Freitag, 21. September 2012

“Beleidigt sind nur Fundamentalisten”

Religion, Meinungsfreiheit und Gewalt

Ein lange schwelender Konflikt eskaliert nun großflächig: Gewalttätige Demonstranten Botschaften und andere Einrichtungen der US-Amerikaner und anderer westlicher Staaten an – vordergründig aus Empörung über ein in den USA produziertes Video, das den Propheten Mohammed als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld verunglimpft.


Manche meinen, den Konflikt durch zusätzliche Provokationen noch anheizen zu müssen:
  • Die rechte Gruppierung "Pro Deutschland", der jedes imagewirksame Mittel zur Polemisierung gegen den Islam recht ist will diesen Mohammed-Film nun in Berlin öffentlich aufführen.
  • "Zeichne einen lustigen Mohammed, und du stirbst":
    Der französische Zeichner und Chefredakteur Stephane Charbonnier verteidigt seine Mohammed-Karikaturen und geht in die Offensive. Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo” hat seine Mohammed-Karikaturen abgedruckt. Christliche und jüdische Gemeinschaften sind anderer Meinung…
    Resultat: Aus Furcht vor neuen Unruhen in der islamischen Welt schließt Frankreich nun etliche seiner Botschaften.
Dem moralischen Ethos der meisten Menschen zufolge endet die Freiheit des einzelnen jeweils dort, wo Religionsgemeinschaften sich vorhersehbar in ihren religiösen Empfindungen verletzt fühlen. Würde dies allgemein respektiert, dann bestünde weder ein Anlass für gewaltsame Proteste muslimischer Hardliner noch für staatliche Interventionen und Verbote.
Doch so einfach ist es offensichtlich nicht:
Wer legt ‘objektiv’ fest, was gerade noch zulässige Kritik ist und wo religiöse Rechte unzulässig berührt bzw. verletzt werden?

Und vor allem: Ist Gewalt überhaupt zu rechtfertigen, selbst wenn eine Beleidigung von Religionsstiftern und einschlägigen Symbolfiguren offenkundig ist?
Außenminister Guido Westerwelle bezeichnete das betreffende Video als “unerträglich” – und stellte zugleich klar, dass es jedoch keine Rechtfertigung für Gewalt. Dies gilt insbesondere für das Töten von Menschen, wie die Ermordung des US-Botschafters Chris Stevens in Libyen – aber auch für Brandanschläge und die Erstürmung von Botschaften.
Der Angriff auf die deutsche Vertretung im Sudan war nicht etwa eine spontane Aktion, sondern seit Tagen vorbereitet worden. Der Hass habe sich offenbar wegen Anti-Islam-Demos von Rechten in der Bundesrepublik entladen:

"Spätestens seit Anfang dieser Woche riefen im Sudan islamistische Prediger und indirekt auch die Regierung zu einer massiven Demonstration vor der deutschen Botschaft an diesem Freitag auf.
Mehrere Imame hetzten ihre Anhänger mit der Aussage auf, dass in Deutschland bei Demonstrationen das Bild des heiligen Propheten geschändet werde."
Werden wiederum ganze Völker für das Fehlverhalten einzelner Personen oder zahlenmäßig unbedeutender Minderheiten in Haft genommen?
Man möchte dem französischen Außenminister Fabius einerseits beipflichten - es ist nicht "intelligent, in diesem Moment Öl ins Feuer zu gießen". Andererseits, wie sieht eine intelligente, besonnene Reaktion in solch einem Fall idealerweise aus? Das Schließen von Botschaften wirkt wie eine Flucht und könnte von jenen als Schuldeingeständnis gewertet werden, die keine Haltung außer ihrer eigenen respektieren.
So selten es vorkommt, dass ich den USA in ihren anti-islami(sti)schen Aktionen zustimme – ist es richtig, vor einem gewalttätigen und radikalisierten Mob zu kuschen?
Einer dpa-Meldung zufolge planen die USA ‘aggressive Schritte’ zum Schutz ihrer diplomatischen Vertretungen. Sicherheitsvorkehrungen müssten die Bedrohungen für das Botschaftspersonal der Vereinigten Staaten in der Welt widerspiegeln, sagte Außenministerin Clinton.

Zum Schutz der Diplomaten wurde bereits eine schnelle Eingreiftruppe in den Sudan entsandt – doch die sudanesische Regierung weigert sich offenbar, die Marines einreisen zu lassen.

Die dauerhafte Schließung deutscher und französischer Botschaften ist keine geeignete Lösung. Soweit mir bekannt, haben nach internationalem Recht die Gastgeber-Länder die Botschaften anderer Staaten zu schützen und Gesetzesübertretungen zu ahnden. Davon hört man bedauerlicherweise sehr wenig – statt dessen übten mehrere Regierungsvertreter islamischer Staaten offen Kritik an Obama, Merkel & Co. und heizten die Stimmung verquerer Landsleute damit noch an.
Dabei ging es nicht um aktuelle Anlässe: Merkel wurde getadelt, weil sie im Jahr 2010 den Zeichner der Karikaturen, die 2005 für wütende Proteste in der gesamten muslimischen Welt gesorgt hatten, bei der Verleihung eines Medienpreises in Potsdam geehrt hatte. Damit sei es die Kanzlerin (und nicht etwa die Hassprediger im eigenen Lande), die das friedliche Nebeneinander der Kulturen in Frage gestellt habe.
So wird beinahe der Eindruck erweckt, als stammten die Verunglimpfungen des Islams und seines Protagonisten direkt aus der Feder westlicher Staatsführungen.

Verunglimpfungen von Jesus oder Mohammed (oder des Paptses) sind auch meiner Meinung nach schädlich, dumm und in dieser Form völlig unangebracht – aber wie sollen sich Staat und Politik verhalten, wenn sie trotzdem geschehen?
Wenn alles unterbunden oder verboten würde, was von Andersdenkenden als Vorwand missbraucht werden kann, um ihren allgemeinen Unmut und Hass durch Gewaltakte auszudrücken, müssen wir uns wohl von der Meinungsfreiheit verabschieden.

Darf die Meinungsfreiheit als „Kern der demokratischen Staatsform“ ausgespielt werden gegen die ebenso schützenswerten Güter Religionsfreiheit und religiöse Toleranz? Natürlich nicht, aber ich frage mich, wie dies sinnvoll verhindert werden kann.
Das nachfolgende Interview bringt etwas Ordnung in die verschiedenen Positionen und Ideologien, die sich in diesem vermeidbaren Konflikt gegenüberstehen:


“Beleidigt sind nur Fundamentalisten”

Interview mit der Juristin und Islamkennerin Seyran Ates
Seyran Ates wurde 1963 in der Türkei geboren und kam mit sechs Jahren nach Berlin. Die Juristin war Mitglied der Islamkonferenz und engagiert sich für Integration. Gleich zu Beginn des Interviews auf WELTonline stellt sie klar, worum es islamischen Fundamentalisten aus ihrer Sicht geht:
Fundamentalisten lehnten die Demokratie ab, denn sie beabsichtigten die Gestaltung der gesamten Gesellschaft nach ihren religiösen Regeln.
“Gottes Wort ist ihnen Gesetz. Es soll auch für das Verhältnis der Bürger untereinander gelten. Islamische Fundamentalisten wollen keine zivile Gesellschaft unabhängig vom Glauben.”
Religionsfreiheit ist für sie etwas, das sie zutiefst ablehnen, ein Irrweg, der von Gott wegführe…denn in ihrer Wahrnehmung existiert nur der eine Weg zum Heil.
Der Vorwurf der Blasphemie – also der „Gotteslästerung“ im Sinne von Verneinen, Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer Religion bezeichne – treffe zwar zu. Jedenfalls aus der Sichtweise tiefreligiöser Personen, deren Alltag vollständig vom Glauben geprägt und durchsetzt ist.  der muss die Beleidigung Gottes persönlich nehmen und sich dagegen wehren.
“Jeder Kritiker des Islams ist für ihn ein Feind, egal ob die Kritik respektvoll oder respektlos geäußert wird.
Der tiefgläubige Muslim ist verpflichtet, den Feind zu bestrafen.”
…und je nach Auslegung von Koran und der Hadithen zu töten. In Pakistan, Saudi-Arabien, Iran, in Afghanistan und seit kurzem im Sudan werde auf Blasphemie durch den Staat mit dem Tode bestraft.
Hierbei richtet sich die Bestrafung nicht nur gegen Verunglimpfung, sondern jede Form von ‘Unglauben’ bzw. Abkehr vom Islam.

Grundlagen dieser fundamentalistisch ausgerichteten Auslegung
Sure 4, Vers 89 des Koran besagt:
“Sie möchten gern, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so daß ihr (alle) gleich seiet. Nehmt euch daher von ihnen keine Vertrauten, bevor sie nicht auf Allahs Weg auswandern! Kehren sie sich jedoch ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch von ihnen weder Schutzherrn noch Helfer,”… (weiter mit Vers 90)
Der Tötungsbefehl beziehe sich zunächst auf ‘Heuchler’ und Apostaten und werde kombiniert mit der neunten Sure, Vers 65/66:
“Und wenn du sie fragst, werden sie ganz gewiß sagen: „Wir haben nur (schweifende) Gespräche geführt und gescherzt.“ Sag: Habt ihr euch denn über Allah und Seine Zeichen und Seinen Gesandten lustig gemacht?
Entschuldigt euch nicht! Ihr seid ja ungläubig geworden, nachdem ihr den Glauben (angenommen) hattet. Wenn Wir (auch) einem Teil von euch verzeihen, so strafen Wir einen (anderen) Teil (dafür), daß sie Übeltäter waren.”
Ebenso ist die Sure 33,61 dienlich, die sich laut Vers 60 ebenfalls auf ‘Heuchler’ bezieht:
(Sie sind) verflucht. Wo immer sie (im Kampf) angetroffen werden, werden sie ergriffen und allesamt getötet.
So lasse sich Gewalt gegen jeden zu rechtfertigen, der den Islam beleidigt. Die Logik dahinter:
“…Blasphemie wird gleichgesetzt mit Unglaube, und Unglaube gilt als größte Sünde, die ein Mensch auf sich laden kann. Darauf steht der Tod. Wie gesagt, man kann das alles auch anders deuten.”
Bekanntermaßen geht die deutsche bzw. westliche Rechtsprechung heutzutage anders mit religiösen Handlungen und Vergehen um – doch hier gilt halt eine laizistische bzw. säkulare (weltliche) Rechtsordnung und nicht die Scharia.
Scharia bezeichnet das islamische Recht; es enthält die Gesamtheit der Gesetze, die in einer islamischen Gesellschaft zu beachten und erfüllen sind. Es handelt sich nicht um eine einheitliche, fest definierte Gesetzessammlung der islamischen Welt, sondern eine Methode der Rechtsfindung und -schöpfung.
Sie besteht zum einen aus religiösen Geboten und glaubenspraktischen Anweisungen und u.a. aus zivilrechtlichen sowie strafrechtlichen Normen, einschließlich konkreter Sanktionen. In den verschiedenen islamischen Ländern wird sie aber unterschiedlich ausgelegt und praktiziert.

Frau Ates erklärt, warum sie nichts davon hält, das Machwerk Unschuld der Muslime (gemeint ist hier vermutlich die öffentliche Aufführung) in Deutschland zu verbieten:
  • “Es ist fatal, wenn eine Religionsgemeinschaft Strafgesetze nötig hat, um sich zu verteidigen, wenn also ihr Selbstwertgefühl zu schwach ist, sich in einer freien Gesellschaft zu behaupten.”
  • “Unsere deutsche Rechtsprechung ist sehr vernünftig. Gerade weil wir die Versammlungs- und Meinungsfreiheit, die Kunst- und Pressefreiheit so stark machen, findet Gotteslästerung nur selten statt.”
  • “Wenn wir die Aufführung verbieten, schließen wir uns dem Streit der Extremisten auf beiden Seiten an.”
Es sei besser, demokratisch gegen den Film und dessen Vorführer zu demonstrieren.
Bloß nicht einknicken? Sicherlich eine konsequente Haltung, welche das friedliche Zusammenleben der Muslime, Christen, Agnostiker, Atheisten usw. in Deutschland aber erschweren dürfte.
Denn ich bezweifele, ob Frau Ates mit ihrer Beobachtung richtig liegt, dass ‘nur’ die Fundamentalisten sich bzw. ihren Glauben durch satirische Karikaturen und diesen unsäglichen Film verletzt sehen – der Unterschied liegt eher darin, dass gemäßigte und liberale Muslime jede Form der Gewalt ablehnen.-
  • Das ganze Interview auf zeit.de lesen

  • Derweil fordert katholische Schriftsteller Martin Mosebach mit Unterstützung katholischer Bischöfe, dass Blasphemie auch bei uns strafbar sein soll. Zurück ins Mittelalter? Das wohl nicht, jedenfalls wurde die Wiedereinführung des Scheiterhaufens für Religionskritiker, Häretiker und Ungläubige meines Wissens nicht von klerikaler Seite als wünschenswert bezeichnet…
    Dazu meint Claudia Roth, Chefin der Grünen: 
    „Es ist unterirdisch, wenn Horst Seehofer und die CSU jetzt die Diskussion um das unsägliche Schmähvideo missbrauchen wollen, um Gesetzesverschärfungen gegen Blasphemie aus der Mottenkiste zu holen.“
    Manchmal fasse ich mich an den Kopf. Unsere Rechtsordnung schützt die Person, nicht primär die Religion, vor Beleidigungen und Schlimmerem. Dabei sollten wir auch bleiben.
    Es mag Grenzfälle und Ausnahmen geben. Im Falle dieses Schund-Videos etwa ist mit einer reaktiven Gefährdung der öffentlichen Ordnung zu rechnen, wenn es – ausgerechnet von Rechtspopulisten – öffentlich instrumentalisiert werden sollte. Dagegen (u.U. auch vorbeugend) einzuschreiten, sieht unsere Rechtsordnung bereits vor.
    In solchen Fällen darf ausnahmslos und restriktiv eine Einzelfall-Entscheidung greifen und nach reiflicher Abwägung der betroffenen Rechtsgüter zu einem staatlichen Eingriff führen. Andernfalls würde die Freiheit der Meinung und der Kunst bald nur noch verteidigt, sofern sie nicht die „öffentliche Sicherheit bedrohen” (diese pseudo-kausale Sichtweise wird durchaus schon heute von manchen gepflegt).
    Gewalt würde belohnt, wenn eine Demokratie zuließe, dass die Angst vor Ausschreitungen zu einer generellen Einschränkung der Meinungsfreiheit führt.
    Jeder, der sich in seinen persönlichen, religiösen oder sonstigen Rechten beeinträchtigt sieht, kann und darf sich kommunikativ auseinandersetzen und natürlich den Rechtsweg beschreiten. Wer dagegen meint, die unliebsamen Äußerungen und Werke anderer – seien sie auch noch so dumpf, falsch, verlogen und gemein – mit Gewalt gegen Personen und Sachen zu unterdrücken, setzt sich per se ins Unrecht.-

    Nun auch ‘erste Demonstration in Deutschland: Muslime protestieren gegen Anti-Islam-Film’:
    Regierungssprecher Steffen Seibert brachte die Sachlage mit zwei knappen Statements auf den Punkt:
    • "Es ist ihr Recht zu protestieren." 
    • "Gewalt darf es nicht geben."
    Bei aller Bereitschaft zur Integration von zugereisten Personen, die mit Deutschen in Deutschland leben möchten, darf zudem eines nicht vergessen werden: Gastfreundschaft setzt nicht nur die Freundschaft des Gastgebers voraus, sondern auch die des Gastes.
    Wenn Demonstranten in Cuxhaven friedlich Transparente mit der Aufschriften schwenken wie "Wir respektieren jede Religion." , dann haben zumindest sie den richtigen Ton getroffen.

    Hausaufgaben erledigen


    In Deutschland kann das Video alleine kaum der Grund für Proteste von Muslimen sein, sondern allenfalls der Auslöser. In der Wahrnehmung vieler ‘Durchschnitts-Deutscher’ ergeht es den hier lebenden Muslimen mitunter besser als in ihrem Heimatland – in Bezug auf wirtschaftliche Aspekte und Fragen der sozialen Absicherung mag dies teilweise zutreffen.
    Aber der eifersüchtige Blick mancher Deutscher auf ihre ‘Errungenschaften’ alleine reicht kaum aus; die Ursachen des Unmut der hier lebenden Muslime sollte auf seine Ursachen untersucht und ernst genommen werden. Gleiches gilt aber auch für das Misstrauen vieler Deutscher gegenüber Muslimen, deren Bild leider viel zu sehr durch die mediale Präsenz von extremen Außenseitern wie Salafisten mit hohem Emotionalisierungspotenzial geprägt ist.
    (Wenn jene Salafisten, die zuvor in Deutschland gelebt haben, nun vermehrt nach ist Ägypten ausreisen, wo sie bei Wahlen fast 25 Prozent der Stimmen erzielen, dann teile ich die kritische Einschätzung der Behörden nicht so ganz. 
    Diese Leute pauschal für ‘Dschihadisten’ zu halten, erscheint mir kurzsichtig. Viele von ihnen folgen eher dem Wunsch, in einem islamischen Land mit islamischer Rechtsordnung zu leben – ich wünsche ihnen Glück und ein langes, friedliches Leben. Ohne jede Ironie.)



    Dienstag, 11. September 2012

    9/11 macht’s möglich: Kampfdrohnen über Pakistan, Jemen … und bald auch über Deutschland?

    ..Internationales Recht und Respekt vor der Souveränität anderer Staaten? Müssen zurückstehen, wenn die Schergen von Bush und Obama mit dem Joystick auf Terrorjagd gegen.

    Das Töten von Menschen wird instrumentalisiert im Wahlkampf des amtierenden US-Präsidenten? Dieser Eindruck entsteht zumindest:

    • Bis Juni 2012 führten die USA über Pakistan mindestens sieben Drohnenattacken durch, um den Tod von  von Abu Jahia al Libi herbeizuführen – letztlich “mit ‘Erfolg”.
    • Am 19.August 2012 waren 10 Personen bei einem dieser Joystick-Manöver gestorben, als ein unbemannter Flieger seine Raketen auf Fahrzeuge der Aufständischen-Gruppe von Hafiz Gul Bahadur feuerte. In der Meldung heißt es lakonisch:
    • “Das Außenministerium in Islambad verurteilte die Angriffe als Verletzung der Souveränität des Landes und als Verstoß gegen internationales Recht.
      Die USA ignorieren die Proteste regelmäßig.”

    • Durch einen US-Drohnenangriff im Jemen kam nun Said al-Schihri ums Leben, angeblich die Nummer Zwei der Terrororganisation Al-Quaida.
    • Bei einem Luftangriff im Zentraljemen wurden nach örtlichen Medienberichten neun Zivilisten getötet – “möglicherweise Opfer einer Verwechselung geworden, da in der Gegend auch ein gesuchter Extremist in einem Auto unterwegs gewesen sei.” (vgl. Handelsblatt)

    Was wäre eigentlich, wenn mutmaßlicher Terrorist der ‘ersten oder zweiten Reihe’ sich in einem europäischen Land aufhalten würde? Unter welchen Umständen würden die USA auch in einem solchen Fall ihre Tötungswerkzeuge aus der Ferne einsetzen?

    Die Kriegsführung mit unbemannten Flugkörpern widerspricht dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit - Menschen werden ohne Gerichtsverfahren getötet und nebenbei bewirken Drohnenangriffen häufig das Ableben unbeteiligter Zivilisten. Oops…Pech gehabt, ihr Kollateralschäden1). Was treibt ihr euch auch dort rum, wo US-Militärs aus der Ferne töten. Bislang ist unbekannt, wie viele Zivilpersonen insgesamt aus Versehen getötet wurden.

    Die rechtliche Abgrenzung, unter welchen Umständen militärische Angriff, die zu ‘Begleitschäden’, insbesondere der Tötung und Verletzung von Zivilpersonen, völkerrechtswidrig sei, ist komplex: Ein Völkerrechtsverstoß ist gegeben, wenn

    • der Begleitschaden vorhersehbar war und:
    • wenn er durch die Anwendung praktisch möglicher Vorsichtsmaßnahmen bei der Wahl der Angriffsmittel und -methoden vermeidbar gewesen wäre oder
    • wenn die mit ihm verbundenen Verluste unter der Zivilbevölkerung, die Verwundung von Zivilpersonen, die Beschädigung ziviler Objekte oder mehrere derartige Folgen zusammen in keinem Verhältnis zum erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil stehen.

    Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit stehe im Vordergrund; er erfordere u.U.das Abwägen on Menschenleben, gegebenenfalls in größerer Zahl, gegenüber dem prognostizierten militärischen Vorteil.

    Wem nützen langwierige Diskussionen, wenn selbst eindeutige Völkerrechtsverstöße mächtiger Staaten ohnehin nicht zu wirklich unangenehmen Konsequenzen für diese führen? Den Opfern oder gewerblichen Publizisten?

     

    Woher diese erschreckende Versachlichung von Hinrichtungen?

    Mich erschreckt die kalte, bisweilen zynische Rationalisierung zutiefst, die in Bezug auf die gewaltsam herbeigeführten Tod zahlloser Menschenleben ohne rechtliche Grundlage (Gerichtsurteil gegen Einzelpersonen, Kriegserklärung gegen betroffene Staaten etc.) immer weiter fortschreitet.

    Heute liegen 11 Jahre seit dem auslösenden Ereignis zurück, den entsetzlichen Anschlägen vom 11. September 2001. Dass diese Terrorakte die Welt verändern würden, war bald klar – doch wer hätte damals geahnt, wie sehr diese Anschläge Interessengruppen in die Hände spielen würden, die alles andere als das Wohl aller Menschen zum Ziel haben?

    Vergeblich fordern in den USA und anderen Staaten tausende Wissenschaftler eine unabhängige Untersuchung dieses Geschehens, weil sie auf Ungereimtheiten gestoßen sein wollen:

    “…stürzt in New York ein Stahlgebäude ein, weil der Stahl angeblich durch einen Brand weich geworden ist. So weich, dass am Boden geschmolzener Stahl wochenlang glühte. Und es stürzte nicht nur ein Gebäude ein, nein es waren gleich drei. Im Pentagon soll es …eine Boeing geschafft haben, sich durch ein Loch von 5 Meter Durchmesser durch drei  Betonwände zu bohren, um sich anschließend in Staub aufzulösen.” (vgl. ‘Im Gedenken an die Opfer von 9/11’)

    Die konkrete Beweislage seitens US-amerikanischer Straffverfolgungsbehörden gegen die 15 Araber, welche all dies als untalentierte Hobbypiloten für Kleinflugzeuge vollbracht haben sollen, ist mehr als dürftig.

    Die Tatsache, dass islamische und andere Extremisten ihrem Hass gegen die hegemoniale Außen- und Militärpolitik der USA auf inakzeptable Weise, d.h. durch Gewalt gegen Unschuldige, Ausdruck verleihen, wird kaum jemand ernsthaft bestreiten. Doch leider werden die Ursachen von Frustration und Hass auch in diesem Fall weder hinreichend analysiert – noch wird dieser Entwicklung (die lange vor 2001 begann) in angemessener Form Rechnung getragen.
    Im Gegenteil: Die USA und ihre mehr oder minder willigen Verbündeten überfallen einen souveränen Staat nach dem anderen und verkaufen dieses geopolitische Programm der Welt als ‘Krieg gegen den Terror’.
    Verständlich (wenn auch unzutreffend), dass manch einer den Eindruck gewinnt, die verschiedenen Terrorbanden lieferten lediglich Vorwand und Alibi für dieses Vorgehen. Es gibt sie wirklich, die von Abscheu vor dem ‘imperialistischen Westen’ erfüllten Islamisten, denen in ihrem Glaubenskrieg ebenso jedes Mittel recht ist wie Bush und seinem ach so charismatischen Nachfolger.

    Ausufernde Spekulationen und abstruse Thesen sind m.E. fast immer die Folge eines Informationsdefizits, das mit einem Glaubwürdigkeitsverlust einhergeht. Sven F. Kellerhoff veröffentlichte im April 2012 eine Recherche auf WELT online mit dem Titel “Warum die USA 9/11 nicht geplant haben können” – ohne die offenen Fragen zum Hergang abschließend zu beantworten.
    Kellerhoff stellt in seiner Analyse verschiedene Thesen auf, von denen einige erkennbar falsch sind:

    • Vor den Terroranschlägen habe niemand damit gerechnet, dass entführte Zivilmaschinen als Terrorwaffen eingesetzt werden könnten.
      Das ist schlichtweg unwahr. Viele Jahre zuvor hatte der
      US-Schriftsteller Tom Clancy in seinen Romanen ‘Ehrenschuld’ (1994) und ‘Befehl von oben’ (19952))ein sehr ähnliches, fiktionales Szenario beschrieben. Clancy darf ohne Übertreibung als Militärexperte bezeichnet werden, der sich auch intensiv mit Terrorismus auseinandergesetzt hat. Ferner bestehen Hinweise darauf, dass US-Geheimdienste in den Monaten vor dem September 2001 eindringlich vor Terrorakten mit Flugzeugen gewarnt haben.
    • Die Türme des WTC wurden durch den Einschlag der Flugzeuge zum Einsturz gebracht – durch den Kerosinbrand entstanden so hohe Temperaturen, dass die Stahlträger beider Gebäude ihre Festigkeit verloren – auch wenn deren Schmelzpunkt nicht erreicht wurde.
      Tatsache ist: Etwas derartiges ist zuvor noch nicht nie geschehen, auch nicht bei vergleichbaren Hochhausbränden.

    Ich schließe mich den verschiedenen Annahmen und Behauptungen, die von einem ‘Inside Job’ ausgehen, dennoch nicht an – denn es fehlt mir (wie übrigens den meisten Leuten, die wildeste Thesen zu 9/11 aufstellen) in jeder Hinsicht an Fachwissen, um solche Zusammenhänge kompetent zu beurteilen.

    Feststeht aber, dass bestimmte konservative Kreise im Westen ihre machtpolitischen Ziele nur im Nachgang zu den 9/11-Anschlägen durchsetzen konnten. Dass die geforderte, unabhängige Aufklärung bis heute unterbleibt und zugleich wichtige Beweismittel von US-Behörden unter Verschluss gehalten werden, fördert und begünstigt die Verbreitung jeder noch so abwegigen Verschwörungstheorie.

    Vor diesem Hintergrund erscheinen Spekulationen darüber zulässig, ob Teile der damaligen Regierungskreise die Anschläge wissentlich oder ‘ahnungsvoll’ zugelassen haben könnten, um politisches Kapital daraus zu schlagen. Offenkundig ist, dass Warnungen bezüglich eines bevorstehenden Angriffs durch al-Qaida seit Juni 2001 ignoriert wurden – bedauerliches Fehlkalkül oder bewusstes Wegschauen?
    So stellt die Süddeutsche mit dem Beitrag “
    Auf beiden Augen blind” fest:

    “Schon lange vor 9/11 lieferte der Geheimdienst ausführliche Informationen über die Anschlagspläne von al-Qaida. Und US-Präsident George W. Bush unternahm: nichts.”

    Bösartige Unterstellungen ohne jede Grundlage? Möglich. Dass die US-Regierung die Weltöffentlichkeit gezielt belogen hat, um ihre geostrategischen Ziele voranzutreiben und auch noch ein Mandat der UN dafür zu erhalten, ist seit der Präsentation angeblicher Massenvernichtungswaffen im Irak allerdings eine erwiesene Tatsache.

    Rechtsstaatliche Prinzipien sowie störende Menschen-/ Grundrechten haben seitdem in westlichen Ländern (einschließlich Deutschlands) massiv gelitten – und zwar in einem Ausmaß von Erosion, das ohne die Ereignisse vom 11. September zu massiven Protesten geführt hätte.
    Statt dessen ist es nun möglich, geschürte Ängste und Sicherheitsbedürfnisse geschickt zu bedienen:

    “…Propaganda zum Massenmord an den Bewohner in Pakistan, Jemen, Somalia, Afghanistan ist unerträglich. Sie zeigt, dass den Menschen im so genannten "Westen" jegliche Scham und jegliche Menschlichkeit abtrainiert wurde.” (vgl. Im Gedenken an die Opfer von 9/11’)

    Insoweit sprechen die gezielten Tötungen durch ferngesteuerte Flugkörper und die einhergehende Ignoranz der Verantwortlichen eine weitaus deutlichere Sprache als jede Verschwörungstheorie. Wer ‘Propaganda’ als eine unzutreffende Namensgebung für die amerikanische Drohnenwerbung betrachtet, sollte auf die kurzen Ausschnitte aus hollywoodreifen Spots im nachfolgenden Panorama-Beitrag achten. 

    Panorama über bewaffnete Drohnen für/in Deutschland

     

    Auch hier in Deutschland?

    Als im Oktober 2011 ein deutscher Islamist in Pakistan bei einem Drohnenangriff der USA getötet, hat ein Richter später nun den Präsidenten des BKA angezeigt. Deutsche Sicherheitsbehörden sollen Beihilfe zum Mord geleistet haben, als sie Informationen an die USA weitergaben, welche den tödlichen Schlag ermöglicht hätten.

    Doch bei der verdeckten Amtshilfe bleibt es nicht. Künftig will die deutsche Luftwaffe ihre Kampfeinsätze mit eigenen Drohnen unterstützen – zunächst wollten Predator-Drohnen aus den USA beschafft werden, doch eine Eigenentwicklung ist in Vorbereitung und wird ab 2020 erwartet.

    Wozu braucht Deutschland solches Militärgerät? Nur zur Aufklärung? Nein, denn die neuen Dinger sind schwer bewaffnet. Zur territorialen Abwehr staatlicher Aggression? Kaum, dazu eignen sich Raketenschirme etc. weit besser.
    Auslandseinsätze? Schon eher. Und weil es sich um mehrzwecktaugliches Kriegsgerät handelt, würden sich diese Drohnen auch weit besser als teure und störend laute Tornados zur Beobachtung großer Demonstrationen (wie anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm) handeln…

    Nur zur Beobachtung? Momentan mag kaum einer darüber nachdenken, dass diese Gerätschaften auch zur Bekämpfung widerspenstiger Bevölkerungsteile eingesetzt werden könnten. Doch das erscheint nun wirklich abwegig – noch…

    Sollte die Salamitaktik, mit der scheibenweise und nahezu unbemerkt die Grundrechte eingeschränkt und und die Gängeleien der Menschen hierzulande ausgeweitet werden, plötzlich an ihrem Ende angelangt sein. Dafür vermag ich keine Anzeichen zu entdecken, leider.

    Siehe auch

  • Die Terroranschläge am 11. September 2001
  • Spektakulärer Einsatz: Drohnen über Deutschland (SPIEGEL online)

  • Anmerkungen

    1) Der Begriff Kollateralschaden bezeichnet Schäden aller Art durch ungenauen oder überdimensionierten Waffeneinsatz bei militärischen Aktionen. Beabsichtigte Schädigungen werden im Gegensatz zu Begleitschäden der militärischen Zieldefinition zugeordnet.

    2) Ehrenschuld (1994) :Japanische Großindustrielle verschwören sich gegen die USA, greifen die US-Börsen an und nehmen Pazifik-Inseln ein. Der Nationalen Sicherheitsberater Jack Ryan unternimmt alles erdenkliche, um einen größeren Krieg mit Japan abzuwenden. Am Ende des Buches stürzt sich der Pilot einer japanischen Airline mit einer Boeing 747 in den Kongress, wo Ryan gerade als neuer Vize-Präsidenten vereidigt werden soll.

    Befehl von oben (1996): Fortsetzung von Ehrenschuld. Ryan, der nach dem Flugzeugangriff unerwartet als US- Präsident vereidigt wurde, festigt seine zunächst sehr schwere Situation in der Politik mit Hilfe seines Stabschefs Arnie van Damm. Als Islamisten einen Ebola-Anschlag auf die Vereinigten Staaten durchführen, um ihren Angriff auf Kuwait und Saudi-Arabien zu unterstützen, greifen die US-Militärs ein. Zum Schluss wird der Anführer der Islamisten mit zwei Bomben getötet.

    Die letzten Stunden im World Trade Center

    Zwei französische Dokumentar-Filmer drehen seit Juli 2001 eine Reportage über eine Feuerwache in den USA, die Ausbildung zum Feuerwehrmann in New York ist das eigentliche Thema. Am 11. September 2001 geraten sie mitten die Rettungsaktion der Feuerwehr in New York und werden unerwartet zu Zeugen der Geschichte. 

    Dramatische und einzigartige Bildern der Katastrophe und ihrer Auswirkungen auf Betroffene lassen jede sachlich-kritische Distanziert beim Betrachten des Films dahinschwinden: Es geht nicht um Politik und globale Zusammenhänge, sondern um Menschen - jeder Mann, jede Frau wird als individuelle Persönlichkeit wahrnehmbar, die 'irgendwie' mit ihrem Schock, ihren Ängsten und Verlusten klarkommen müssen.
    Erschreckend deutlich wird auch die Unmöglichkeit, sich auf Katastrophen solchen Ausmaßes vorzubereiten...von einer Sekunde zur nächsten ist alles anders...



    Ist das Trauma von 9/11 den Medien anzulasten?

    Die These lautet 'Die Anschläge vom 11. September 2001 haben weltweit ein Trauma hinterlassen, das den Medien anzukreiden ist.' und wird von dem Chemnitzer Anglisten und Psychologen Marcel Hartwig vertreten. Wie der japanische Angriff auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbour sei auch dieses Ereignis 'von der US-Politik durch die Medien instrumentalisiert' worden.



    Montag, 10. September 2012

    Zunehmende Vulkanausbrüche–wachsende Sorge

    Auch wenn ich dem 2012-geht-die-Welt-unter-Glauben nicht anhänge und derzeit auch keine Anzeichen einer global wirksamen Naturkatastrophe zu erkennen vermag: Interessant ist sind die zunehmende Aktivität von Vulkanen in vielen Regionen der Erde auffällig, interessant und auch ein wenig beunruhigend (so empfinde ich es jedenfalls).

    Die Liste der Vulkane, die 'ziemlich lange' geschlafen haben und nun mögliche bevorstehende Ausbrüche ankündigen, ist lang - hier einige der bekannteren Kandidaten:


    Parallel nehmen viele Menschen subjektiv eine deutliche Häufung von schweren Erdbeben wahr, auch wenn dieser Eindruck geowissenschaftlich nur teilweise bestätigt wird. Dennoch, warum nicht zugeben, dass Erdbeben und Vulkanismus eine latente Beunruhigung auslösen?
    Diese führt gleich zur weiteren Fragen:


    Wie verhält es sich mit den Vulkanen in Deutschland, etwa in der Eifel?

    Keine akute Gefahr, sagen die meisten Experten, wenngleich die Eifelvulkane (Mare) nicht für alle Zeit erlöschen seien.
    Der nächste Ausbruch könnte sich in zehn Jahren ereignen oder in 50.000 Jahren; geologisch gesehen ist all dies „bald“. Auf jeden Fall würde sich solch ein Vulkanausbruch ankündigen: vor allem durch Erdbeben.
    Das würde modernen Messgeräten nicht entgehen. Kurz gesagt: Eher zieht ein Mensch in der Eifel heute den Hauptgewinn im Lotto, als dass er durch einen Vulkan in Gefahr gerät.
    Nun wissen wir aber auch, dass ein Vulkan keineswegs gleich in der Nachbarschaft liegen muss, um uns den Tag und einiges mehr vermiesen zu können. Schon der isländische Vulkan mit dem fast unaussprechlichen Namen hat vor zwei Jahren gezeigt, wie schnell etwas vulkanische Übellaunigkeit das Business as usual unterbricht – jedenfalls für Piloten, Flugreisende und manche Urlauber.

    Was ist mit dem Supervulkan unter dem Yellowstone Park?

    Greg Laden und Florian Freistetter haben sich dieser Frage in ihren Science Blogs ausführlich gewidmet. Beide gelangen zu der Auffassung, wir bräuchten uns um den Yellowstone erstmal keine Sorgen zu machen.

    Grund für ‘Endzeit-Ängste’?
    Solche Fragen, wie sie nun wieder vermehrt in Presse und Onlinemedien zu finden sind, halte ich im Grunde für bescheuert – allerdings nicht, weil solche Ängste per se als irreal und daher unbegründet abzutun sind. Was vor uns liegt, kann niemand mit Bestimmtheit sagen. Doch schließlich lassen sich Ängste kaum ein- oder ausschalten und entziehen sich insoweit der Beliebigkeit.

    Und doch lassen sie sich beeinflussen: Jeder von uns hat die Möglichkeit, seine eigenen Gedanken zu kontrollieren und zu steuern. Oder werden wir gezwungen, tagtäglich nach neuen Katastrophenmeldungen und –warnungen zu suchen und uns zunächst gedanklich, dann emotional in eine Art von ‘Endzeit-Paranoia’ hineinzusteigern? Dem lässt sich ganz gut entgegen wirken, ohne dabei reale Gefahren pauschal zu verdrängen.
    Aber…das eigentliche Problem ist mit sachlichen Argumenten kaum zu bearbeiten:
    “…Max Mustermann weiß wenig Konkretes von der gewaltigen Größe der Welt, wie sie sich den Astronomen im 20. Jahrhundert offenbart hat, oder über die quantenphysikalischen Theorien, die heute in Fachkreisen diskutiert werden.
    Er spürt nur deutlich, dass es nicht mehr lang so weitergehen kann wie bisher, dass der Menschheit eine düstere Zukunft droht … und in seiner Einfalt ist er bereit dazu, auch den unmöglichsten Szenarien anzuhängen, so sie nur seine eigenen unscharfen Gedanken zur Lage der Welt beheimaten. Dabei fällt es …viel leichter, Wissenschaftler, Politiker und Journalisten allesamt einer Verschwörerbande zuzurechnen, die die Wahrheit verschleiert, als Schärfe, Klarheit und Wahrheit in die eigene Gedankenwelt zu bringen.” (vergl. W. Hüner - Weltuntergang im Dezember 2012?)
    Werner Hüner stellt den Kern einer Empfindung treffend heraus, die viele Menschen umtreibt – womöglich unter dem Einfluss einseitig präsentierter Nachrichten- und Medieninhalte: Es ist weit verbreitet - jenes ‘düstere Erahnen’, mit der Menschheit könnte es rapide abwärts gegen, nicht zuletzt als Folge ihrer eigenen, kollektiven Fahrlässigkeit (oder ihrem Unvermögen?), der Gier einer kleinen Zahl von Menschen nichts entgegen zu setzen.
    Andererseits, wie viel Zeit sollte aufgewendet werden mit ‘dunklen Vorahnungen’, soweit diese, wenn nicht unbegründet, so doch ohne konkreten Bezugspunkt sind? Könnte darin irgendein Sinn oder Nutzen liegen?
    Sollten wir nicht eher skeptisch reagieren, wenn nicht eine “Theorie” zur exakten Terminierung des Untergangs auf den 21.12.2012 aufgeboten wird, sondern gleich eine ganze Reihe von mitunter abstrusen Thesen? Dass haarsträubende Phantasien mit realen Szenarien verbunden werden, um das Ende der menschlichen Zivilisation auf einen bestimmten Tag in naher Zukunft festzulegen, stimmt misstrauisch.


    Kein Mensch weiß, was vor ihm liegt; ebenso wissen die Nationen und Völker der Menschen nicht mit Bestimmtheit, was sie erwartet. Freilich können, müssen sie davon ausgehen, dass sich schwere Naturkatastrophen ereignen wie zu allen Zeiten – daran ist nichts zu ändern. Hinzu kommen allerdings jene Risiken und Gefahren, die auf menschliches Handeln und blinden Technologieglaube zurückgehen.
    Doch die Kenntnis der Kausalität, des Prinzips von Ursache und Wirkung, vermittelt den Menschen das vielleicht entscheidende Wissen, keiner kollektiven Vorherbestimmung unterworfen zu sein. Für unser Handeln und Nichthandeln selbst verantwortlich zu sein und die Konsequenzen daraus nicht willkürlich einem Gott in die Schuhe schieben zu können, erweist sich gleichermaßen als Fluch und Chance – je nachdem, was wir daraus machen. (Derweil hat ein gesundes Gottvertrauen im Bewusstsein der eigenen Verantwortlichkeit noch niemandem geschadet.)


    Mutlosigkeit und ein fatalistisches Herbeireden von Endzeitvarianten werden jedenfalls uns nicht befreien von dunklen Vorahnungen – seien sie nun unangebracht oder nicht.

    Sonntag, 9. September 2012

    Hunger? Jagd auf Nachbarskinder…

    „lupus est homo homini, non homo,
    quom qualis sit non novit.“

    Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen,
    nicht ein Mensch, wenn man sich nicht kennt.

    Vor einigen Tagen habe ich mir wie so oft die Frage gestellt, warum wir Menschen so sind wie wir sind – dabei ist absehbar, dass wir nicht nur genetische, sondern auch ‘Verhaltens-Atavismen’ mit uns rumschleppen, latente Relikte aus einer grausigen, vom Überlebenskampf geprägten Vorzeit.

    Ein kurzer Artikel auf Spektrum.de scheint diese Entwicklung zu bestätigen: Vor 800.000 herrschten Ernährungsgewohnheiten, die uns heute erschrecken:

    Offenbar haben Bewohner der Höhle Gran Dolina im spanischen Norden die Kinder benachbarter Gruppen gejagt, um sie anschließend zu verspeisen.

    Gefundene Überreste werden einer noch sehr archaischen Art von Neandertaler-vorfahren mit der Bezeichnung Homo antecessor zugeordnet. Die Schnittmarken an Menschenknochen im Wohnbereich der Höhle gelten als Anzeichen von Kannibalismus, die dann entstehen, wenn Körper mit Feuersteinwerkzeugen zerlegt werden.

    Ein Team vom Institut Català de Paleoecologia Humana i Evolució Social in Tarragona habe gezielt nach genaueren Rückschlüsse auf die damaligen Praktiken geforscht.

    Ihre Resultate deuten bislang nicht auf irgendeine Ritualisierung des Verzehrs von Artgenossen hin, wie etwa Bestattungsbräuche bei ‘modernen’ Menschen bis in die Neuzeit. Die Bewohner der Höhle deckten schlichtweg ihren Nahrungsbedarf mit eigenen Artgenossen, sofern Gelegenheit dazu bestand. Es handelte sich fast ausschließlich um Kinder und Jugendliche – man habe sich relativ gefahrlos eine Zusatznahrung erschließen können und zugleich die Nahrungskonkurrenten auf Abstand gehalten.

    “Die Schnitt- und Bruchmarken lagen an genau denselben Stellen, an denen sie auch bei den vielen Hirschknochen zu finden sind, die Knochen von elf Individuen waren unter Küchenabfällen verstreut, und es gab keinerlei Anzeichen, dass bestimmte Körperteile ausgespart worden waren. Letzteres findet man vor allem dann, wenn Menschen aus einer Notsituation heraus widerwillig Menschenfleisch verzehren.”

    Kannibalismus ist im Tierreich nicht ungewöhnlich; solche Verhaltensformen kommen selbst bei heutigen Schimpansen vor. Die Primaten halten benachbarte Gruppen auf Distanz, indem sie an den Grenzen ihres Einflussgebiets regelmäßig Patrouillen durchführen. Treffen sie dabei auf Unterlegene, kommt es häufig zu einer Attacke, bei der auch Jungtiere erbeutet werden.

    800.000 Jahre sind im Maßstab der Evolution ein relativ kurzer Zeitraum, es wäre von Interesse, ob diese Ernährungsgewohnheit verallgemeinerbar ist – oder ob es sich um eine Besonderheit der beschriebenen Höhlenbewohner handelt. Von daher sollte man diese Forschungsergebnisse einstweilen nicht über-interpretieren.

    Im Verbund mit neuzeitlichen Ritualen und dem mehrfach beschrieben Verhalten von Menschen in Notsituation wird aber doch erkennbar, dass die Tötung und der Verzehr von Artgenossen auch für den homo sapiens sapiens kein absolutes Tabu ist. Gibt so etwas wie ein ‘absolutes Tabu’ überhaupt?
    Für mich steht fest, dass die Grenze zum homo homini lupus nicht fest umrissen und schon gar nicht unüberwindbar ist. Machen wir uns zweierlei bewusst, anstatt uns lange über das Verhalten von Homo antecessor zu echauffieren:

    • Unser heutiges Raster ethischer Normen ist zur Bewertung des Verhaltens unserer Vorfahren gänzlich ungeeignet.
    • Damals folgten Tötung und Verspeisung von Kindern einem ‘Zweck’, wenn nicht einer relativen Notwendig und es fehlte jede Möglichkeit, über Kategorien von Richtig und Falsch zu reflektieren.
      Heute verfügt jeder Mensch über ein Gewissen, zumindest aber über die Kenntnis eines allgemeinen Konsens dessen, was erlaubt.

      Dies hält gegenwärtige Vertreter unserer Spezies keineswegs davon ab, Menschen und Tiere ohne jede Notwendigkeit in brutalster Weise zu misshandeln, zu quälen und zu töten. Lediglich das Verspeisen unterbleibt heute zumeist…

    Vergl. ‘Jagd auf Nachbarskinder’, Spektrum.de

    Freitag, 7. September 2012

    Kohelet: Was ist der Mensch? Was bleibt von ihm?

    Nicht wir Menschen werden die Wahrheit finden,
    es wird die Wahrheit sein, die uns Menschen findet.

    Die Verschiedenheit vom allgemein unterstellten Tenor der Bibel lässt den erstaunlichen Kohelet-Text als ein ‘alternativer’ Zugang zu den biblischen Schriften erscheinen. Denn sein Verfasser wirft eben jene Fragen auf, welche die Menschen zu stellen beginnen, sobald sie ihren Blick über sich selbst und das materielle Dasein hinaus richten.
    • Hat das Menschsein, das “unter der Sonne” geführte Leben einen Sinn?
    • Folgt unser Leben, wenn es ‘richtig geführt wird’, einem Ziel – welches über den heutzutage so oft im Vordergrund gesehenen Selbstzweck des Auskostens (Spaß und Erfolg haben, eventuell noch mit anderen teilen) hinausweist?
    • Wozu mühen wir uns ein ganzes Leben ab, wenn wir zuletzt doch sterben und keinen Nutzen aus unserem (materiellen) Besitz mehr ziehen können?
    • Warum ist Schönes ebenso vergänglich (“Windhauch”) wie Schlechtes?
    • Weshalb haben manche ‘gute Menschen’ unaufhörlich Pech, während zweifelhaften Charaktere unverdientes Glück zuteil wird?

    Dienstag, 4. September 2012

    Gnosis - Licht aus einer anderen Welt - Eine antike Religion kehrt zurück

    Dokumentarfilm über Gnosis und ihre unterschiedlichsten Traditionen. 


    "In der urchristlichen gnostischen Idee hat das menschliche Wesen die Möglichkeit, direkte Erkenntnis bzw. Verbindung und Verschmelzung mit Gott oder dem Göttlichen zu erreichen. Schon immer waren die Gnostiker den kirchlichen Institutionen ein Dorn im Auge, da sie den inneren Christus suchten und den eigenen Körper als Tempel Gottes betrachteten. 

    Die Gnostiker wurden dadurch über Jahrhunderte verfolgt und verketzert, waren ein Feindbild der offiziellen Kirche. In Montsegur kam es dann erstmals zur Verfolgung von Christen durch Christen. 200 gnostische Katharer wurden an einem einzigen Tag am Scheiterhaufen verbrannt. Das direkt erfahrene und hermetische Wissen musste so in Geheimgesellschaften untertauchen, um der Inquisition zu entgehen. 

    Heute finden einige dieser alten Traditionen ihre Renaissance und treten auch an die Öffentlichkeit."


    Sonntag, 2. September 2012

    History: Eine Lücke von fast 40 Jahren (1950–1987)

    Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts habe ich fälschlicherweise fast nur unter dem Eindruck zweier Weltkriege, der Weimarer Republik und des NS-Regimes gesehen. Die Zeit der Wiedervereinigung ist aus eigener Erinnerung präsent, deshalb wandert sie nicht wirklich in die Schublade mit dem Label ‘Geschichte’.
    Erst mit dem Streit um den NATO-Doppelbeschluss sowie den riesigen Friedensdemos erwachte mein eigenes Interesse am Zeitgeschehen; ab da setzen auch Erinnerung und Wissen wieder ein.

    Doch die Jahre dazwischen, fast vier Jahrzehnte, bilden eine Lücke, wie ich in diesen Tagen bemerke. Aus diese Zeit tauchen nur einige ‘Highlights’ oberflächlich vor meinem geistigen Auge auf, meist in Form markanter Bilder – aber Zusammenhänge sind kaum präsent.
    In Deutschland erinnere ich das Foto des von der RAF entführten
    Hanns Martin Schleyer; von internationalem Geschehen nicht viel mehr als damals unverstandene Fotos explodierenden Napalms über Vietnam und das Bild des Mädchens mit schwersten Verbrennungen (sie heißt Phan Thị Kim Phúc). Ich erinnere mich vage, dass ich damals schlecht schlief und viel träumte.

    Letztlich weiß ich mehr über Sumerer, Griechen, Römer, das Alte Israel bis hin zur Kirchengeschichte samt Simonie, Kreuzzügen, Ketzer-Bashing und Inquisition als über diesen wichtigen Teil der Nachkriegsgeschichte. Dies ist kaum dem zu oft gescholtenen Bildungssystem vorzuwerfen, sondern eine Folge selektiver, interessengesteuerter Aufmerksamkeit und Wahrnehmung.

    Um diese Lücke systematisch zu füllen fehlt mir vor dem Eintritt ins Rentenalter die Zeit; sinnvoll und möglich ist es eher, die politisch und gesellschaftlich relevanten Themen dieser Zeit punktuell zu erarbeiten -nach und nach…

    So sind die nachfolgenden Filmbeiträge samt kurzer Erläuterungstexte nicht als vollständige Darstellung der Entstehung des Terrorismus im Deutschland der Nachkriegszeit aufzufassen – sondern lediglich einzelne Meilensteine auf diesem Weg.

     

    Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte

    Beeindruckend die Schilderung von Hans Christian Ströbele, wie er unter dem Eindruck der Ereignisse während und nach dem Schah-Besuch zu der persönlichen Entscheidung gelangte, selbst Partei zu ergreifen und sich auf die Seite der Außerparlamentarischen Opposition (APO) zu schlagen. Sein Lebensweg dient m.E. als klarer Beleg dafür, dass ein Politiker über Jahrzehnte hinweg seinen Idealen und sich selbst treu bleiben kann.

    In Bezug auf Otto Schily (“Nur Idioten ändern sich nicht”) ist dessen Entwicklung interessant zu beobachten, wie ein ‘knallharter Innenminister’ aus einem den sehr kritisch gegenüberstehenden Rechtsanwalt hervorgeht.
    Seine harten Worte im Anschluss an die Terroranschläge von 9/11 – etwa zu Fragen wie Sicherheit, Datenschutz und Bürgerrechten -  lässt nicht unbedingt auf einen ‘Seitenwechsel’ schließen, es wird aber deutlich, um wie deutlich sich seine Einstellung zur zulässigen und wünschenswerten Rolle eines Rechtsstaates verändert hat.
    Schily selbst begründet seine jeweilige Positionierung damit, dass er seit jeher für die Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze eingetreten ist.

    Dagegen ist der Paradigmenwechsel des mir bis dato unbekannten, vormals ‘linken’ Anwaltes und Mitgründers der Rote Armee Fraktion (RAF), Horst Mahler zum Rechtsextremismus zu und 2002 zur NPD schlichtweg nicht nachvollziehbar.
    Am Rande frage ich mich nach der inneren Stärke einer Demokratie, welche Leute für die dumme und falsche Verleugnung des Holocaust für 6 Jahre wegsperrt – ist dies ein geeigneter Weg zur Auseinandersetzung mit alten und neuen Ewiggestrigen? Dieses schädliche Gerede öffentlich und vor allem Unwiderlegbar ad absurdum zu führen wäre vermutlich geeigneter – und würde jede Opferhaltung verbieten.
     

     

    Die RAF

    Mein Interesse richtet sich vor allem auf Umstände, welche zu der Entstehung einer gewaltbereiten Terrorszene aus Teilen der ursprünglich pazifistisch ausgerichteten studentischen Opposition.

    I: Der Krieg der Bürgerkinder

    Als ein Auslöser für die Radikalisierung der Studentenbewegung und die Gründung der Rote Armee Fraktion (RAF) gelten die Ereignisse um den Besuch des ‘persischen Märchenkaisers’ Schah Mohammad Reza Pahlavi 1967 in der Bundesrepublik und West-Berlin. In einer aufgeheizten Atmosphäre vor dem am Rathaus Schöneberg kam es zu schweren Auseinandersetzungen während einer Demonstrationen, als Anhänger und Geheimagenten des Schahs mit Holzlatten auf die Demonstranten einprügelten. Im Verlauf dieser Straßenschlacht wurde der Student Benno Ohnesorg vom Polizeiobermeister und Stasi-Mitarbeiter Karl-Heinz Kurras erschossen.

    Der Tod Ohnesorgs erschütterte die gesamte Öffentlichkeit der jungen Bundesrepublik Deutschland und bewirkte eine Polarisierung, in der sich auch der Generationskonflikt widerspiegelten: Viele, die dank der ‘Gnade einer späten Geburt’ die Zeit des Nationalsozialismus nicht (oder als Kind) erlebt hatten, rebellierten gegen ihre Väter, denen pauschal Hörigkeit oder Mitläuferschaft während des NS-Regimes unterstellt wurde. Tatsache ist aber auch, das etliche der alten Nazis auch in der jungen Bundesrepublik erneut zu Macht, Reichtum und politischem Einfluss kamen – ohne dass sie notwendigerweise für eigene Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurden.

    Näheres hierzu ist der SPIEGEL-Themensammlung Nationalsozialisten nach 1945 zu entnehmen.

    Insoweit ist die Kritik linksgerichteter Kreise nicht unberechtigt und die Verbitterung junger Menschen verständlich – doch haben einzelne RAF-Mitglieder bis 1998 realisiert, dass Gewalt (noch dazu gegen Unschuldige) keine geeignete Konfliktlösung ist.

    Ende der RAF:
    Am 20. April 1998 geht bei der Nachrichtenagentur Reuters ein acht Seiten umfassendes Schreiben ein: "Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte…heute beenden wir dieses Projekt."

    Nach 28 Jahren des bewaffneten “Untergrundkampfes gegen den Nazi-Faschismus” (wie sie es nannte) löste sich die RAF auf.
    Also doch kein Bekenntnis zum Gewaltverzicht, sondern wohl eher die Einsicht, dass ihre Bemühungen letztlich ohne Erfolgsaussicht waren: “Das Ende dieses Projekts zeigt, daß wir auf diesem Weg nicht durchkommen konnten.”
    Eingeständnisse von Fehlern fallen weitgehend taktisch aus… wirkliches Bedauern bezieht sich allein auf jene, die als RAF-Angehörige ihr Leben verloren haben, dabei wird jedoch kein Wort über die von ihr selbst verursachten Opfer verloren – im Gegenteil:

    “…mit anderen Worten: Jene palästinensischen Terroristen, die die Lufthansa-Maschine mit den Mallorca-Urlaubern an Bord entführt hatten, waren nun doch nichts anderes als Märtyrer, die letztlich für eine gute Sache gestorben sind.”