Donnerstag, 28. Februar 2013

Gottes Hammer? Ein 40-Meter- Asteroid namens "Goblin"??

Jetzt auch der SPIEGEL: das Wochenmagazin hatte die Versuchungen des vermeintlichen Weltuntergangs doch relativ gut umschifft und auf YellowPress-typische Entzeitvisionen und -versionen weitgehend verzichtet.

Doch jetzt, nachdem reale Gefahren aus dem Kosmos präsent wurden, greift man auch dort in die sensationsheischende Trickkiste:


"Meteoriten-Gefahr: Warten auf Gottes Hammer"

Von zwei kosmischen Vorfällen wird berichtet - dem Meteoritenschauer nahe der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und dem haarscharfen Flyby des Asteroiden (367943) DuendeDer Asteroid war zuvor unter der vorläufigen Bezeichnung 2012 DA14 bekannt geworden. einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen sahen. Doch dann kam heraus, dass die Bahnen der zwei Geschosse wohl so unterschiedlich sind, dass sie kaum miteinander durchs All gereist sein können.



Die Weltbevölkerung musste in der zweiten Februarwoche gleich vier besondere Ereignisse zu verkraften, die (nach Darstellung der Medien) allesamt 'irgendwie mit dem Himmel zu tun haben':
    'Goblins' Vorbeiflug vom 15. Februar 2013
  • (367943) Duende kam am 15.2.2013 der Erde bis auf ca. 27.700 km nahe, durch den engen Kontakt mit der Erde änderte sich die Umlaufbahn des Asteroiden. Das eigentlich Überraschende daran: 
Angeblich hätte ein Einschlag des 28.600 Stundekilometer schnellen 'Goblin' (=spanische Bedeutung von Duende) auf der Erde nun doch "verheerende Folgen" für die gesamte Menschheit nach sich gezogen. Dies wurde aber erst deutlich kommuniziert, nachdem die Gefahr vorbei war. 
  • Während man über den größeren Brocken Bescheid wusste, wurde mit einem Meteoriteneinschlag wie in Russland kaum gerechnet. -
  • Ferner kündigte Papst Benedikt XVI seinen Rücktritt an.
  • Und am selben Tage, nur zwei Stunden später, schlägt ein Blitz  im Petersdom ein! Das Unglaubliche daran sind die Schlagzeilen dazu "Zufall oder Zeichen? Mysterium? Zufall? ...Deutungsbedürftig?"]
Bei den Medien braucht man sich über Verbalakrobatik also nicht mehr zu wundern. Und wenn ihnen gar nix Gescheites mehr einfällt, dann müssen eben "Monster aus dem Meer" das Winterloch (?) füllen...

Wie dem auch sei, Formulierungen wie "Die Erde steht unter Beschuss" (nicht auf den päpstlichen Blitz, sondern die Asteroideneinschläge bezogen) treffen zwar sachlich zu (auch wenn wir normalerweise relativ wenig davon merken), sind aber kaum hilfreich. Auch rhetorische Fragen wie "...wie groß ist das Risiko, dass ein noch größerer Flugkörper aus den Tiefen des Weltraums auf der Erde einschlägt?" erfüllen keinen positiven Zweck, zumal anschließend die Entwarnung mittels statistischer Berechnungen folgt.
Auf eine weitere Endzeit-Hysterie können wir einstweilen noch verzichten, denke ich.

Es gibt freilich gute Gründe, eventuell doch etwas mehr als 5% des Himmels nach potenziell bedrohlichen Objekten abzusuchen. Autsch, das kostet Geld ...und das in einer Zeit, in der viele Staatenlenker meinen, ihre konventionelles und/oder nukleares Vernichtungspotenzial modernisieren und aufstocken zu müssen. Auf der Rüstungsmesse in Abu Dhabi hätten die Deutschen "ihre ganze Rüstungsmacht" gezeigt. Tja, man wird doch noch Prioritäten setzen dürfen - die Einnahmen müssen stimmen.


Freitag, 15. Februar 2013

Die Eskalation zwischen Rechtsextremen und Islamisten

Die allgemeine Berichterstattung hierzulande nimmt zwei erstarkende Gruppierungen wahr, welche das Zusammenleben nach den Vorstellungen der gesellschaftlichen Mehrheit gefährden. Doch Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland werden oft losgelöst voneinander dargestellt - die reaktive Spirale wechselseitiger verbaler und physischer Gewalt zwischen diesen beiden Lagern kommt dadurch nicht hinreichend  zum Ausdruck.

Die nachfolgende Dokumentation bezieht die Aktionen beider Gruppierungen aufeinander und lässt so die absehbare Eskalation transparent werden. Deutlich wird auch, wie verbale Provokationen erst die Gewaltbereitschaft auslösen und letztlich festigen.


Organisationen wie "Pro NRW" sind sicher nicht primär auf Krawall aus - sie gehen geschickter vor und provozieren Islamisten derart, dass sie selbst sich im Falle der Eskalation als Opfer inszenieren können. Fast scheint es jedoch, als seien extreme Islamisten wie Murad K., der er zwei Polizisten mit einem Messer verletzt hat, ihnen dafür dankbar - weil sie nicht nur (aus ihrer Sicht) die Rechtfertigung, sondern gleich einen konkreten Anlass zum Losschlagen geliefert bekommen. 




Man muss sich fragen, ob Gruppierungen und 'Bewegungen', die vor allem mit pauschal ausländerfeindlichen  Parolen wie "Wir wollen sie nicht" von sich reden machen, bewusst sind über das Ausmaß ihrer Verantwortlichkeit. Bekanntlich führt Angst zu Gewalt - wer die Angst vor und Ressentiments gegen Muslime in Deutschland "nur mit Worten" schürt, kann und darf nicht überrascht tun, wenn gewaltbereite rechte Kreise Zulauf erhalten.




Natürlich kenne ich kein Patentrezept im Sinne einer 'Breitband-Beruhigungspille' und ich bin mir auch darüber im Klaren, dass ich die komplexen kausalen und ethischen Zusammenhänge nicht in ihrer ganzen Tiefe erfasse.
Aus der Geschichte weiß ich aber, wie eine mehrheitliche Haltung
 frustrierter Passivität dazu führen kann, dass eine aktive Minderheit den Lauf der Dinge in einer Weise prägt, die 'nachher keiner gewollt hat'.

Vor diesem Hintergrund schwebt mir eine Art Maßnahmenkatalog als wünschenswert vor, um die politischen, sozialen und freiheitlichen Errungenschaften in Deutschland bzw. Europa vor jeder Form des Extremismus zu schützen:

  1. Dialog ist wichtig, setzt aber Dialogbereitschaft und Gewaltverzicht voraus. 
  2. Wo diese Voraussetzung nicht mehr gegeben ist, sollte seitens der Exekutive ein klarer Rahmen 'erlaubter Handlungen' konsequent ausgeschöpft (und wo nötig, neu definiert) wird - eine rote Linie, deren Überschreiten unter keinen Umständen toleriert werden. 
  3. Bewährungsstrafen ohne spürbare Auflagen sind im Falle von Gewaltdelikten m.E. nur geeignet, das Rechtssystem eines Staates der Lächerlichkeit preiszugeben. 
  • Wer nicht im Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit ist und bestimmte kriminelle Handlungen zum Schaden Dritter verübt, gehört meiner Meinung nach ausgewiesen - wobei der Einzelfall natürlich von einem Gericht zu bewerten ist. Vergleichbares gilt auch für die Aufforderung zur Gewalt gegen Personen und Einrichtungen. 
  • Das Ausbleiben konkreter Sanktionen gegen Gewalttäter halte ich für einen Fehler. Diese haben zwei Ziele zu verfolgen - Schadensbegrenzung und Verhaltenstherapie bzw. Erziehung. Die Gefängnisse sind eh' überfüllt, nicht allein deshalb ist die Wirksamkeit alternativer Maßnahmen zu prüfen. Darunter verstehe ich weniger die Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit als eine Motivation, notfalls aber auch Zwang zum Täter-Opfer-Ausgleich.
  • Religions- und Meinungsfreiheit sind wichtige, schützenswerte Grundrechte. Beide dürfen von keiner Seite dazu missbraucht werden, Andersdenkende zu beleidigen und bis zur Unerträglichkeit zu reizen. Doch wer definiert 'Beleidigung'? Islamisten, die mit erpresserischen Methoden die selbst definierte Ehre ihrer religiösen Werte und Führer zu schützen glauben? Sicher nicht. Die Grundrechte geben hier einen Rahmen vor - doch besteht hier eine Notwendigkeit zu Korrektur und Ergänzung?
Es bleibt dabei: Gastfreundschaft setzt die Freundschaft des Gastes voraus. Und die Bereitschaft, die Regeln (Gesetze) des Gastlandes zu respektieren. Auf radikalisierte Konvertiten und Neonazis trifft zwar der Terminus 'Gastland' nicht zu ('Freundschaft' leider auch nicht) - doch die 'roten Linien' haben ihr Agieren jedoch ein gleicher Weise zu begrenzen.


Ursachenforschung - schwierig und unausweichlich

Andererseits: staatliche Intervention löst keine Probleme, sie ist oftmals nur geeignet, den äußeren Anschein innerer Sicherheit aufrecht zu erhalten. Meine Wahrnehmung ist, dass mit Ausnahme einiger wissenschaftlicher Institute vorwiegend am Symptom herumgedoktort wird.
Die Ursachen für die Zunahme des Extremismus in Europa und der Welt (Deutschland ist keine Insel) sind überaus komplex - doch wir werden uns ihnen stellen müssen.

Es ist ein fast banaler Selbstläufer, dass Innen- und Außenpolitik nicht isoliert voneinander betrachtet werden dürfen. In dem Maße, wie Deutschland sich von dem Grundsatz "Nie wieder Krieg" entfernt hat und zudem eifrig Rüstungsgüter in Krisengebiete exportiert, muss es sich den Vorwurf der Heuchelei gefallen lassen. Ursachen für Islamismus dies- und jenseits unserer Grenzen allein auf eine 'islamische Expansion' zu reduzieren, ist kurzsichtiges Wunschdenken (bezogen auf den verbreiteten Wunsch, das eigene Handeln nicht auf den Prüfstand stellen zu müssen.

Ob der Islam allgemein nicht mit den westlichen Vorstellungen von Demokratie  vereinbar ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Es trifft zwar zu, dass sich bislang in keinem islamischen Staat eine 'echte Demokratie' gebildet hat - doch zeigt der arabische Frühling deutliche Tendenzen auch in dieser Richtung. Im Einleitungstext zu einem kurzen Filmbeitrag 'Islam und Demokratie' wird festgestellt:
"Die laufenden Proteste in der arabischen Welt haben Zweifel an einer Vereinbarkeit von Islam und Demokratie abgeschwächt." 
Zudem leben viele Muslime in demokratischen Ländern - ohne deren politische Kultur nach dem Ideal eines islamischen Gottesstaates prägen zu wollen:




Rechtsextremismus - chronisch unterschätzt?


Wie die Bedingungen zur Erstarken des Rechtsextremismus aussehen, sollte in Deutschland noch unangenehm bewusst sein. Wirtschaftliche Instabilität, Zerstrittenheit und zaghaftes, untätiges Gebaren der gemäßigten politischen Kräfte ermöglichen eine kollektive Erblindung gegenüber den Heilsversprechen der Rechten, welche das Wahlvolk in seiner Opferhaltung bestärken und zugleich einen Sündenbock präsentieren...
Heute sind es vielfach Islamisten oder am liebsten gleich alle hier lebende Muslime, auf die eine Schuld an vielfältigen Mißständen projiziert wird.


Populistische Rhetorik hat dabei noch immer geholfen: Bisweilen berechtigte, oftmals jedoch übertriebene Ängste in den Bevölkerungen werden auf griffige Phrasen herunter gebrochen "Verteidigung der kulturellen Identität" 1) , "Gefahr durch massenhafte Zuwanderung" und natürlich das Schreckgespenst einer pauschal unterstellten "Islamisierung des Abendlandes".

Die Rechten verstehen es mitunter besser als etablierte Institutionen, junge Menschen für ihre Ideologie zu gewinnen bzw. einzuspannen. Diesem Aspekt widmet sich der Film "Neue braune Welle- Die Jugend im Visier der Rechtsextremen".

Am Rande: Staatsbürgerkunde, also die Vermittlung von Grundkenntnisen über die Funktionsweise unseres Gemeinwesens ist zu wichtig, als dass sie nur Migranten aufgenötigt werden sollte. Ein Heranwachsender muss nicht alle Bundespräsidenten auswendig herunterbeten können, doch eine intakte Demokratie setzt voraus, dass der Souverän (also das Wahlvolk) die grundlegenden Ziele und Absichten derer kennt, denen er politische Macht verleiht. 
In Gesprächen mit jungen Leuten habe ich häufig den Eindruck gewonnen, dass diese von politische Bildung gänzlich unberührt waren. 

Damit wird es Extremisten jeglicher Provenienz zu leicht gemacht, wenn diese den Himmel auf Erden oder das Paradies im Jenseits allzu billig verkaufen.



 Anmerkungen
1) Gerade die Besorgnis um eine kulturelle Identität kennzeichnet keineswegs eine Zugehörigkeit zur rechtsextremen Ideologie. Vieler Menschen nehmen eine Erosion von Werten und Idealen zur Kenntnis. Wichtig ist m.E. die Einsicht, dass der Verlust moralischer und perspektivischer Orientierung eine Folge gesellschaftlicher und persönlicher Entscheidungen ist, die ohne das Zutun von Muslimen getroffen wurden.
Dass dies von rechtsaußen anders gesehen und dargestellt wird, erleichtert deren Vereinnahmungsstrategie.

Samstag, 2. Februar 2013

Antisemitismus, Holocaust und die jüdische Lobby

SAT3-Dokumentation

Vor knapp 20 Jahren habe ich das Konzentrationslager Terezin (Theresienstadt) in Tschechien besucht und war wie versteinert. Mein Besuch war nicht geplant, er erfolgte während einer Dienstreise; doch im Nachhinein war es keine so gute Idee, diese Stunden alleine zu verbringen. Die vielen Filme aus der NS-Zeit können das entsetzliche Leid der Betroffenen nicht annähernd vermitteln; auch der Besuch einer solchen Stätte vermag dies nicht.

Sehr nachdenklich verlief meine Rückfahrt nach Berlin, mir wurde unangenehm bewusst, wie leichtfertig in meiner Jugendzeit oft über die Greuel der Nazis geredet worden war. Keine Befürwortung, aber doch eine Versachlichung und Banalisierung, die der Verharmlosung nahe kam.
Kurzzeitig habe ich auch über die Frage nachgedacht, was diese Ereignisse der NS-Zeit mit mir persönlich zu tun haben. Nichts, jedenfalls nicht kausal. Doch die hypothetische Fragestellung 'Wie hätte ich mich damals verhalten?' ist nicht leicht zu beantworten, wenn man ehrlich zu sich selbst bleiben will. 
Kaum vorstellbar, dass ich mich aktiv an der Ermordung und Folterung von Menschen beteiligt hätte - also wäre ich Teil der schweigenden Mehrheit geworden, die nichts genaues wissen, aber vor allem keinen Ärger haben wollte?
Oder hätte ich den Mut aufgebracht, mich mit meinen Mitteln und Möglichkeiten gegen das Nazi-Regime zu wenden - wie beispielsweise Fritz Gerlich, deutscher Journalist und Archivar, der zu den wichtigsten Vertretern des publizistischen Widerstands gegen Hitler und den Nationalsozialismus zählte, bis er am 30.6.1934 im KZ Dachau erschossen wurde? Gemessen an der gegenwärtig von mir aufgebrachten Zivilcourage kann ich davon nicht ausgehen.



Terezin Inschrift „Arbeit macht frei“ über dem 
Eingang zum „Hof I“ der Kleinen Festung


Spätestens von da an habe ich eines verinnerlicht: Jede Form von Rassismus ist in meinen Augen ein Ausweis von gefährlicher Verbohrtheit und Dummheit - ganz gleich, gegen wen er gerichtet ist. Dergleichen zu tolerieren, angefangen bei der jeweiligen Ideologie, ist fraglos ein Fehler.
Und: auf kontroverse, emotionale Streitgespräche über religiöse Standpunkte werde ich mich zeitlebens nicht einlassen, denn aus kann nichts Gutes erwachsen.-


Eine sachliche und vorbehaltlose Beurteilung der gegenwartspolitischen Lage hat m.E. allerdings nichts mit solchen Phänomenen zu tun - besser gesagt, sie sollte nicht...

Das Schlagwort 'Antisemitismus' hat meiner Beobachtung nach so etwas wie eine Inflation durchlaufen - tatsächlich findet eine ungesunde Vermischung von Begrifflichkeiten statt, die niemandem hilft:

Kritik am Staat Israel ist nicht gleichbedeutend mit 'antijüdisch', was auch die nachfolgende Dokumentation herausarbeitet. 
Wie kann es dann sein, dass der für seine israelfeindlichen Äußerungen bekannte Präsident des Irans, Mahmud Ahmadinedschad, mit vollem, manchmal 'heiligen' Ernst in dieselbe Kategorie des 'Antisemiten' gesteckt wie der umstrittene Günter Grass
Anstatt Grass die Einreise nach Israel zu verbieten, hätte eine im israelischen TV weltweit ausgestrahlte Diskussion zwischen Grass und Vertretern jüdischer Organisationen einer verwirrten Öffentlichkeit aufzeigen können, inwieweit und weshalb letztere sich durch Äußerungen von Grass verletzt oder gar bedroht fühlen. Mit Ausgrenzung klärt man nicht auf und korrigiert auch keine 'irregeleiteten' Auffassungen.
Wenn jemand (auch als Deutscher) sein Unbehagen in Bezug auf die Konflikte und Krisen im Nahen Osten bekundet und dabei auch ausgewogene Kritik an allen Kontrahenten übt, verdient er es nicht, mit dem Begriff des Antisemiten belegt zu werden.

Diese Differenzierung ist wichtig und notwendig, denn sie verhindert zugleich, dass eine Verharmlosung wirklichen Rassismus unterbleibt. Machen wir uns nichts vor, hierzulande hat die Diffamierung von Menschen aufgrund ihre Rasse, Religion oder Nationalität ganz sicher nicht abgenommen, leider.
Hier geht es darum, sich persönlich abzugrenzen und eine deutliche Position zu beziehen.
Das schulden Deutsche ihrer geschichtlichen Verantwortung. (Im übrigen stünde es auch anderen Teilen Europas und Amerikas gut zu Gesicht, sich zu ihrer Verantwortung zu bekennen.)


Doch es muss sich, so sehe ich das, niemand dafür beleidigen lassen, dass er das geo-strategische Verhalten der staatlichen Kräfte in Israel (und ebenso in mehreren islamischen Staaten) nicht nachvollziehen kann.

Andererseits kann sich kaum ein Außenstehender in das Sicherheitsbedürfnis eines Volkes hineinversetzen, dessen eigene Vorfahren und Landsleute nicht vor 70 Jahren auf industrielle, menschenverachtende Weise beinahe ausgerottet wurde. Wer in Bezug auf den Holocaust keine persönlichen Erfahrungen erlebt hat bzw. von den eigenen Eltern, Großeltern usw. geschildert bekam, kann diesbezüglich kaum 'mitreden'. Er kann mitunter auch nicht verstehen, dass die Erinnerung an den Holocaust im Umfeld der Betroffenen immer gegenwärtig ist - auch als zukunftsgerichtete Warnung. Vorwurfsvoll-pauschale Unterstellungen wie 'Instrumentalisierung' oder 'Opferhaltung' verletzen, ohne letztlich etwas Sinnvolles zu bewirken. 

Vielleicht ist es angezeigt, Begriffe wie 'Antisemitismus' neu zu definieren oder sich auf die eigentlich zutreffende Wortbedeutung zu besinnen ...damit sie auf diejenigen Anwendung finden, die tatsächlich so denken...?

Für alle übrigen Menschen mag ein Gedanke gelten, der in nachfolgender Dokumentation sinngemäß so zum Ausdruck kommt: "...die Schuld der Väter soll nicht auf die Söhne übergehen. Die Vergangenheit soll nicht vergessen werden, aber anstatt unser Gegenüber in eine Position der Schuld zu drängen, sollten wir uns darum bemühen, Freunde zu sein."