‘Land ohne Städte und Dörfer’ mehr ist, auf dem nur vereinzelte Nomadenklans die endlose Steppe bereisen. Doch unter Menschen fühlt er sich sichtlich unwohl und flieht erneut in die Einsamkeit.
Er wirkt auf mich wie einer, der entschieden hat, nie wieder verletzt zu werden. Doch wo findet man diese ‘Zuversicht’ außer im Tod?


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Der schnelle, ungleich verteilte Ölreichtum hat ein Land der Gegensätze heraufbeschworen.

Eines Tages trifft Cahrles auf den skurril-geheimnisvollen Schamanen Shakuni, der mit seltenen, kostbaren Worten handelt (‘Ich sammle hier und da Wörter, und biete sie denen, die sie brauchen’) und ihm die Empfehlung mit auf den Weg gibt, ein Pferd für seine weitere Reise zu kaufen – aber ein altes, dann sei das Bedauern nicht so groß, wenn es stirbt.
In einem Dorf begegnet er der jungen Lehrerin Ulzhan (Ayanat Ksenbai), die mit ihrer Großmutter das Leben von Halbnomaden führt. Von ihr kauft er ein Pferd und verrät das Ziel seiner Reise - der heilige Berg Khan Tengri. Die alte Frau reagiert betroffen, denn dorthin zogen sich hat sich einst die Schamanen in Ruhe zum Sterben zurück.




Tags darauf heftet sich die junge Frau ungefragt und ungebeten an Charles’ Fersen und folgt ihm in einiger Entfernung durch die karge Steppe. Er bittet sie, ihn zu verlassen. Er habe eine Mission vor sich; und sie dürfe ihre Leute nicht im Stich lassen. Die einfühlsame Frau ist anderer Ansicht, beugt sich aber scheinbar seinem Wunsch.
Zufällig trifft Charles erneut auf Shakuni, den Schamanen und Wortehändler – und einzigen Menschen, vor dem er nicht gleich davonläuft. Ein Flüchtiger laufe nicht notwendigerweise vor etwas davon.

Gedanken vor dem Einschlafen.

Schakuni - Du kannst ruhig schlafen, dies ist heiliger Boden. Kirche, Tempel, Moschee..man schläft auf jeden Fall immer neben den Toten.Charles - Der Regen hat aufgehört. Morgen fahren wir los. Wir freuen uns auf dich. Ein schmerzvoller Blick auf das zerknitterte Postkarte mit dem Bild einer lächelnden Frau und zweier Mädchen, vielleicht sieben und neun.
Ein Sandsturm. Charles hat zwar vieles von der Welt gesehen, doch diese unbändige Seite der Natur überfordert ihn. Bei dem Versuch, seine Trinkwasser zu retten, flieht das Pferd. Er legt sich nieder – Zeit zum Sterben?
Doch Ulzhan ist nicht heim zur Großmutter und ihren Schülern geritten. Sie findet das verloren geglaubte Pferd und kehrt zu ihm zurück. Wie rettet man das Leben von einem, der nicht mehr leben will? Der nicht glaubt, für die Welt noch irgendeinen Wert zu besitzen? Reichen Liebe und Beharrlichkeit aus?

Für Minuten gelingt es der schönen Asiatin, den Mann aus seiner Lethargie zu reißen. Neugierde und sogar der Anflug eines Lächelns. Doch dann hüllt sie ihn wieder ein, die übermächtige Schwärze der Wirklichkeit. Bevor die Nacht zuende ist, bricht er leise auf, zu Fuß.

Noch gibt Ulzhan nicht auf. Charles erzählt ihr von einer Schatzsuche, die ihn in diese Region führe. Er berichtet ihr von den Nestorianern, persischen Christen, die wenige Jahrhunderte n.Chr. mitsamt ihrem Kirchenschatz in Richtung China geflohen seien. ‘Träger des Lichts’ sei der Name, den sie sich selbst gaben. Die Überlebenden einer Splittergruppe hätten ihren Schatz, das Licht, am Khan Tengri am Fuße des Khan Tengri vergraben.
Kein Goldschatz, sondern sind alte Sanskrit-Texte sind es, nach denen er angeblich sucht. Erstmals dankt er ihr und erwartet wohl, dass sich nun abzieht. Fehlanzeige.

Schakuni schließt sich den beiden ebenfalls eine Weile an und bereichert den Tag mit Hinweisen auf Elemente der östlichen Mythologie.
Es sind keine blühenden Landschaften, durch sie nun reiten, sondern Metaphern der Verlorenheit. Als Charles ohne zu zögern in ein gesperrtes, verseuchtes Atomtestgebiet reitet, realisiert Ulzhan dessen wahre Absicht.
Seine Beweggründe versteht sie, ohne sie zu akzeptieren. Nicht einmal das Risiko radioaktiver Verstrahlung hält sie davon ab, ihn weiter zu begleiten.


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Im Gebirge angekommen, bittet Charles seine Begleiterin ein letztes Mal darum, ihn endgültig allein zu lassen. Er bleibt im Schnee liegend zurück.
Ich bin allein. Unendlicher Schmerz zerfrisst wie Feuer meine Brust. Hört, ich muss es sagen, Herr, wird der Tag kommen, an dem mein Herz Ruhe findet?
Ruhe muss nicht den Tod bedeuten, und ob mit dem Tod die ersehnte Ruhe erlangt wird, ist bestenfalls fraglich. Auch stirbt man nicht schnell und leicht vor sich hin, selbst wenn man in winterlicher Kleidung frierend im Schnee liegt und Todessehnsüchte verspürt.
Zuletzt fällt sein Blick auf Ulzhans Lieblingspferd, das sie in einer vagen Hoffnung an einen nahe gelegenen Felsen gebunden hat, bevor sie allein den Weg zurück nahm.


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Das Ende des Films ist offen, lässt aber Raum, auf einen guten Ausgang dieser Liebe zu hoffen. Schlöndorff selbst charakterisiert seinen Film treffend:
Es ist ein sehr lyrischer Film, eine Liebesgeschichte fast ohne Worte. Zur Abwechslung mal keine Literatur, keine Politik, auch keine Vergangenheitsbewältigung, sondern reine Kür, eine Hymne auf das Leben.


Anmerkungen:
1) Abai (Ibrahim) Qunanbajuly  (1845-1904), russisch Абай Кунанбаев/Abai Kunanbajew; war ein kasachischer Dichter, Schriftsteller und Denker, der offenbar nicht nur die Literatur, sondern auch die kulturelle Entwicklung seines Landes entscheidend mitgeprägt hat. Er übersetzte etliche Klassiker der Weltliteratur ins Kasachische und sorgte für die Eröffnung neuer Schulen, um dieses Erbe der Weltkultur breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Im modernen Kasachstan ist gilt er als nationale Symbolfigur; seine Werke wurden in über 60 Sprachen übersetzt.

Samstag, 26. Mai 2012

Was nicht in der Bibel steht

… ist für viele gläubige und ‘bibeltreue’ Christen in theologischer Hinsicht ohne Bedeutung.
Dabei ist eines nicht mehr von der Hand zu weisen: der Inhalt der ‘Urbibel’ wurde gezielt verändert. Dabei beziehe ich mich weniger auf die nur schwer zu ergründende Manipulation einzelner Textelemente oder deren fehlerhafte Übersetzung, sondern die selektive Definition des ‘Bibelkanons’.
Die vier bekannten Evangelien im N.T. enthalten offensichtlich nicht alle mündlich und urkundlich überlieferten Aussprüche Jesu:
Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch.
Joh 20,30, Lut84

Das Thomas-Evangelium verdient besondere Beachtung, dessen vollständige Wiederauffindung (Handschriftenfund 1947 in Nag Hammadi) von vielen als bedeutsames Ereignis in der Geschichte des Christentums gewertet wird:

Wahrscheinlich hat der Verfasser des Thomasevangeliums aus verschiedenen  schriftlichen Quellen Aussprüche Jesu (sog. Logien) zusammengestellt. Ein durchgängiges theologisches Thema erschließt sich daraus zwar nicht, doch könne das Thomas-Evangelium wohl als Weiterführung und Ergänzung der Bergpredigt angesehen werden, an deren Worte es wiederholt anknüpfe.

Manche Worte Jesu im EvThom stimmen mit den von Matthäus und Lukas angeführten Zitaten überein. Die eigentliche Besonderheit des Thomasevangeliums liegt darin, dass es zur Hälfte aus ansonsten unbekannten Worten Jesu besteht. 

Sonntag, 20. Mai 2012

Gottfried von Bouillon und der Erste Kreuzzug

Film (ARTE, 2011) von Nathalie Fritz und Jacques Martin über den ersten ‘König’ des Königreichs Jerusalem

Die heutigen Konflikte und eine unterschwellige Feindseligkeit zwischen der muslimischen und der abendländischen Welt gehen auf eine sehr lange Ursachenkette zurück. Dieser Film beleuchtet einen Aspekt davon und stellt im letzten Teil auch einen direkten Gegenwartsbezug her.

Dienstag, 8. Mai 2012

Weltuntergang zieht sich hin

2012 war ein Fehlgriff…aber bis 2052 werden die Konturen tiefgreifender, globaler Veränderungen auf der Erde deutlich erkennbar werden – stellenweise auch schon früher.

Sagt wer? Der ‘Club of Rome’, eine Art internationale Denkfabrik.

“Zyniker würden wohl sagen, die Propheten der Apokalypse sind zurück”, lautet die einleitende Bemerkung des Artikels hierüber auf WELT online.

Denn dieses Team aus internationalen Denkern und Experten setzt sich schon seit seit Jahrzehnten mit Zukunftsfragen auseinander. 1972 gaben sie ‘Die Grenzen des Wachstums’ heraus und behielten mit dieser Prognose in Teilen Recht.

“Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, …  unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht. WELT online.”

Das kommt wohl hin. Allerdings frage ich mich, ob dies nicht auch vor 40 Jahren nicht schon allgemein absehbar war (ich war damals 7 Jahre alt und hatte geringfügig andere Interessen). Anscheinend musste damals erst mal eine Ölkrise die Augen der Kritiker öffnen und ihren beißenden Spott zum Verstummen bringen.

Es könnte sich also lohnen, die im neuen Report “2052: A Global Forecast for the Next Forty Years, by Jorgen Randers, launched by the Club of Rome” formulierten Trends einige Beachtung zu schenken. Über die Präsentation existiert auch etwas trockenes Video (s.u.)

Für manche Aussagen benötige ich keine Expertengruppe – dass die Wirtschaft mit ihrem stetigen Wachstum dem Klima und den natürlichen Ressourcen schadet, ist bekannt. Und dass die Industrie schon heute keinen Gewinn mehr machen würde, wenn man die Umweltzerstörung als Schaden gegen ihre Erträge rechnete, ist naheliegend.

Die zentrale Bedrohung der Menschheit aber liege ‘fortschreitenden und ungezügelten Klimawandel’ und der Erderwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels als Folge. Die Denker des Club of Rome sagen nicht, dass die menschliche Zivilisation bereits in 40 Jahren Ende – der Verfall soll sich hinziehen: Erst steigen (Jorgen Randers zufolge) die Treibhausgasemissionen noch bis 2030 an. Dann aber ist der Point-of-No-Return in Bezug auf den globalen Temperaturanstieg längst überschritten.  Bis 2080 soll die Temperatur um 2,8 Grad steigen.

"Im Jahr 2052 wird die Welt mit Schrecken auf weitere Änderungen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts blicken", sagt Randers.

Dieser zeitliche Verlauf macht es für die Menschheit so schwierig, wenn nicht unmöglich, einen Turnaround wirksam zu vollziehen. Schließlich denken wir in kürzeren Zyklen (die Wirtschaft wohl von einem zum nächsten Quartalsbericht) und tun uns mehrheitlich sehr schwer, uns auf mehr zu konzentrieren als die gerade vor uns liegende Krise.

Ob die Ausgestaltung der Studie als ‘hysterisch’ bezeichnet werden muss, ist für mich ohne Belang – wenn ihre ökologischen und ökonomischen Trends stimmen könnten.

Konkreten Lösungsansätzen ist sicherlich der Vorzug zu geben – etwa dem des Umweltwissenschaftlers Ernst Ulrich von Weizsäcker:

"Wir müssen Klimaschutz und Artenschutz richtig profitabel machen und aufhören mit dem Geseiere, wir sollten den Gürtel enger schnallen, um das Klima zu schützen. Bei der Energie sollten wir vormachen, dass wir damit Wohlstand erzeugen. Alle Leute gucken gebannt nach Deutschland, wie wir das mit dem Atomausstieg wohlstandskonform hinkriegen. Wenn wir den Klima- und Umweltschutz profitabel machen, dann wird das überall kopiert.” (vgl. Süddeutsche.de – ‘Es gibt einen Ausweg’)

Samstag, 5. Mai 2012

Liebe in Zeiten der Krise

Vortrag von Richard David Precht im Rahmen des Hamburger Harbour Front  Literaturfestivals

Jeder Kommentar erübrigt sich … außer vielleicht, dass Alkohol keine Lösung ist. Zwinkerndes Smiley

   

Anmerkungen zu den angesprochenen ‘Hardware-Unterschieden’ bei Mann und Frau:

Das Corpus callosum ist eine große, quer verlaufende Verbindung zwischen den beiden Hirnhemisphären des Großhirns. Es gehört zur weißen Substanz und besteht beim Menschen aus rund 250 Millionen Nervenfasern.

Die Sylvische Fissur oder Fissura Sylvii  ist eine ausgedehnte seitliche Furche des Gehirns.

Ökonomie contra Philosophie

Sternstunde Philosophie

In einem kontroversen Gespräch diskutieren der Ökonom Ernst Fehr und der Philosoph Richard David Precht darüber, welche Disziplin heute Antworten für eine zukunftsfähige Gesellschaft liefern kann.

Ist der Mensch tatsächlich als kooperatives Wesen “mit dem Instinkt für das Gute ausgerüstet”? Ein Blick auf die Nachrichtenlage lässt mich ernstlich daran zweifeln. Auch Precht sagt deutlich:

“An eine intrinsische Motivation des Menschen, etwas für den Erhalt der Gattung zu tun, glaube ich nicht.”

Instinkt (“Naturtrieb”) bezeichnet eine genetische Anlage, welche das Verhalten über Automatismen steuert. Da man den Menschen ein willentliches, entscheidungsbasiertes Verhalten unterstellt, gelangt dieser Begriff in seiner ursprünglichen Bedeutung eher bei Tieren zur Anwendung.
Zählt man die Spezies Mensch aus evolutionsbiologischer Sicht auch zu den Tieren, dann kann man dessen ‘Instinkt’ weder etwas Böses noch etwas Gutes attestieren. Precht weist auf die Zweischneidigkeit unserer ‘Anlagen’ hin, die sich sowohl positiv als auch negativ auswirken können. Freilich haben die Psychologie und auch die ‘Verhaltensökonomie’ diesen Begriff nie eindeutig definiert, heute meint seine Verwendung oftmals das ‘tiefe, ursprüngliche Bemühen’ aller Menschen um das Gute.

Ob genetisch determiniert oder kraft eigener Entscheidung – die Hang zum Guten vermag ich so oder so nicht bei allen Menschen auszumachen. Sicher werden viele im Laufe ihrer Sozialisierung zu einem ‘Teil jener Kraft, die Gutes will und Böses schafft’ (bei Faust lautet die Aussage anders) – und fragen sich zum Ende ihres Lebens, wo sie falsch abgebogen sind.
Doch wir sehen auch eine wachsende Anzahl von Leuten, denen moralische Kategorien von Richtig oder Falsch weitestgehend gleichgültig sind – solange sie nicht persönlich oder materiell von Gewalt und Unruhen beeinträchtigt werden.

‘Fairness’, ein in der u.a. Diskussion thematisierte Gesinnungs- und Motivationsfaktor, entsteht nicht aus einer Veranlagung, sondern aus Einsicht und vielleicht auch aus Inspiration (oder einer Form von Egoismus, wie es im u.a. Gespräch mehrmals anklingt). Sie geht m.E. über das Vernünftige (Leben und leben lassen) hinaus:

Fairness drückt einerseits eine individuelle Vorstellung von Gerechtigkeit und Angemessenheit aus, und impliziert eine altruistische Komponente – die Bereitschaft auf persönlichen Verzicht im Interesse eines Ausgleichs. Richart Precht stellt fest, dass Kappuzineraffen sehr wohl einen Sinn für Unfairness haben, das ihnen aber ein Sinn für Fairness fehlt (vgl. auch ‘Fairness bei Affen’) – gezeigt durch ein Experiment von Dr.. Sarah Brosnan:

Die Verhaltensforscherin hat mit den Kapuzineraffen einen einfachen ‘Handel’ begonnen. Die Affen mögen Gurken einigermaßen, aber Weintrauben sind für sie richtig lecker. Erhält ein Affe eine Weintraube und muss der andere sich mit einer Gurke begnügen, dann entsteht bei dem zweiten deutliche Frustration.

“Erhalten beide Kapuziner Gurkenstücke, dann tauschen sie ausgesprochen gerne. Wenn ich aber nur dem einen eine Weintraube gebe, dann reagiert der andere ausgesprochen heftig. Er weigert sich, den Kiesel zurückzugeben oder er gibt ihn zurück und will dann die Gurke nicht haben. Das ist ein sehr ungewöhnliches Verhalten.”

Wie Precht schildert, steigerte sich bei den Affen, die sich mit Gurken begnügen mussten, der Frust so weit, dass sie die Forscher sogar mit den Gurken bewarfen.

Das erläuterte Beispiel trifft den Nagel auf den Kopf – auch auf Aspekte menschlichen Gruppenverhaltens in der Ökonomie bezogen. Hier zählt oft der Vergleich: eine Gehaltserhöhung von 500€ verliert ihren Charme leicht, sobald der Kollege bei vergleichbaren Voraussetzungen 1.000€ erhält. Der (subjektive) Sinn für Unfairness könnte bei dem scheinbar Benachteiligten zu Verhaltensäußerungen führen, die sich von denen des Kapuzineräffechens nur graduell unterscheidet.-

Zur Sprache kommen auch ‘soziale Ansteckungseffekte’: Bei der Inanspruchnahme sozialer Leistungen wird das Verhalten des Individuums vielfach durch Beispiele aus der sozialen Umgebung verändert und geprägt (‘Wenn alle andern den Staat betrügen,…’).

Was bedeutet dies für die ‘Erziehung des Menschen’ zu mehr verantwortlichem, moralischem Handeln? Appelle zu mehr Nachhaltigkeit werden auch weiterhin ohne große Wirkung verpuffen. Doch im Verlaufe dieser überaus interessanten Diskussion wird unter anderem ein interessanter Aspekt erarbeitet – die soziale Ansteckung könnte positiv genutzt werden durch die Etablierung moralischer Milieus:

Holografisches Universum?

Wunder geschehen nicht im Gegensatz zur Natur,
sondern im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen.

Augustinus

Lässt sich der faszinierende, allgemein gehaltene Holismus des Kernphysikers Hans P. Dürr konkretisieren? Wie könnte ein Ansatz aussehen, der anders von gängigen naturwissenschaftlichen und theologisch-philosophischen Anschauungen getragen wird?

Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern ist der Ansicht, dass wir in einem holografischen Universum leben – und sie bieten eine erstaunlich plausible Begründung an. Dies würde zugleich auch bedeuten, dass alles was wir als Realität wahrnehmen, ebenfalls ein Hologramm (bzw. ein Ausschnitt daraus) ist.


Bislang ist diese Idee noch nicht zu einem berechenbaren Modell oder einer exakten naturwissenschaftlichen Theorie gereift - doch wie Brian Greene in der u.a. Dokumentation zeigt, kann die Erforschung von Schwarzen Löchern die These vom holografischen Universum untermauern.


Einstweilen aber wird die Unvereinbarkeit n
aturwissen-schaftenschaftlicher Theorien mit den theologischen Modellen von Vertretern beider Seiten nach Kräften gefördert:
Wie die institutionalisierte Theologie bewahrt sich auch die etablierte Wissenschaftsgemeinde ihre auf Dogmatismus basierenden Vorurteile – selbst gegenüber neuen Denkansätzen aus den eigenen Reihen. Die Geister scheiden sich vor allem an der Existenz des scheinbar ‘Übernatürlichen’ und glauben jeweils, die 'absolute' Wahrheit zu vertreten. (Das Übernatürliche ist m.E. nur nach dem gegenwärtigen Wissensstand unerklärlich.)

Unterschiedliche Perspektiven und selektive Wahrnehmung führen zur Ausprägung diametral verschiedener Erkenntnisse und Weltbilder. Solche Wirklichkeitsmodelle bilden je einen Teilausschnitt einer übergeordneten Realität ab, die wir Menschen als Ganzes noch nicht erfassen können. 


Der Zugang zur absoluten Wahrheit ist damit unseren unzureichenden Wahrnehmungsebenen verwehrt. Die Suche nach einem 'ganzheitlichen' Weltbild macht es deshalb erforderlich, den eigenen Wahrnehmungsfokus nicht noch absichtlich zu verengen, sondern auf dogmatische Beschränkungen zu verzichten: Ein Holist wie H.P. Dürr hat es kaum nötig, unliebsame Wahrheiten zu unterdrücken.

  • Als Standardlektüre dient mir in diesem Kontext Michael Talbot’s Buch „Das holographische Universum - Die Welt in neuer Dimension" (PDF-Download, 497 Seiten, Abruf: 07/2015). Es eröffnet ein neues Verständnis der menschlichen Psyche in und zeigt eventuell einen Weg auf, um naturwissenschaftliche Beobachtung und übersinnliche Phänomene zu integrieren. Nachfolgend sind Fakten und Überlegungen daraus in einem sehr knappen Überblick zusammengestellt ...jedem Interessierten sei empfohlen, das Buch selbst zu lesen.Als Einstieg eignet sich nachfolgender Ausschnitt aus einer Dokumentation:

  • Paradigma statt Theorie:  Das holographische Konzept wird derzeit aus einem Mosaik verschiedenster Ansichten und Befunden entwickelt, es hat noch nicht den Charakter wissenschaftlicher Modelle und Theorien.
  • Eine Voraussetzung der Holographie ist ein Phänomen namens Interferenz -das Überlagerungsmuster, welches entsteht, wenn zwei oder mehr Wellen, zum Beispiel Wasserwellen, einander durchdringen.
"Es ist nicht so, dass es dort draußen, auf einer bestimmten Wirklichkeitsebene, keine materiellen Objekte gäbe. Es ist vielmehr so, dass Sie, wenn Sie einen Durchbruch wagen und das Universum unter einem holographischen Aspekt betrachten, zu einer anderen Sicht, einer anderen Wirklichkeit gelangen."

Ausgangspunkte für eine neue Sicht der Realität

Neurobiologie/Gehirnforschung
Wie und wo werden Erinnerungen im Gehirn gespeichert? Die vermutete Lokalisierung von Gedächtnisspuren wurde als "Engramme" bezeichnet – lange wusste niemand um deren Beschaffenheit: Handelte es sich dabei um ein Neuron oder vielleicht um ein spezielles Molekül?
Man man fand keinerlei Anhaltspunkte für die materielle Existenz von Engrammen: beispielsweise vermochte man das Erinnerungsvermögen von Ratten man nicht auszulöschen - gleich, welchen Gehirnabschnitt man entfernte
1).
In Yale befasste sich auch der Neurobiologe Karl H. Pribram mit der Idee, dass Erinnerungen über das ganze Gehirn verteilt sind: keiner seiner Patienten litt nach dem chirurgischen Eingriff an einem selektiven Gedächtnisverlust.
“Wenn ich die Belege für die Lokalisation der Gedächtnisspuren überdenke,dass daraus die Schlussfolgerung gezogen werden muss, dass es so etwas wie Lernen eigentlich überhaupt nicht geben kann. Gleichwohl, trotz aller Gegenbeweise, kommt es gelegentlich vor.” K. Lashley
Quantenphysik
Wird Materie in immer kleinere Teile zerlegt, erreicht man schließlich einen Punkt, an dem diese Teile - Elektronen, Protonen usw. - nicht mehr die Eigenschaft von Gegenständen haben. Obwohl sich etwa ein Elektron manchmal so verhalten kann, als wäre es ein kompaktes kleines Partikel, hat die Physik erkannt, dass es tatsächlich keine Dimension aufweist - und sich entweder als Teilchen oder als Welle manifestieren kann. (s. Doppelspalt-Experiment)
Quanten sind subatomare Erscheinungen, zu denen auch Licht und Radiowellen zählen. Sie lassen sich nicht nur als "Welle oder Teilchen" klassifizieren, sondern stellen Erscheinungsformen dar, die auf unerfindliche Weise stets beides sind. Physiker sehen in ihnen den Grundstoff, aus dem das gesamte Universum besteht.
Quanten werden sich allerdings nur dann als Teilchen manifestieren, wenn wir sie beobachten - zu allen anderen Zeiten verhalten sie sich als Wellen.
Zur Veranschaulichung stelle man sich eine Bowlingkugel vor, die eine gerade Linie auf der Bahn beschreibt, so lange man ihr zuschaut. Jedoch hinterlässt sie ein Wellenmuster, sobald man blinzelt. Ungünstig für Physiker, deren Arbeit ja im wesentlichen auf Beobachtungen gründet.
Menschen können die Struktur der Quantenrealität nicht erfassen - alles was wir anfassen (oder auch nur ansehen), verwandelt sich in Materie. Daraus wurde gefolgert, dass Teilcheneigenschaften nicht existieren, bevor sie beobachtet werden.
Zudem kamen Quantenphysiker zu dem Schluss, dass Quanten 'auf geheimnisvolle Weise' miteinander verwoben ("verschränkt") sind:
So schrieb Niels Bohr: Wenn subatomare Teilchen nicht als existierten, ehe sie beobachtet wurden, könne man sie “nicht mehr als selbständige Dinge begreifen”. Folglich habe Einstein sein Argument auf einen Irrtum gegründet, als er Zwillingsteilchen (gemeint sind zwei Photonen, die bei einem atomaren Zerfallsprozess eines instabilen Atoms hervorgehen) als getrennte Einheiten auffasste. Sie seien vielmehr Teil eines unteilbaren Systems, und es sei sinnlos, sie sich anders vorzustellen.
(Die Auffassung, wonach subatomare Systeme unteilbar sind, wirkte sich nachhaltig auf das Verständnis der Realität aus. Die Aussage "Alles ist Eins" wird auch von Dr. R. Froböse in dessen Vortrag "Quantenphysik der Unsterblichkeit" erörtert.)

Plasma ist ein Gas, das eine hohe Dichte von Elektronen und positiven Ionen aufweist, also von Atomen mit einer positiven Ladung. Wie der US-amerikanische Quantenphysiker David Bohm zeigte, hören die in einem Plasma befindlichen Elektronen auf, sich wie "Individuen" zu verhalten: statt dessen begannen sie sich so zu gebärden, “als ob sie Teil eines größeren und in sich verwobenen Ganzen wären”. 
Obgleich ihre individuellen Bewegungen zufällig wirkten, konnten riesige Elektronenmengen Wirkungen hervorbringen, die verblüffend gut aufeinander abgestimmt waren.
"Wie ein amöben-ähnliches Lebewesen regenerierte sich das Plasma unaufhörlich, und es schloss alle Verunreinigungen in eine Hülle ein, und zwar auf die gleiche Weise, wie ein biologischer Organismus Fremdkörper in eine Zyste einkapselt."
Diese organischen Eigenschaften vermittelten Bohm den Eindruck, das Elektronenmeer sei lebendig... Auch in seiner späteren Untersuchung von Elektronen in Metallen zeigten die scheinbar willkürlichen Bewegungen einzelner Elektronen eine organisierte Gesamtwirkung. ‘In einem Ozean von Elektronen verhielt sich jedes einzelne so, als wüsste es, was die ungezählten Billionen anderen gerade taten’.
Diese Kollektivbewegungen von Elektronen bezeichnete Bohm als Plasmonen.


Niels Bohr und andere angesehene Physiker wollten die Quantenphysik als 'abgeschlossenes Kapitel' beiseite legen: Wegen des störenden Einflusses von Beobachtungen 
könne man nicht tiefer in deren Phänomene eindringen, weshalb die Quantentheorie keinen Zugang zu den Grundstrukturen der Welt eröffnen werde. 

David Bohm dagegen fand sich nicht mit dem Statement ab, jenseits der subatomaren Landschaft existere halt keine tiefere Realitätsebene: Hinter der von Bohr postulierten 'undurchdringlichen Mauer' musste es eine tiefere Ebene noch unterhalb der Quanten geben, die noch auf ihre Entdeckung wartete.


Um ein tieferes Wirklichkeitsverständnis zu gewinnen, ging Bohm zunächst davon aus, dass Teilchen wie z.B. Elektronen auch in Abwesenheit eines Beobachters existieren. Gestützt auf diese Prämisse vermochte er durch die bloße Annahme eines neuartigen Feldes auf dieser Ebene unterhalb der Quanten die Befunde der Quantenphysik umfassender zu verstehen und zu erklären. Er stellte die These auf, dieses Quantenpotential (siehe De-Broglie-Bohm-Theorie) durchdringe wie die Schwerkraft den gesamten Weltraum.
(Klingt ein wenig wie der 'Äther', von dem sich Albert Einstein wenige Jahrzehnte zuvor gerade verabschiedet hatte).

Anders als Schwerkraft- und Magnetfelder nehme der Einfluss des Quantenpotentials nicht mit der Entfernung ab - es sei überall gleichermaßen wirksam. Der 1952 veröffentlichte Ansatz Bohms führte in der Fachwelt zu vorwiegend negativen Reaktion - man war von der Unmöglichkeit solcher Alternativen überzeugt.
Offensichtlich war Bohm seiner Zeit zu weit voraus: die Akzeptanz der Eigenschaften des Quantenpotenzials hätte in der Physik eine radikale Abwendung vom bisherigen Denken erfordert:

  • Ein solcher Aspekt ist die Bedeutung der Ganzheit (ein anderes Wort für System, also eine Gesamtheit von Elementen, wie eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit zusammen wirken und sich in dieser Hinsicht gegenüber der sie umgebenden Umwelt abgrenzen).
    Die klassische Naturwissenschaft hatte den Zustand eines Systems stets lediglich als das Ergebnis der Wechselwirkung seiner Teile aufgefasst.
    Das Quantenpotential impliziere hingegen, dass das Verhalten der Teile tatsächlich vom Ganzen organisiert wird.
  • Solche Quantenaktivität (z.B. der Elektronen in einem Plasma) wird auch mit dem Zusammenwirken der Organe und Körperteile eines Lebewesens verglichen. Zudem hört die Örtlichkeit auf der Ebene des Quantenpotentials auf, zu existieren - 'jeder Punkt im Raum ist allen anderen Punkten im Raum gleich'. Übertragen auf das Universum sind alle Dinge als Bestandteile eines zusammenhängenden Netzes in einen Raum eingebettet.
... Es gibt keine Materie an sich! Jede Materie entsteht und existiert nur vermöge einer Kraft, welche die Teilchen eines Atoms in Schwingung versetzt und dieses äußerst fragile Sonnensystem des Atoms zusammenhält. ... Wir müssen hinter dieser Kraft die Existenz eines bewussten und intelligenten Geistes annehmen. Dieser Geist ist die Matrix aller Materie!“ (Max Planck)

Hologramme als implizite Strukturmuster

Bohm erkannte außerdem, dass Hologramme 2) als Modell für den Ordnungsbegriff für Materie dienen konnten. Zuvor hatte er die Begrifflichkeiten der enthüllten oder expliziten Ordnung (die anhand einer offenkundigen Struktur erkennbar wird) und der impliziten oder verhüllten Ordnung (nicht auf Anhieb erkennbar, aber gleichwohl vorhanden) entwickelt.

Die Interferenzmuster, wie sie ein holographischer Film aufzeichnet, erscheinen dem bloßen Auge ungeordnet. Doch impliziert es eine Ordnung, die verborgen oder verhüllt ist - ganz wie die wie die Ordnung in einem Plasma in dem scheinbar willkürlichen Verhalten der einzelnen Elektronen verhüllt ist. 'Dahinter blicken' kann man, indem man nicht die einzelnen Teile beobachtet - sondern das Ganze, gewissermaßen von einer höheren Ebene.

So entwickelte Bohm die (für die Naturwissenschaft revolutionäre, in der Mystik aber durchaus geläufige) Vorstellung, das Universum sei zu vergleichen mit einem ständig im Fluss befindlichen, riesig großen Hologramm.

1980 fasste er seine Überlegungen in einem Buch mit dem Titel Wholeness and the Implicated Order zusammen, das zugleich den Überbau seiner einzelnen Denkansätze formuliert. Wesentliche Thesen darin:
  • Die für uns so konkret im Alltag erfahrbare Realität sei in Wahrheit eine Illusion, vergleichbar einem holographischen Bild. Ihr zugrunde liege eine tiefere Ordnung des Seins - eine unermessliche und ursprüngliche Wirklichkeitsebene, die alle Objekte und Erscheinungen unserer physischen Welt auf ganz ähnliche Weise hervorbringe, wie ein holographischer Film ein Hologramm erzeugt.
  • Diese tiefere Wirklichkeitsebene wird als implizite, uns verborgene Ordnung aufgefasst, während die von uns wahrgenommene Realität ('unsere Seinsebene') die explizite (sichtbar enthüllte) Ordnung darstellt.
  • Alle Erscheinungsformen im Universum sind in dieser Perspektive das Ergebnis ungezählter Verhüllungen und Enthüllungen innerhalb dieser Ordnungen
  • Ein beobachtetes Elementarteilchen enthüllt für die Dauer der Messung einen Teil dieser Ordnung, anders gesagt, wird ein Aspekt des Elektronenensembles an diesem bestimmten Ort enthüllt: Wenn sich ein Elektron zu bewegen scheint, so entsteht dieser Eindruck aus einer zusammenhängenden Folge solcher Enthüllungen und Verhüllungen...
Wenn sich ein Quant entweder als ein Teilchen oder als eine Welle manifestiert, sind diese beiden Aspekte stets verhüllt - erst die Art und Weise, wie ein Beobachter mit ihm interagiert, entscheidet darüber, welcher Aspekt sich enthüllt und damit sichtbar bzw. messbar wird.
Die Aussage, wonach jedes Teilstück eines holographischen Films sämtliche Informationen über das 'Ganze' enthält, bedeutet, dass die Informationen verteilt und nicht an einen Ort gebunden sind.

Falls also das Universum nach dem holographischen Prinzip aufgebaut ist, ist davon auszugehen, dass es ebenfalls nicht-örtliche Eigenschaften besitzt. Auch wäre es dann nicht sinnvoll, das Universum als aus einzeln wahrnehmbaren Teilen zusammengesetzt zu begreifen. Jeder Ausschnitt oder wahrnehmbare Teilaspekt des Universums würde dessen Gesamtheit repräsentieren…

Und doch nehmen wir das Universum als aus klar unterscheidbaren, 'örtlichen' Teilen zu bestehend wahr. Was wir sinnlich erfassen, ist nach dieser Vorstellung die beobachtete, 'enthüllte' Form des Universums, dessen 'wahre', ganzheitliche Realität verborgen bleibt.

Die Aufspaltung der Realität in Einzelteile und deren Benennung sind stets subjektiv – auch eine Gruppe mit ähnlicher Wahrnehmung einigt sich auf willkürliche Konventionen. In Wahrheit sei alles alles im Universum Teil eines Kontinuums (=einer unteilbaren Ganzheit, verkürzt gesagt). Differenzierung und Einzigartigkeit werden dadurch nicht ausgeschlossen.

Diese Einheit stelle ich mir etwa so vor wie einen Organismus, z.B. unseren Körper, der  aus Billionen einzelner Zellen zu bestehen scheint. Körperzellen sind unterscheidbar und ausdifferenziert – können aber einzeln nicht überleben, sondern bilden eine erkennbare Einheit. Könnten unsere Zellen sehen und denken, wären sie dennoch kaum außerstande, sich als diese Einheit aufzufassen.


Unterschiedlichkeit ist also durchaus von Bedeutung, auch wenn die Unterteilung verschiedener Aspekte ('Dinge', 'Zellen', Elementarteilchen usw.) eine Abstraktion ist: Durch unsere Form der Beobachtung stellen wir die Dinge erst 'für uns' scharf ein, die bis dahin nur in einem sehr verschwommenen Zustand existierten. Wichtig ist bei jeder Art von Gliederung, die dynamische Vernetzung aller Ein(zel)heiten zu beachten und zu berücksichtigen.


Die auch bei Hans P. Dürr anzutreffende Aussage 'Alles ist mit Allem verbunden' oder 'Alles ist Eins' gewinnt dadurch an Relevanz:
Kopfschmerz wird nicht sinnvoll durch eine (symptomatisch wirksame) Aspirin-Tablette behandelt, sondern durch eine Betrachtung des Menschen als Ganzes, in Bezug auf den Körper und die Psyche. 'Ganzheitliche Medizin' verfolgt genau diesen Ansatz. 
Bei sozialen Symptomen (z.B. Drogen-missbrauch oder Übergewicht) verhält es sich ähnlich - die Behandlung des Teilaspektes führt selten zu nachhaltigem Erfolg. Kopfschmerz wird nicht sinnvoll durch eine (symptomatisch wirksame) Aspirin-Tablette behandelt, sondern durch eine Betrachtung des Menschen als Ganzes, in Bezug auf den Körper und die Psyche. 'Ganzheitliche Medizin' verfolgt genau diesen Ansatz. Bei sozialen Symptomen (z.B. Drogenmissbrauch oder Übergewicht) verhält es sich ähnlich - die Behandlung des Teilaspektes führt selten zu nachhaltigem Erfolg.


Bewusstsein und Materie

Die Interaktion von Bewusstsein und Materie kann nicht plausibel aufgefasst werden, wenn man meint, ein separates Etwas (das Bewusstsein) interagiere mit subatomaren Teilchen. Aus Sicht der 'Holobewegung' sind beide eins:
Der Beobachter bildet mit dem Beobachtungsobjekt eine Einheit, beide sind eng miteinander vernetzt. So gesehen sei Bewusstsein eine subtilere Form von Materie3) - die Basis für alle Beziehungen zwischen beiden liege nicht auf unserer eigenen Wirklichkeitsebene, sondern tief in der impliziten Ordnung. Nach Bohm ist Bewusstsein in unterschiedlichen Graden der Verhüllung und Enthüllung in der gesamten Materie gegenwärtig; das sei womöglich der Grund dafür, dass Plasmen einige Merkmale von Lebewesen haben:

“Die Fähigkeit der Form, aktiv zu sein, ist das charakteristischste Kennzeichen des Geistes, und bereits im Elektron haben wir etwas, das geistähnlich ist.”
Auch eine Trennung in lebendige und leblose Dinge sei ohne Bedeutung, denn belebte und unbelebte Materie sind untrennbar ineinander verwoben - sogar Leben sei "in der Totalität des Universums verhüllt".
Leben und Intelligenz wohnen der gesamten Materie, der Energie, Raum & Zeit und dem "Gewebe des gesamten Universums" inne.
So wie jedes Teilstück eines Hologramms das Bild des Ganzen enthält, sei in jedem Teilstück des Universums das Ganze eingefaltet. Danach müsste in einer Erdnuss die gesamte Milchstraße zu finden sein, und mit ihr auch der Rest des Universums...und ebenso wären die gesamte Vergangenheit wie deren Bedeutung für die Zukunft gleichfalls in jedem kleinen Bereich von Raum und Zeit verhüllt...
"Jede Zelle unseres Körpers birgt den gesamten Kosmos in sich."
Die 'sichtbaren', aus DNA-Molekülen zusammengesetzten Gene wären danach zur expliziten Ordnung zu zählen, während 'der gesamte Kosmos' in der impliziten Ordnung verborgen liege. Mich würde interessieren, was Informatik-Wissenschaftler dazu sagt: Geht mit der unvorstellbar hohen Informationsdichte nicht die Informationstiefe verloren? In einem Hologramm ist dies so: zwar liefert ein kleiner Ausschnitt daraus ein Bild vom Ganzen, aber halt nicht in der selben Tiefe und Präzision.
Wie Boom zum 'Vakuum' im Sinne einer Leere steht, liegt nun schon fast nahe ...das Nichts und die Materieteile existieren nicht unabhängig voneinander, sondern sie sind beide vernetzte Teile des Gewebes. Raum ist nicht leer. Er ist voll (von Energie), ein Plenum anstelle eines Vakuum, und die Grundlage aller Existenz, einschließlich unserer eigenen.
"Das Universum ist eine Kräuselwelle auf der Oberfläche eines kosmischen Energiemeeres, ein vergleichsweise kleines Erregungsmuster inmitten eines unvorstellbar weiten Ozeans. Dieses Erregungsmuster ist relativ autonom und bewirkt periodische, stabile und unterscheidbare Projektionen in eine dreidimensionale explizite Ordnung von Manifestationen."
Wer in diesem Zusammenhang an die "Matrix" als Ausgangspunkt der dreidimensionalen Projektionen denkt, liegt damit gar nicht mal so falsch. Das Naturell solcher Projektionen impliziere zugleich, dass dass es keine objektive Realität gibt, dass unser Universum im Grunde eine Art Fantasie darstelle.
Bleibt nur noch die Frage: Wessen Fantasie? Wer hat dieses Universum in seinem autonomen, aber letztlich auch subjektiven Bewusstsein manifestiert? Ein jeder von uns?



Experimentelle Hinweise

1982 entdeckten ein Forscherteam unter der Führung des Physikers Alain Aspect an der Universität Paris, dass unter bestimmten Voraussetzungen subatomare Teilchen, wie zum Beispiel Elektronen, fähig sind, 'sofort' (auf der Stelle) miteinander zu kommunizieren und zwar unabhängig von der räumlichen Distanz, die sie trennt. Es spielt keine Rolle, ob sie 10 Fuß oder 10 Billionen Fuß voneinander entfernt sind.
Folglich mussten die beiden Teilchen 'nicht-örtlich' miteinander verbunden sein - alles andere hätte einen Verstoß gegen Einsteins Gesetz bedeutet, nach dem keine Kommunikation schnelle als Lichtgeschwindigkeit möglich ist. Weil nun aber alle (?) Teilchen ständig miteinander interagieren, können die ortsungebundenen Eigenschaften von Quantensystemen somit ein allgemeines Merkmal der Natur beschrieben werden (vgl. Paul Davies). Das Holografische Modell wird dadurch zwar nicht final bewiesen, aber sehr wahrscheinlich...4)

Fazit bis hierhin: Erste Umrisse eines neuen Weltbildes zeichnen sich ab – noch unbewiesen, aber plausibel:

  • Unser Gehirn konstruiert auf mathematischem Wege eine scheinbar objektive Realität durch die Interpretation von Frequenzen, die letztlich Projektionen aus einer anderen Dimension sind.
  • Diese andere, höhere Dimension kann aufgefasst werden als verborgene Seinsordnung, die sich jenseits von Raum und Zeit erstreckt.
  • Dabei beherbergt unser Gehirn ein Hologramm, das sich in einem holographischen Universum verhüllt. Daraus kann man die zulässige Schlussfolgerung ziehen, dass die objektive Welt nicht existiert, jedenfalls nicht in der Form, die wir für gegeben halten. 'Außerhalb' befindet sich ein unermesslicher Ozean von Wellen und Frequenzen, aus denen unser Gehirn die 'konkrete' Wirklichkeit (ein Bild von der Außenwelt) konstruiert.-
Träume und bewusstseins-erweiternde Drogen
Nach Talbot lassen Träume sich als “Besuche in Parallelwelten” auffassen. Der Mensch sei imstande, "Bilder aus dem kollektiven Unbewussten" herauf zu beschwören. Sie seien einfach nur kleinere Hologramme innerhalb des größeren und umfassenderen kosmischen Hologramms.

Stanislav Grof, Leiter der psychiatrischen Forschungsabteilung am Maryland Psychiatric Research Center sei nach mehr als dreißigjährigem Studium außergewöhnlicher Bewusstseinszustände zu dem Ergebnis gelangt, dass die holographische Vernetzung der Erforschung unserer Psyche schier unerschöpfliche Möglichkeiten eröffnet. Insgesamt überwachte Grof mehr als 3000 LSD-Sitzungen und analysierte zudem Protokolle von über 2000 Sitzungen seiner Kollegen.
Reaktionen nach wiederholte Einnahme von LSD hätten eine eindeutige Kontinuität von Erlebnisinhalten kranker und 'normaler' Testpersonen gezeigt.

"Die (Erlebnisinhalte) waren nicht unverbunden und beliebig, sondern sie schienen eine sukzessive Enthüllung immer tieferer Schichten des Unbewussten zu spiegeln."
Noch erstaunlicher: viele Patienten gelangten bald über ihre unmittelbaren Probleme, hinaus und schilderten beispielsweise Erfahrung, die sich auf den Aufenthalt im Mutterleib bezogen. Das in solchen Schilderungen enthaltene embryologische Wissen habe weit über dem diesbezüglichen Wissensniveau der Patienten gelegen:
"Die Kranken beschrieben präzise bestimmte Merkmale der mütterlichen Herztöne … und sogar Details der verschiedenen zellularen und biochemischen Vorgänge...bis hin zu wichtigen Gedanken und Empfindungen ihrer Mutter während der Schwangerschaft!"
Einige dieser Aussagen habe Grof durch Befragung der jeweiligen Mütter und anderer Betroffenen verifiziert. Bisweilen habe Bewusstsein einzelner Patienten über die Grenzen des eigenen Ichs hinaus sogar erkundet, was für ein Gefühl es war, ein anderes Lebewesen oder gar ein unbelebter Gegenstand zu sein.
Manche Patienten konnten sich auch in das Bewusstsein ihrer Verwandten und Vorfahren (die vor Jahrhunderten gelebt hatten) versetzen – deutet sich hier eine tragfähige Beglaubigung der bislang doch sehr umstrittenen Nahtoderfahrungen an?

Sogar subjektive 'Zeitreisen' durch die Empfindungen längst ausgestorbener Lebewesen seien unter der Wirkung von LSD möglich gewesen.


Wie weit solche Erinnerungen wirklich zurückreichen können, ist fraglich. Nachweisbar ist jedoch, dass Personen während solche traumartigen Erlebnisse einen Kenntnisstand erlangten, welcher über ihre Vorbildung und ihr einschlägigen Wissen weit hinaus ging (und dass die geäußerten Kenntnisse und Erfahrungen einer späteren Überprüfung standhielten. Die Begeisterung der beteiligten Wissenschaftler spreche für sich:

"Das Einfühlungsvermögen …der LSD-Kandidaten kannte offenbar keine Grenzen. Sie schienen die Fähigkeit zu besitzen, sich in jedes Tier, ja, in jede Pflanze der Evolutionsgeschichte hineinzuversetzen. [...] Mehr noch, sie vermochten Raum und Zeit zu transzendieren."
Nun ja, auch in einem holografischen Universum wird es Phantasievorstellungen geben …nach diversen LSD-Trips wurden Begegnungen mit nicht-menschlichen Intelligenzen, körperlosen Geist- und Energiewesen, Abgesandten 'höherer Bewusstseinsebenen' und anderen supra-humanen Gestalten geschildert…
So entstand nach und nach der Eindruck, als würde LSD dem menschlichen Bewusstsein den Zugang zu endlosen Bereichen des Unbewussten eröffnen, in denen alles mit allem anderen verbunden war. Grof prägte den Begriff transpersonaler Phänomene für Erfahrungen, in denen das Bewusstsein die uns bekannten Grenzen der Persönlichkeit überschreitet – als neue Fachdisziplin der Psychologie entstand die sogenannte 'Transpersonale Psychologie'. (vgl. auch: "Generalisierte Quantentheorie - Eine theoretische Basis zum Verständnis transpersonaler Phänomene", Auszug)

Grof gelangte zu letztlich dem Schluss, die Ergebnisse der LSD-Forschung erfordere eine Revision bestehender Paradigmen in Psychologie Medizin und möglicherweise eine Neubewertung wissenschaftlicher Standpunkte allgemein. Unser heutiges Verständnis des Universums, des Wesens der Realität und insbesondere des Menschen hielt er für oberflächlich, unzutreffend und unvollständig.

Kann das holographische Modell diese Lücke schließen helfen, solange unsere herkömmliche, auf Alltagswahrnehmung gegründete Wirklichkeitsauffassung mit transpersonalen Erscheinungen nicht zu Rande kommt?

Zumindest lassen sich Zusammenhänge zwischen transpersonalen Phänomenen und einem holografisch strukturiertem Alles-was-ist postulieren (unser Universum wäre darin lediglich eine Teilmenge):

  • Die wesentlichen Merkmale transpersonaler Erfahrungen - das Gefühl, dass alle Grenzen illusorisch sind und die Verwobenheit aller Dinge - müssten sich in einem holographischen Universum wiederfinden.
  • ...ebenso der Umstand, dass transpersonale Erfahrungen nicht an gängige Beschränkungen durch Raum und Zeit gebunden sind.
  • Die Tatsache, dass Visionen, Phantasien etc. eine riesige Menge an Informationen über die Persönlichkeit eines Individuums enthalten, könnte mit nahezu unbegrenzten Kapazität von Information erklärt werden, die ein weiteres Merkmal von Hologrammen ist.
  • Glaubt man Grof, so wird eine verborgene holographische Ordnung beinahe jedes Mal offensichtlich, wenn ein Mensch einen außergewöhnlichen Bewusstseinszustand erlebt. Entsprechend Bohms' Vorstellung von den enthüllten und verhüllten Ordnungen' erlauben solche erweiterten Bewusstseinszustände , in verborgene Wirklichkeitsbereiche vorzudringen, die gleichsam in die Alltagsrealität eingebunden und zugleich ihr übergeordnet sind.
Beruhigend: auch ohne Drogen lassen sich solche holotropischen Zustände ("Situation, in der man Zugang erlangen kann zu dem holographischen Labyrinth, das alle Erscheinungsformen des Seins miteinander verbindet") herbeiführen. In der holotropischen Therapie wird die angestrebte Veränderung des Bewusstseinszustands durch kontrollierte Atmung, beschwörende Musik und Massage  herbeigeführt. 


Implikationen: Psychotherapie/Psycholoanalyse
Der Psychiater Edgar A. Levenson sieht im Hologramm ein geeignetes Modell für das Verständnis der plötzlichen Veränderungen ('Transformationen'), die Patienten vielfach während einer Psychotherapie erfahren. Derartige Veränderungen finden unabhängig davon statt, welche Techniken eingesetzt werden. Daraus leitet Levenson ab, alle psychoanalytischen Behandlungsmethoden seien ein bloßes Zeremoniell und die Veränderung werde durch etwas völlig anderes herbeigeführt. Levenson glaubt, dass dieses Etwas die Resonanz ist:
"Es ist, als ob sich in der Therapie … Repräsentation der Erfahrungen des Patienten entwickelt, die alle Aspekte seines Lebens, seiner Vorgeschichte und seiner Beziehung zum Therapeuten umfasst. An einem bestimmten Punkt kommt es zu einer Art "Überbelastung", und alles rückt an seinen Platz." Also vergleichbar dem Neustart eines Computers?
(Kurzer Einschub zum methodischen Hintergrund, da diese Ausführungen für mich vor dem Hintergrund der distanzierten Psychoanalyse-Praxis nach Freud/C.G.Jung nicht nachvollziehbar war: Intersubjektivität formuliert eine erlebensnah orientierte Form psychoanalytischer Theorie und Behandlungspraxis, die sich wesentlich von der klassischen Konzeption Freuds unterscheidet. Erleben entsteht im wechselseitigen Austausch von Subjektivitäten (zwischen Patient und Analytiker). Die Beobachtungsposition liegt dabei stets innerhalb des gemeinsamen Kontextes, d. h. der Analytiker versucht den Patienten aus dessen Perspektive heraus zu verstehen (Empathie) und bezieht seinen eigenen biographischen Hintergrund in die Reflexion seiner Haltung dem Patienten gegenüber mit ein (Introspektion). 
Levenson hält diese Repräsentationen von Erfahrungen für Hologramme, tief vergraben in der Psyche des Patienten, und meint, dass die emotionale Resonanz zwischen dem Therapeuten und dem Patienten sie zutage fördert. Das holografische Modell lege ein radikal neues Paradigma mit neuartige Möglichkeiten vor, um klinische Phänomene zu erfassen und zu verknüpfen.
Der Psychiater David Shainberg schlägt vor, Bohms These "Gedanken gleichen Wirbeln in einem Fluss" wörtlich zu nehmen: Wirbel in Natur und Kosmos sind häufig erstaunlich stabil - analog verhärten sich unsere "Wirbel des Denkens" (unsere Einstellungen und Überzeugungen) sich manchmal so sehr, dass sie gegen jede Veränderung resistent werden. Diesen Umstand kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen: Negative Denkmuster und Introjekte 'von früher' sind sowas von hartnäckig - zumal sie sich auch auf einer nicht bewussten Ebene festsetzen.

Diese 'Zementierung des Denkens' dominiere unser Verhalten und beeinträchtige die Fähigkeit zur Aneignung neuer Ideen und Informationen. Damit schade sie der menschlichen Weiterentwicklung.

Auch negative Verhaltensaspekte lassen sich durch so erklären: 
"Selbstsucht entsteht, wo Menschen in ihrem Ich isoliert sind und nicht das Gefühl der Verbundenheit mit anderen menschlichen Wesen kennen."
Zugleich verspüren Betroffene eine innere Leere, die sie mit allem, was sie (materiell und sozial) an sich raffen können, auszufüllen trachten.
Eine durchaus treffende Diagnose des Konsum- und Profitstrebens unserer Zeit (insofern beides pathologische Züge annimmt und mit einem gesunden Selbsterhaltungstrieb nicht mehr zu erklären ist) – soziale/mentale Isolation und unersättliche Gier versetzen manche Leute in abgestumpfte Gleichgültigkeit gegenüber der Außenwelt ...einschließlich der Folgen, die ihre eigenen Aktivitäten haben.
“Wenn wir zulassen, dass sich dieselben Wirbel immer mehr verfestigen, errichten wir eine Barriere zwischen uns und den positiven und neuartigen Interaktionen, die uns mit dieser unerschöpflichen Quelle allen Seins zuteil werden könnten.”
Die Unbefangenheit und lebhafte Aufgeschlossenheit eines Kindes offenbare das Potenzial eines noch unbehinderten Bewusstseins. Dagegen wird das Urteilsvermögen durch zunehmend verhärteten Überzeugungen gemindert, wo Urteile unbeeinflusst von neuer Information starr bestehen bleiben. Anstatt sich auf einen ergebnisoffenen Austausch einzulassen, werden bloß noch nur die gleichen, eigenen Ansichten herunter gebetet.-


Ein Fehler im Gewebe der Realität?

Dem bekannten Schweizer Psychiater Carl Gustav ("C. G.") Jung verdanken wir unter anderem die Klärung des Begriffs der 'Synchronizität', ein ungewöhnlich Zusammenfallen von Ereignissen, welches man schwerlich allein dem Zufall zuschreiben kann. Talbot meint, jeder von uns habe dergleichen schon erlebt, ein kurzer Ausschnitt aus dem Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button" mag der Veranschaulichung dienen:



"Es geht um die Gleichzeitigkeit zweier nicht kausal verbundener Geschehnisse, die sich meistens wie folgt äußern: Ein aus dem Innern kommender Impuls, etwa ein Spontangedanke während eines anregenden Gesprächs oder eine intensive Beschäftigung mit einem Problem oder der Ansatz einer noch unausgereiften Idee wird plötzlich zeitgleich be- oder verstärkt durch eine Begebenheit oder das Auftauchen eines im Zusammenhang stehenden Symbols im unmittelbaren Umkreis. Es ist, als ob quasi aus der Zeit-Dimension ein Echo, eine Art Bejahung, eine Bekräftigung erfolgt."
Die Bedeutung solch 'merkwürdiger Zufälle' liegt in deren Unwahrscheinlichkeit, doch es gibt jedoch eine andere Form der Synchronizität, die in einem offenkundigen Bezug zu Ereignissen steht, die sich tief in der menschlichen Psyche abspielen. Jung und der Zürcher Psychiater Carl Alfred Meier stellten fest, dass diese 'Zufallsereignisse' fast immer in Zeiten emotionaler Intensität und Veränderung auftraten: bei einem grundlegenden Wandel der Überzeugung, bei plötzlichen neuen Einsichten, bei Todesfällen, Geburten und sogar bei Berufswechseln.

Offenbar träten sie wie ein 'himmlischer Fingerzeig' gerade dann auf, wenn neue Einstellung oder Einsicht in unserem Bewusstsein Gestalt annehmen will. So könne die symbolische Botschaft eines Traums offenbar die Grenzen der Psyche einer einzelnen Person überwinden und in die physische Realität übergehen!
Jung konnte sich nicht vorstellen, wie ein seelischer Vorgang ein Ereignis oder eine Serie von Ereignissen in der realen Welt verursachen sollte - er nahm er an, dass hier ein neues Prinzip wirksam sein müsse: dieses übergreifende akausale Prinzip war der Wissenschaft bis dahin unbekannt und stellte sie vor ziemliche Herausforderungen.

Wie nicht anders zu erwarten,wurde Jungs These von den meisten Physikern nicht ernst genommen, doch Wolfgang Pauli hielt verfasste gemeinsam mit Jung das Buch "Naturerklärung und Psyche" zu diesem Thema.
Erst nachdem die Existenz von nicht-ortsgebundenen Beziehungen auf der subatomaren Ebene nachgewiesen wurde, erschien Jungs These in einem neuen Licht - und der englische Physiker Paul Davies erklärte:
"Diese nicht-örtlichen Quanteneffekte sind eine Form der Synchronizität in dem Sinne, dass sie eine Verbindung [...] zwischen Ereignissen herstellen, bei denen jede kausale Verknüpfung ausscheidet."
Und David Peat glaubt, dass die Jungschen Synchronizitäten nicht nur real sind, sondern auch eine weitere Bestätigung der impliziten Ordnung darstellen. Wir erinnern uns: Laut Bohm die ist Trennung von Bewusstsein und Materie eine Illusion. Synchronizitäten können als Indiz dafür angesehen werden, dass tatsächlich keine Trennung zwischen der physischen Welt und unserer inneren psychischen Wirklichkeit besteht. Peat hält Synchronizitätsereignisse für "Fehler" im Gewebe der Wirklichkeit, die uns einen flüchtigen Blick auf die umfassende und geschlossene Ordnung der gesamten Natur gestatten. (In der 'Matrix' treten solche 'Fehler' ebenfalls auf, z.B. in Gestalt des deja vu mit der Katze...).
Die Seltenheit solcher Erlebnisse zeige nicht nur, wie weit unser Geist sich von dieser allgemeinen Realitätsebene entfernt habe, sondern auch das ungeheure Potenzial dieser 'wahren Ordnung'.
Diese Überlegung hat erstaunlich weitreichende ("bestürzende") Konsequenzen: Unser gängiges Weltbild lebt von der Prämisse, dass die subjektive und die objektive Wirklichkeit deutlich voneinander getrennt sind. Wenn es jedoch letztlich keine Trennung zwischen der materiellen Welt und den psychischen Vorgängen in unserem Innern gibt, dann gleiche die objektive Wirklichkeit in höherem Maße einem Traum, als wir bislang zu wissen glaubten!
(Hm...ich bin bislang stets von einer Art 'Einbahnstraße' ausgegangen - in dem Sinne, dass unsere Seele und Traumwelt durch die 'objektive Wirklichkeit' beeinflusst werde, aber nicht umgekehrt: Falls Talbot und Bohm richtig liegen, ist aber die wahrgenommene 'Realität' teilweise ein Produkt des Geistes, der seinerseits mit einem kollektiven Gesamtbewusstsein interagiert! Richtig ist: in meinen Träumen durchlebe ich Sequenzen und besuche Orte, welche mit meinen bisherigen Erinnerungen absolut nichts gemeinsam haben...oft habe ich mich gefragt: 'Wo kommen diese merkwürdigen, aber eindrucksvollen Traumerlebnisse her...soll mein Geist bzw. mein Unterbewusstsein sich das alles alleine ausgedacht haben?' 
Die Vermutung, dass unsere Gedanken Wirklichkeit (er)schaffen können, ist vielleicht gar nicht so 'esoterisch'.)
In einem holographischen Universum existieren weitreichende Wechselbeziehungen zwischen allen Dingen, ohne dass Materie und Geist strikt voneinander getrennt sind. Damit entfällt eventuell einiges an Erklärungsschwierigkeiten, die in unserem herkömmlichen Wirklichkeitsbild immer dann auftreten, wenn wir einem scheinbar ‘übernatürlichen’ Phänomen begegnen. Der Gedanke, dass dieser Eindruck nur durch unsere begrenzte Wahrnehmung der Realität entsteht, ist faszinierend – wenn auch nicht neu. Neu am holografischen Prinzip ist, dass solche Phänomene erstmals erklärbar werden könnten, ohne dass Naturwissenschaftler sich angewidert abwenden müssten…

An dieser Stelle von Talbots Buch will ich es bewenden lassen. Denn in nachfolgenden Buchkapiteln befasst der Autor sich mit Wundern und Heiligen-Reliquien – ein Bereich unserer Realität, zu dem es mir persönlich an der nötigen Aufgeschlossen fehlt…
Vielleicht liegt darin eine Gefahr, wenn man sich intensiv mit 'alternativen Wirklichkeitsmodellen' auseinandersetzt(?): Im Alltagsleben sind wir darauf angewiesen, reale von irrealen Eindrücken zu unterscheiden...andernfalls ginge uns die Fähigkeit verloren, uns in der Gemeinschaft mit anderen Menschen in jener intersubjektiven Realität zu orientieren, welche gemeinsam als 'wahr' oder 'echt' wahrgenommen wird. Im Extremfall würde dann ein jeder von uns ausschließlich 'in seiner eigenen Welt' leben - was kaum wünschenswert erscheint in einem Universum, in welchem doch 'alles eins ist'...
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Ergänzungen und Anmerkungen 
  1. Woher nehmen wir uns eigentlich das Recht für solche und weitaus schlimmere Versuche an lebenden, empfindungsfähigen Geschöpfen? Solche Experimente werden zudem noch zig-fach wiederholt…und dennoch betrachtet der Mensch sich als 'moralisch überlegene Spezies' ! In Wahrheit ist es doch so: wir tun es, weil wir es können – und weil es einen materiellen Nutzen verspricht. 
  2. Ein Hologramm ist eine fotografische Aufnahme, die … ein dreidimensionales Abbild des Ursprungsgegenstandes wiedergibt. Ein holografischer Film repräsentiert nach Bohm und Talbot eine implizite Ordnung: Das in seinen Interferenzmustern kodierte Bild ist eine verborgene Totalität, die sich im Ganzen verhüllt. Dagegen stellt das durch den Film projizierte Hologramm eine explizite Ordnung dar, es ist die enthüllte und wahrnehmbare Version des Bildes. 
  3. Dieser Aussage begegnen wir interessanterweise bei Mystikern, Spiritualisten und in der Esoterik: hier werden Materie und Geist als unterschiedlich verdichtete Formen ein und desselben ‘Urstoffes’ aufgefasst. Der Grad der Verdichtung wird oft durch Begriffe wie feinstofflich und grobstofflich bezeichnet. 
  4. Besonders interessant ist die Einschätzung von Brian Josephson (1973 Nobelpreis für Physik) im Hinblick auf eine eine fragliche Synthese zwischen naturwissenschaftlichen Modellen und der Existenz einer schöpferischen, planenden Intelligenz: Josephson glaubt nämlich, mittels Bohms impliziter Ordnung könne eines Tages sogar für Gott oder die Seele ein Platz in den Naturwissenschaften darstellbar werden. 
  5. In diese Richtung weist auch die psychologische Feldtheorie von Kurt Lewin, der u.a. von der "Durchlässigkeit der Grenzen" spricht: die Abgrenzung eines Babys oder Kleinkindes zu seiner Umwelt ist vergleichsweise minimal, doch nimmt diese Durchlässigkeit mit zunehmendem Alter ab. Je nach Persönlichkeit und abhängig vom 'Druck von Außen' ist diese Grenze wie eine 'semipermeable Membran'; wie sich die 'Wirbel des Geistes' auf die Bereitschaft auswirken, abweichende Meinungen anzuhören und zu prüfen, ist offensichtlich.