Sonntag, 25. November 2012

“Gespaltener Christlicher Glaube”

Zur psychoanalytisch orientierte Religionskritik v. Hermann Fischer

Der Autor erklärt in seinem Vorwort, er habe versucht, die Religionskritik Sigmund Freuds auf ihre Berechtigung hin zu befragen. Hierbei falle besonderes Augenmerk auf  Freuds kritische Behauptungen, die den biblischen Glauben in seinem Wahrheitsgehalt einleuchtend in Frage zu stellen scheinen. 
Dass dabei bislang unangetastete Glaubenswahrheiten erschüttert werden könnten, sei an sich noch kein Grund zur Beunruhigung, sondern stehe im Kontext der neuere kritischen Theologie.
“So flaute der Sturm der Entrüstung über die Entmythologisierung der Bibel sehr schnell ab, und heute wird wie selbstverständlich auf vielen Kanzeln im Sinne Bultmanns und seiner Nachfolger gepredigt.”-

Samstag, 24. November 2012

Israelisch-Palästinensischer Konflikt

Auch wenn gerade ein (auch finanziell motivierter) Waffenstillstand zwischen Israel und der sog. Hamas ausgehandelt wurde, der Konflikt ist damit noch nicht beigelegt. Das hat nicht zuletzt auch mit den Interessen weiterer Staaten zu tun:

Israel erhält Militärhilfe aus den USA und Rüstungslieferung (teilweise für lau) aus Deutschland, während der Iran nun erstmals offiziell zugibt, die Hamas militärisch zu unterstützen. Die Rüstungsschmieden in Russland, den USA und etlichen europäischen Ländern brauchen Absatzmärkte, um das große Geschäft aufrecht zu erhalten – und da kommt ein hässlicher ‘kleiner’ Krieg gerade Recht, um die Durststrecke bis zum Überfall auf den Iran zu überbrücken. In Syrien passiert in etwa dasselbe: beide Kriegsparteien werden von anderen Ländern mit Waffen versorgt, die sich so Stellvertreterkriege wie im Kalten Krieg leisten.

Der Unterschied des Konfliktes zwischen Israel und der Hamas zu den übrigen Kriegsherden liegt für mich darin begründet, dass ich schon länger nicht mehr durchblicke: Was sind die Beweggründe der Konfliktparteien? Wer wirft wem welche Aggressionen vor und begründet damit sein eigenes Handeln?

Mangels Hintergrundwissen verbietet es sich, Partei zu ergreifen. Das Agieren beider Gegner zu Lasten der ‘feindlichen’ Zivilbevölkerung ist entsetzlich: Fortwährende Raketenangriffe der Hamas auf zivil bewohnte Gebiete sind durch nichts zu rechtfertigen – ebenso wie die Ermordung von Schwangeren und Kindern durch die israelische Luftwaffe, um einen militärischen Kommandanten der Gegenseite zu eliminieren.

Kriegshandlungen gegeneinander abzuwägen ist immer problematisch und auch die Frage ‘Wer hat denn angefangen?’ liefert kaum mehr als subjektiv vertretene Schuldzuweisungen.

Ich unterstelle pauschal, dass die israelischen Familien in Tel Aviv und Jerusalem ebenso friedlich leben wollen wie Kinder, Frauen und wohl auch die meisten Männer im Gaza-Streifen. Warum ist es dann so schwer, einen stabilen Frieden zu realisieren?

Hat dies damit zu tun, dass beide Seiten ihr politisches Existenzrecht wechselseitig anzweifeln?

Um im Ansatz zu verstehen, wie es zu diesem mit aller Härte geführten Konflikt kam, ist ein geschichtlicher Rückblick notwendig, der hier sehr verkürzt umrissen werden soll:

 

Historische Entwicklung

Letztlich gehe der gegenwärtige Konflikt auf die Auseinandersetzungen zwischen arabischen und jüdischen Nationalbewegungen während der britischen Mandatszeit zurück.

Großbritannien hatte also sowohl Arabern als auch Juden Zusicherungen in Bezug auf
Palästina gemacht, um deren Kräfte im Krieg zu mobilisieren.
Während dem 2. Weltkrieg waren Streitigkeiten eskaliert  zwischen Juden, die durch Landkäufe und wirtschaftliche Tätigkeiten an Einfluss gewannen, und eingesessenen Arabern.
Gleichzeitig entstand eine jüdische Untergrundbewegung, die sich mit Terroranschlägen
gegen die britische Mandatsmacht richtet. 1948, am Tage britischen Abzugs, wurde Israel als ‘jüdischer Staat’ offiziell proklamiert.

Eckpunkte des Konflikts:

  • Der UN-Teilungsplan für Palästina vom 29. 11.1947 sollte den Konflikt zwischen arabischen und jüdischen Bewohnern des britischen Mandatsgebiets Palästina lösen. Er teilte das Gebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat und sah vor, den Großraum Jerusalem und  Betlehem unter internationale Kontrolle zu stellen. Der Plan scheiterte durch den unmittelbar nach Israels Staatsgründung eingeleiteten Palästinakrieg.
  • der anschließende Palästinakrieg 1948 und ein resultierendes Flüchtlingsproblem sowohl auf palästinensischer als auch auf jüdischer Seite. Rund 750.000 wurden aus arabischen Staaten vertriebene Juden wurden überwiegend zu israelischen Staatsbürgern.  Eine etwa gleich hohe Zahl palästinensischer Araber wurde aus Israel vertrieben und flüchtete arabische Staaten flüchtete. Bis heute leben deren Nachfahren vorwiegend als Staatenlose in sogenannten Flüchtlingslagern, weil ihnen eine Staatsbürgerschaft in Staaten wie dem Libanon und Syrien verwehrt wurde.
  • der Sechs-Tage-Krieg von 1967
  • der Jom-Kippur-Krieg, von 1973
  • die Herausbildung eines palästinensischen Nationalbewusstseins vor allem durch die Gründung der anfänglich terroristisch aktiven PLO, die 1974 (zwei Jahre nach dem Anschlag während der olympischen Spiele in München) von den UN als „Repräsentantin des palästinensischen Volkes“ anerkannt wurde.

Für viele Juden ging ein 2000-jährige Exil zu Ende, als der Staat Israel ausgerufen wurde. Doch für die Palästinenser symbolisiert dieser Akt die Nakba - massenhafte Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern und Siedlungen.
Denn im Gegenzug kam es bislang nur zur die Einrichtung der Palästinensischen Autonomiegebiete, die aber völkerrechtlich bis heute nicht als Staat anerkannt sind. Warum eigentlich nicht – geht es da ‘nur’ um Gebietsstreitigkeiten oder um ideologisch-religiöse Vorbehalte?

Dokumentation: Wie Israel entstand

 

Aus dem diplomatischen und bewaffneten Streben Im UN-Teilungsplan war den Palästinensern ein eigenständiger Nationalstaat zugesprochen worden. Aus der Nichteinhaltung dieser Zusage, die zugleich eine moralische Verpflichtung bildet, resultierte der bis heute andauernder Konflikt mit Israel.

Die angestrebten Ziele der palästinensische Organisationen sind unterschiedlich, sie reichen von der auch in den USA und Europa befürworteten Zwei-Staaten-Lösung bis hin zur radikal-islamischen Hamas, welche die Zerstörung Israels und einen palästinensischen Staat auch durch bewaffneten Kampf erreichen wollen.

Zu gewaltsamen Konflikten, die zwischen Israel und Palästinenser-organisationen ausgetragen wurden, zählen vor allem die erste und zweite Intifada. Palästinenserorganisationen und die israelische Armee waren zudem in verschiedene andere militärische Konflikte und Kriege vor den Intifadas verwickelt, in denen sie gegeneinander kämpften, insbesondere in den Jahren 1978 und 1982 während des jahrzehntelangen libanesischen Bürgerkriegs.

Allgemein Konflikt von asymmetrischer Kriegsführung und beinahe automatisiert einsetzenden Reaktionsmechanismen geprägt. Terroristische Übergriffe der Palästinenser auf zivile Ziele beantwortet die israelische Armee regelmäßig mit verschiedenen militärischen Gegenschlägen, die zu zahlreichen zivilen Opfern unter den Palästinensern führten.

Sowohl der Terrorismus der militanten Palästinenser als auch die Reaktionen Israels sind Gegenstand anhaltender Kritik und Diskussionen bezüglich ihrer Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit.

Versuche, den Konflikt friedlich beizulegen, hatten bisher allenfalls temporäre Erfolge. Auch die große Erwartungen an das 1993 geschlossene Oslo-Abkommen wurden enttäuscht. Es sah eine gegenseitige Anerkennung der PLO und Israels vor sowie den Abzug der israelischen Armee aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen und eine palästinensische Selbstverwaltung in diesen Gebieten vor.
Nach einer Übergangszeit sollte ein dauerhafter Status der Gebiete ausgehandelt werden. Dieser „Oslo-Friedensprozess“ geriet jedoch ins Stocken, nachdem bei einem Treffen zwischen dem PLO-Führer Arafat und dem israelischen Premierminister Barak 2000 in
Camp David keine Einigung erreicht wurde.

Immerhin wurden die israelischen Siedlungen im Gazastreifen im Jahr 2005 von der israelischen Armee geräumt – gegen teilweise heftigen Widerstand nationalistischer und streng religiöser Kräfte in Israel.

Eine vollständige Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts findet sich beispielsweise hier.

Die Hamas und das Ende (?) des Friedensprozesses

Im Jahr 2007 kam es zur gewaltsamen Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas als Ergebnis von bürgerkriegsähnlichen Gefechten zwischen Milizen der untereinander verfeindeten palästinensischen Bewegungen Hamas und Fatah sowie Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde. Im Verlauf der Kämpfe gewannen die Milizen der Hamas militärisch die Oberhand über den Gazastreifen, der zu den palästinensischen Autonomiegebieten gehört.

Der palästinensische Präsident und Fatah-Chef Mahmud Abbas musste am 15. Juni einsehen, dass jeder behördliche Einfluss im Gaza-Streifen gänzlich verloren gegangen war. Er erklärte das Einheitskabinett für abgesetzt und berief eine Notstandsregierung. Die Situation führte zur offiziellen Auflösung der ohnehin handlungsunfähigen Regierung der nationalen Einheit, bei der Hamas und Fatah eine Art große Koalition gebildet hatten.

Die Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas wurde international überwiegend als Putsch interpretiert und verurteilt. Israel erhält wie Ägypten seit 2007 eine Blockade des Gaza-Streifens an der Grenze und vor der Küste aufrecht.

Seit dem wird der Konflikt insbesondere durch die radikal-islamistische Hamas angeheizt, die an einer Zwei-Staaten-Lösung nicht interessiert ist und statt dessen die Vernichtung Israels fordert. Der regelmäßige Beschuss Israels mit Qassam-Raketen und Terroranschläge sind für Israel nicht hinnehmbar.

Andererseits hält die israelischen Armee das Westjordanland (von Israel offiziell ‘Judäa und Samaria’ genannt, wohl um historische bzw. biblische Ansprüche zu betonen) weiterhin besetzt – obwohl diese Region   nach internationalem Völkerrecht nicht Teil des Staates Israel ist.

Das Gebiet wurde durch eine Grenzmauer, deren heutiger Verlauf nicht dem der Waffenstillstandslinie von 1949 entspricht, befürchten Kritiker, dass er einer künftigen Grenze eines souveränen Staates Palästina vorgreifen und Israel damit eine De-facto-Annexion palästinensischer Gebiete bezwecken könnte.
Dort befinden sich auch etliche völkerrechtlich umstrittene, von Israel unterstützte jüdische Siedlungen. Palästinenser im Westjordanland beklagen verschiedene gesellschaftliche und politische Benachteiligungen, die sich aus der Okkupation ergeben – u. a. Einschränkung der Bewegungsfreiheit sowie ungleiche Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser.

Die expansive Siedlungspolitik verfolge das Ziel, Israel in biblischen Grenzen' wieder zu verwirklichen – genauer gesagt: “die Wiederherstellung des Königreiches Davids und Salomos” (Ben Gurion, 1956, zur Suez-Krise). Nun könnte man annehmen, dass diese Zielsetzung im Laufe der vergangenen 56 Jahre einem Wandel unterlegen sei. An dieser Stelle erlaube ich mir ein Zitat aus dem Buch von von Prof. Israel Shahak1) “Jüdische Geschichte, jüdische Religion – Der Einfluss von 3000 Jahren”:

“Meines Wissens hat kein zionistischer Politiker jemals Ben Gurions Vorstellung zurückgenommen, daß die israelische Politik (innerhalb der Grenzen pragmatischer Überlegungen) auf der Wiederherstellung der biblischen Grenzen als der Grenzen des jüdischen Staates begründet sein müßte.
Tatsächlich verdeutlicht eine gründliche Analyse der israelischen Langzeitstrategien und der aktuellen Prinzipien der Außenpolitik, wie sie auf Hebräisch offenbart werden, daß es „jüdische Ideologie“ ist – mehr als irgendein anderer Faktor –, welche die aktuelle israelische Politik bestimmt.

Die Nichtbeachtung des Judentums, wie es tatsächlich ist, und der „jüdischen Ideologie“ machen diese Politik für ausländische Beobachter unverständlich, die gewöhnlich – außer einigen plumpen Rechtfertigungen – nichts über das Judentum wissen.” -

Die Selbstwahrnehmung Israels ist die eines winzigen, friedliebenden Landes, das mit dem Rücken zum Mehr steht und sich ansonsten von “Zerstörung anstrebenden Arabern” umlagert sieht – von denen es in einen existenziellen Kampf verwickelt wird. Aus dieser Haltung als unschuldiges Opfer von arabischem Terrorismus wird die Besetzung des Westjordanlandes als lebensnotwendige Verteidigung dargestellt. Insoweit habe es als Opfer auch keine Rechenschaft im völkerrechtlichen Sinne für seine militärische Verteidigung abzulegen

Doch letztlich, wird inoffiziell die Haltung vertreten, das Land zwischen Mittelmeer und Jordan gehöre ‘den Juden’, wodurch jegliche Ansprüche der Palästinenser zunichte gemacht werden.
Vielfach werde die Überzeugung vertreten, dass eine Seite diesen Konflikt verlieren müsse (sinngemäß ‘es kann nur einen geben’) – damit aber wird jedes Integrationskonzept ad absurdum geführt. Vergl. hier.

Dagegen ist diese expansionistische Position für alle Kräfte unannehmbar, die ein Übereinkommen mit allen Nachbarn und insbesondere mit den Palästinensern für unabdingbar erachten. Für sie heißt die menschenrechts-konforme Zielstellung:

Zwei Völker bewohnen Israel / Palästina und jedes hat ein uneingeschränktes Recht auf Selbstbestimmung.

In den letzten Jahren fanden islamistische Organisationen wie Hamas Zulauf bei Teilen der palästinensischen Bevölkerung. Diese opponieren gegen die Politik der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Fatah, die aus ihrer Sicht zu gemäßigt sind. Während die Fatah den militärischen Kampf gegen Israel offiziell beendet hat und auf diplomatische Lösungen baut, setzen die Hamas und radikale Splittergruppen den bewaffneten Kampf auch mit terroristischen Mitteln fort.

Zwar nahmen Israelis und Palästinenser im September 2010 ihre direkten Friedensgespräche wieder auf – jedoch nicht, ohne gleich wechselseitige Vorbedingungen zu stellen: Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu forderte die Palästinenser auf, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erwarteten den völligen Siedlungsstopp im Westjordanland erwarteten.

Die USA gaben am 8. Dezember 2010 bekannt, dass sie nicht länger von Israel ein Siedlungsbaumoratorium fodern: Diesbezügliche Gespräche seien endgültig aufgegeben wurden. Wie unter diesen diffusen Umständen und Interessenvermischungen ein stabiler Friede im Israelisch-Palästinensischen Konflikt erwirkt werden soll, ist völlig unklar. Dass Zugeständnisse Israels, sich mit dem eigenen Staatsgebiet lt. Völkerrecht zu begnügen, auch vor dem innenpolitischen Hintergrund nicht zu erwarten sind, führt dazu, dass die radikaleren Strömungen auf Palästinensischer Seite deutlich an Zulauf und Unterstützung der Bevölkerung gewinnen.

In jüngster Zeit intensivierte die Hamas von Januar bis Mitte November den Raketenbeschuss Israels, mit knapp 1700 Raketen. Neben Qassam-Raketen kamen erstmals auch deutlich weitreichendere Raketen vom iranischen Typ Fadschr-3 und Fadschr-5 zum Einsatz. Israel startete am 14. November die Militäroperation   Wolkensäule, die sich gegen Einrichtungen und Mitglieder der Hamas im Gazastreifen richtet.

Aktuell heißt es in Medienberichten “Die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas hält”. Doch in Israel ist gerade Wahlkampf…

Anmerkungen

1) Als Überlebender des Konzentrationslagers Bergen-Belsen konnte Israel Shahak als Jugendlicher noch vor der Gründung Israels nach Palästina emigrieren. Nach dem Studium in Israel studierte Shahak auch in Stanford. Über seinen Fachbereich hinaus wurde er bekannt als zeitweiliger Vorsitzender der Internationalen Liga für Menschenrechte in Israel und als scharfer Kritiker des Zionismus.
Shahaks Buch „Jüdische Geschichte, Jüdische Religion. Der Einfluss von 3000 Jahren“ ist auf Deutsch im Lühe-Verlag erschienen und wurde u.a. mit folgenden Worten rezensiert:

„Israel Shahak wurde in Israel wegen seiner grundsätzlichen Ausdauer berühmt, Wahrheiten zu äußern, welche die meisten Israelis nicht hören wollen.”

Freitag, 23. November 2012

Religionen: Gewalt hui, Erotik pfui?

Es entsteht der Eindruck, dass z.B. strenggläubige Christen und Muslime sehr enge moralische Grenzen für gottgewollt erachten, innerhalb derer Sexualität gelebt werden darf: nur in der Ehe, davor ist Sex eine Sünde und mit wechselnden Partnern erst recht. Von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ganz zu schweigen, selbst wenn es sich um feste, monogame Beziehungen handelt.

Dagegen wird Gewalt, etwa gegen Andersgläubige, teilweise durchaus toleriert. Mehr noch: Durch Institutionen aller großen christlichen Konfessionen wurde – ebenso wie im Islam - physische Gewalt legitimiert und oftmals auch instrumentalisiert. Die Geschichte ist voll von heiligen Kriegen, Waffensegnungen und zahllosen Gebeten der Konfliktparteien um einen baldigen Sieg im Krieg.

Mittwoch, 7. November 2012

Düstere Zeten? An der Schwelle zum 'postpolitischen Zeitalter’

Wahrlich dunkle, chaotische Zeiten kommen auf uns zu, glaubt man Hans Ulrich Gumbrecht, dem Verfasser des Artikels “Barack Obama und das Ende der Politik (7.11.2012, WELT Online). Danach markiere Die US-Wahl den Beginn einer Wende, der wir uns noch nicht bewusst seien: Die zukünftigen Gestaltungsoptionen der Politik – nicht nur in den USA, sondern weltweit – werden in den kommenden Jahren abnehmen – vor dem Hintergrund ökologischer und sozialer Bedrohungen (u.a. der realistischen Gefahr eines dritten Weltkrieges), welche die Menschheit vor Unausweichliches stellen.

Was meint H. Gumbrecht damit?
Die Zukunft wurde bislang wahrgenommen als “offener Horizont von Möglichkeiten”, die uns allen (also ...mit uns waren gewöhnlich die Einwohner westlicher Länder gemeint) zur Wahl stehen. Theoretisch jedenfalls. Und wenn man unbeirrbar an idealisierte Prämissen wie Chancengleichheit festhielt. 

Genau darin, in der Bereitstellung 'unbegrenzter' Zukunftspotenziale erweise sich die Gestaltungsmacht, indem man sich in der Politik angesichts zurückliegender Erfahrungen an diesen Auswahlmöglichkeiten orientiere.

Und was hat sich nun geändert?
“Das postpolitische Zeitalter bricht an. […]"
Als "postpolitisch" bezeichne man das Verhältnis der politischen Handlungsmöglichkeiten zu einer Zukunft nennen, die von Bedrohungen erfüllt ist - welche unvermeidlich und unumkehrbar auf uns zukommen – statt offen und gestaltbar zu sein. Die Alltagssituationen, auf die Politiker heute stoßen, erscheinen – mit Gewissheit – in diesem Sinn vor allem als postpolitische.
Soll wohl heißen: der Gestaltungsraum von Politikern beschränkt sich bald darauf, wohlklingende Nullsätze von sich zu geben und einen Beitrag zu unserer Unterhaltung zu leisten. Verändern, optimieren, Lebensumstände vieler (der meisten) Einwohner verbessern - das war mal. Ist es das, was Gumbrecht seinen Lesern mehr oder weniger schonend vermitteln möchte?
"Das beginnt mit ökologischen Bedrohungen, von denen wir längst nicht mehr glauben, dass sie abzuwenden sind – weshalb wir uns endlich daranmachen, unser individuelles Leben auf sie einzustellen.”
Dass unangenehme Veränderungen vor uns liegen oder zumindest liegen könnten, wird kaum jemand bestreiten:
  • Globale ökologische Veränderungen lassen sich nicht mehr ignorieren – wobei besorgte Fachleute sich fragen, ob das sich derzeit abzeichnende Ausmaß nur der Anfang von weit Schlimmerem sei.
  • Ebenso lässt sich, wenn auch noch nicht ganz so deutlich, eine heftige Auseinandersetzung um den Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen vorausahnen. Ob dieser Krieg zunächst längere Zeit in der Medienwelt, mit wirtschaftlichen Instrumenten und als Cyberwar ausgefochten wird, bevor er militärisch eskaliert, ist von nachgeordneter Bedeutung.
    Eine Phase der Ressourcen-Erschöpfung liegt unweigerlich vor uns, denn nicht allein Erdöl, sondern etliche andere Rohstoffe werden in den kommenden 30 bis 100 Jahren unweigerlich aufgezehrt sein. Dazu zählen u.a. auch technologisch und wirtschaftlich bedeutsame Metalle wie Kupfer und Silber. Aber auch scheinbar Selbstverständlicheinberghes wie sauberes Trinkwasser dürfte binnen Jahrzehnten zu einem ausgesprochen knappen Gut werden – schon heute besetzen 1,1 Milliarden Menschen keinen Trinkwasser-Zugang.

    Gegenwärtig sind in mehr als 30 Ländern Aufstände im Gange oder stehen bevor, weil sich die dort ansässigen Menschen die überteuerten Lebensmittel nicht mehr leisten können. 
So kommt auch Richard Heinberg ("Jenseits des Scheitelpunkts") zu der Einschätzung:
Ohne grundlegende Wende im Denken und Handeln, die auch schmerzhafte Einschnitte und Verzicht einschließt, kann es keine Zukunft geben.
Pessimisten (sofern diese eher negative Einordnung überhaupt noch Bestand hat) entwerfen ein apokalyptisches Szenario: Vor uns lägen “Ressourcenkriege und gesellschaftliche Zusammenbrüche, Inflation und Deflation, Kriminalität und Agonie, Diktatur und Todesstrafen”.
Heinberg und offenbar auch der Verfasser des eingangs zitierten WELT-Artikels fragen daher nicht länger „Wie wollen wir leben?“ – sondern:
 „Wie werden wir leben müssen?“
Tatsache ist: unser Überleben über das gerade begonnene Jahrhundert hinaus könnte davon abhängen , welche Fortschritte wir in der Raumfahrttechnologie machen1) ...und wie schnell diese Fortschritte erzielt werden.
Der Zusammenhang mit der Wahl des US-Präsidenten (2012) ist schnell hergestellt: Die amerikanischen Politik Gesellschaft lasse die Anzeichen einer Umstellung von einer utopisch gewordenen Zukunft der Möglichkeiten zu einer Zukunft unvermeidlicher Bedrohungen und Reduktionen deutlich sichtbar werden.
Eingestellte Zukunftsprojekte und vor allem die finanzielle Belastung der Zukunft werden als Merkmale dieser bevorstehenden Umstellung genannt.


Obama habe sich “konsequenter und auch erfolgreicher auf den postpolitischen Zukunftshorizont eingestellt” als irgendein anderer Politiker der Gegenwart. Deshalb sei es ihm erkennbar schwerer gefallen, auch seinen zweiten Wahlkampf mit dem Nimbus des erfolgsorientierten, vom Glauben an das Machbare beseelten Visionärs zu führen.
Europa dagegen habe die schmerzhafte Einsicht noch vor sich, wonach eine offene Zukunft der Vergangenheit angehört.
Bis vor wenigen Jahren neigte ich zu naiv-zweckoptimistischen Annahme zugeneigt, dass der menschlichen Spezies auch weiterhin ein relativer Gestaltungsrahmen offen stehen werde. Doch heute ich räume ein, dass dieser Zweckoptimismus sich bald als Illusion erweisen mag. Diesbezügliche Überlegungen habe ich hier zusammengestellt: "Boden-Ressourcen werden knapp - Droht ein Rückfall in vorindustrielle Zeiten?"


Über welchen Zeithorizont reden wir hier?


  • Über 14 - 24 Jahre, weil 2029 oder 2039 Apophis wiederkommt und (wieder einmal) der Weltuntergang anberaumt ist? Kaum.
  • Über die Dauer einer US-amerikanischen Legislaturperiode, also vier Jahre? Dieser Ansicht scheint Gumbrecht zu sein, der augenscheinlich ein zeitnahes böses Erwachen seiner amerikanischen Landsleute und letztlich der gesamten Weltbevölkerung erwartet.

Soweit ich dies überhaupt beurteilen kann, werden vor uns liegende Veränderungen über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinweg sukzessive eintreten – abgesehen von hinreichend hässlichen Krisenperioden, wie sie bereits im 20. Jahrhundert auftraten. Mit einer langsamen, aber unaufhaltsamen Verschärfung der Lebensbedingungen ist in dem Maße zu rechnen, wie grundlegende Bodenressourcen knapper werden und die Auswirkungen der ökologischen Schäden sich ausweiten.

Damit bagatellisiere ich die Bedrohungen der Zukunft (sollte man eher von der ‘Zukunft der Bedrohungen’ sprechen?) keineswegs! Lediglich bezweifle ich, dass wir irgendetwas davon bereits als endgültig feststehend ansehen sollten – dann dadurch würden wir uns (auch als Individuum) sämtlicher Gestaltungsoptionen berauben, sowie der Motivation zu unangenehmen, aber zwingend notwendigen Turnarounds.
Ein ‘post-politsches’ Zeitalter? Bei aller Kritik am politischen Personal hoffe ich sehr, dass dergleichen niemals eintritt…

Anmerkungen
1) Vgl. dazu: "Raumfahrt sichert das Überleben der Menschheit"
NASA-Chef Michael Griffin sieht in Erforschung des Weltalls Schlüssel zum Überleben. Für ihn gibt es für die Raumfahrt nur ein Ziel: Der Mensch muss das Sonnensystem besiedeln…

Wissenschafftliche Sicht in Bezug auf Planet X / Nibiru

7.11.2012. In der Schöpfungsgeschichte der Sumerer existiert ein zehnter bzw. zwölfter Planet (je nach Zählweise wurden auch der Mond und sogar die Sonne und zu den Planeten gerechnet). Nibiru bedeutet etwa „vorüberziehender, passierender Stern“. Nibiru wiederum soll die Heimat der Annunaki sein, eines außerirdischen Volks, um das sich noch heute viele Spekulationen ranken. In Sumer wurden die Annunaki als Schöpfer des Lebens auf der Erde betrachtet.

In der Gegenwart griffen esoterische Kreise diesen alten Mythos wieder auf. Nun war vom Planeten X (x steht für die römische 10) die Rede - Astronomen lieferten Hinweise darauf, dass es jenseits von Pluto einen zehnten Trabanten geben könnte. Dieser sei, so wurde spekuliert, identisch mit dem zehnten Planeten der Sumerer. Planet X soll die Sonne auf einer extrem ausgedehnten und exzentrischen Umlaufbahn in 3600 Jahren einmal umkreisen. 


Im Weltbild der alten Sumerer war Nibiru die Heimat der Schöpfergötter, welche die Erde mehrfach besuchten. 

Bald zogen findige Ufo-Gläubige Parallelen zu einem Mythos der Neuzeit – nämlich den außerirdischen „Grauen“ -Insassen fliegender Untertassen, die hier und da gelandet sein sollen. Bei Entführungen durch die Ufo-Besatzungen, von denen allerdings zahlreiche Menschen berichteten, sollen die Grauen mitgewirkt haben. Diese Androiden mit winzigem Mund und riesigen Augen sollen nun jene Helfer der Annunaki, die von dieser Götterrasse künstlich geschaffen wurden. Noch heute besuchen sie die Erde im Auftrag ihrer Herren, die auf dem fernen Planeten Nibiru durch das äußerste Sonnensystem schwirren.

Diese Darstellung wird allerdings nur auf esoterischen oder ähnlich gelagerten Internetseiten kolportiert. Die Astronomie zeichnet vom Planeten X dagegen ein ganz anderes Bild. Bereits im 19. Jahrhundert gab es tatsächlich Spekulationen über einen Planeten, der außerhalb des Neptun, dem damals äußersten bekannten Trabanten im Sonnensystem, seine Bahn ziehen sollte. Die Existenz Neptuns sagten die Mathematiker John Couch Adams und Urbain Le Verrier anhand von Bahnstörungen vorher, die Astronomen bei Uranus beobachtet hatten. Der Himmelsforscher Johann Galle fand den großen Planeten dann im September 1846. Kurz darauf erklärte Le Verrier, es müsse dort draußen noch einen Planeten geben, denn die Bahnabweichungen von Uranus seien nur durch zwei Trabanten zu erklären.


Was lässt sich über einen hypothetischen Planeten X sagen?

Er müsste deutlich größer als Pluto sein, sofern er die Abweichungen der Umlaufbahn des Uranus verursachen sollte.

In den 1970er Jahren berechnete der Astronom Tom van Flandern die Bahnstörungen von Uranus und Neptun neu. Dabei kam er zu dem Schluss, dass es einen zehnten Planeten geben müsse. Zusammen mit seinen Kollegen Robert Sutton Harrington  veröffentlichte 1988 die Theorie, dieser Planet X umkreise die Sonne auf einer hoch elliptischen Bahn, die ihn weit aus der Ebene der Ekliptik (die gemeinsame Umlaufebene der großen Planeten) herausführe, mit einer Periode von 1019 Jahren die Sonne. Er sollte dreimal so weit von unserem Zentralgestirn entfernt sein wie Neptun.


Diese Forschungsergebnisse griff der Schriftsteller Zecheria Sitchin auf, der an die Existenz des Planeten Nibiru und der darauf lebenden Annunaki glaubte. In seinen Büchern beschreibt er sie als menschenähnlich, uns Erdlingen abrttechnologisch überlegenen  Zivilisation. Sie sollen vor 450 000 Jahren auf die Erde gekommen sein und hier aus Vorfahren des modernen Menschen auf gentechnischem Weg Sklaven erzeugt haben. Von ihm stammt die These, Nibiru durchquere alle 3600 Jahre das innere Sonnensystem.


Doch ein Planet X wurde bis heute nicht entdeckt. Darauf deuten die Bahndaten der  hin, die vor 30 Jahren starteten. Der Nasa-Forscher Miles Standish untersuchte, welchen Gravitationskräften die beiden Voyager-Sonden auf ihrer Reise ausgesetzt waren. Den Einfluss eines zehnten Planeten konnte er nicht finden, obwohl beide Sonden derzeit am Rand des Sonnensystems fliegen und deshalb dessen Schwerkraft besonders stark spüren sollten. Bahnanalysen der Sonden Pioneer 10 und 11 kamen zum gleichen Resultat. Wie auch verfeinerte astronomische Beobachtungsmethoden zeigen, sind die Bahnstörungen der großen Planeten geringer sind als ursprünglich angenommen.


Damit ist die Legende von Nibiru (und seinen Bewohnern) am Ende. Selbst wenn es einen derartigen Planeten auf der von Sutton Harrington errechneten Bahn gäbe, könnte es auf seiner Oberfläche kein höheres Leben geben. Denn er würde sich bis zu 100 Astronomische Einheiten weit von der Sonne entfernen (1 AU = Distanz Erde-Sonne, also ca. 150 Millionen Kilometer). Selbst Pluto ist mit einem mittleren Abstand von 39,4 AU noch vergleichsweise sonnennah. Jedes Mal, wenn Planet X/Nibiru das innere Sonnensystem verlässt und sich dessen eisigen Rand nähert, würde seine Atmosphäre ausfrieren. Schon zuvor wäre alles flüssige Wasser zu Eis erstarrt.



Montag, 5. November 2012

Projektion menschlicher Gedanken auf das Göttliche?

Oder: Was in aller Welt ist Trigono-Morphismus?

L. Feuerbach wandte sich gegen jede Vorstellung von einem Weiterleben des Individuums nach dem biologischen Tod und interpretierte Religion als Projektion des Menschen.
Insbesondere kritisierte er die “kindisch-phantastische” christliche Mythologie, die sich jedes Ammenmärchen der Historie als Tatsache aufbinden lasse. Die Abwesenheit jeder Vernunft mache diese Religion zu einem Spielball der spekulativen Willkür.
Dem Unglauben nur sind die Glaubensgegenstände vernunftwidrig; aber wer sie einmal glaubt, der ist von ihrer Wahrheit überzeugt, dem gelten sie selbst für die höchste Vernunft.

Schöpfungsgeschichten - Schöpfungsmythen

Die ursprüngliche Linkliste wurde aktualisiert und ist jetzt als Teil dieses Beitrages zu finden.

Siehe auch:

Und hier noch ein wenig Kontrast:

Harald Lesch:
Über Gott und das wissenschaftliche Bild von der Entstehung der Welt




"Der Himmel der Religion
ist doch nicht das Universum der Astrophysiker."

Samstag, 3. November 2012

Turiner Grabtuch – Fake oder Glaubenszeugnis?

“Fake!” wäre bis vor kurzem meine knappe (und wohl eher dümmliche) Antwort auf diese Frage gewesen, motiviert durch die Erinnerung an einen Zeitungseintrag über eine Materialdatierung, die das Alter des Grabtuches mit ca. 700 Jahren angab.
Das Turiner Grabtuch ist ein Leinentuch, gut 4 Meter lang und 1,10 Meter breit, das ein beidseitiges Ganzkörper-Abbild (bzw. ein ‘fotografisches Negativ’) eines Menschen zeigt. Es wird in einer Seitenkapelle des Turiner Doms aufbewahrt.
Die intensive Debatte über den Ursprung des Tuches zwischen Theologen, Historikern, Forensikern und anderen Forschern hält bis heute an. Vielen Gläubigen betrachten das Turiner Tuch als das Grabtuch, in dem Jesus von Nazareth nach der Kreuzigung begraben wurde.

Der Begriff der ‘Fälschung’ ist eher irreführend, denn bis heute ist weder die Technologie der Bildherstellung noch der Urheber des Abbildes mit Sicherheit erwiesen.