Montag, 23. Juni 2014

Hans-P. Dürr: "Der Urknall ist alte Physik..."

„Ein Baum, der fällt, macht mehr Lärm, als ein Wald, der wächst. Lasst uns deshalb dem wachsenden Wald lauschen!“
Ich habe erst heute erfahren, dass der von mir bewunderte und geachtete Kernphysiker Hans-Peter Dürr am 18.Mai 2014 im Alter von 84 verstorben ist. Herrn Dürr verdanke ich wertvolle Denkanstöße, nicht nur in Bezug auf die Möglichkeit einer Synthese zwischen naturwissenschaftlicher und spiritueller Weltsicht. 

Exemplarisch für die Denkweise von Professor Dürr war das im Jahr 2002 geführte Gespräch über Erkenntnisse der Quantenphysik in Bezug auf unser Denken und Handeln (s. Video). Einige Schwerpunkte daraus:
"Der Urknall ist für mich alte Physik - und inakzetabel, weil er an der eigentlichen Problematik vorbeigeht. Urknall ist...noch die Vorstellung, dass die Welt sich entfaltet hat. "
"Wir haben uns auf Erden eine Sprache zum Apfel pflücken erdacht, weshalb ich unsere (mathematische-physikalische) Sprache gerne als Apfelpflücksprache bezeichne. Nun kann man ja nicht wirklich annehmen, dass sich das Universum nach einer Apfelpflücksprache richtet!" 
Die gesamte im Universum der Gegenwart enthaltene Information wäre nach dieser 'alten' Physik von Anfang an schon in dem sich entwickelnden, entfaltenden 'Knäuel' enthalten - daran sei nicht wirklich etwas Kreatives (im Sinne einer Neu-Schöpfung). Insoweit transportiere die Urknalltheorie das Missverständnis, als sei anfangs ein mächtiges Zahnradgetriebe in Gang gesetzt worden. 
Quantentheorie besage dagegen, dass in jedem Moment etwas Neues entsteht - und etwas 'Altes' verschwindet - ohne Ursache und Wirkung.Dabei wirke die Evolution in jedem Augenblick weiter, ständig fließend: "Die Zukunft ist offen".
Der Kernphysiker vergleicht die traditionellen Naturwissenschaften mit einem Fleischwolf, der die Wirklichkeit verwurstet. Gefordert sei ein völlig neues Denken. Unsere Alltags-Wahrnehmung könne freilich nur ein statistisches Mittel dieser Prozesse wahrnehmen
Auch in einem mit der WELT 2006 geführten Gespräch erklärte der Inhaber des alternativen Nobelpreises: Wer die recht unverständliche Quantentheorie in völliger Klarheit verstanden habe, könne von der Welt nur noch in Bildern und Gleichnissen sprechen. Der Kosmos sei eine "geistig-lebendige Wirklichkeit", ein Beziehungsgefüge von Möglichkeiten, ein ständiges Geschehen voller Kreativität. Statt von Materie-Teilchen sollte man besser von "Passierchens" oder "Wirks" sprechen.
Diese Struktur der Wirklichkeit sei holistisch (ganzheitlich) - man könne sie daher nicht in einzelne Bestandteile zerlegen (= analysieren), ohne wesentliche Verbindungen und Zusammenhänge zu zerstören.
Materie lasse sich als "elektromagnetischer Schwingungsball" beschreiben: 
"Und was da schwingt, ist Nichts. Aber dieses Nichts hat eine Form."



Siehe auch:

Freitag, 20. Juni 2014

Werner Heisenberg und die Frage nach der Wirklichkeit

Hans-Peter Dürr, Anton Zeilinger und Martin Heisenberg über Leben und Werk des Wissenschaftlers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg (*1901), eines der bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts zählt

Von diesem Film war ich ziemlich angetan; er betrachtet nicht nur die Meilensteine auf dem wissenschaftlichen Karriereweg, sondern das gesamte Leben des Künstlers, Philosophen und Forschers Heisenberg.



Werner Heisenberg (1933)

"Wer über die Philosophie Platos meditiert, weiß, dass die Welt durch Bilder bestimmt wird." - Einige Zitate aus den Werken Heisenbergs:
  • "Aber die existierenden wissenschaftlichen Begriffe passen jeweils nur zu einem sehr begrenzten Teil der Wirklichkeit, und der andere Teil, der noch nicht verstanden ist, bleibt unendlich."
  • "Die Energie ist tatsächlich der Stoff, aus dem alle Elementarteilchen, alle Atome und daher überhaupt alle Dinge gemacht sind, und gleichzeitig ist die Energie auch das Bewegende. | Die Energie kann als Ursache für alle Veränderungen in der Welt angesehen werden."
  • "Die Entscheidung mag das Ergebnis der Überlegung sein, aber sie beendet gleichzeitig die Überlegung, sie schließt die Überlegung aus."
  • "Die Naturwissenschaft beschreibt und erklärt die Natur nicht einfach, so wie sie "an sich" ist. Sie ist vielmehr ein Teil des Wechselspiels zwischen der Natur und uns selbst."
  • "Die Quantentheorie ist so ein wunderbares Beispiel dafür, dass man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und gleichzeitig doch weiß, dass man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kann."     
  • "Immer dann, wenn man lebendige Organismen als physikalische oder chemische Systeme betrachtet, müssen sie sich auch wie solche verhalten."   

Siehe auch:


"Verschwundene Jahrhunderte"?

Vortrag von Prof. Dr. Dieter B. Herrmann


Natürlich können in einer linearen Zeitfolge keine Jahrhunderte (oder auch nur ein paar Minuten) verloren gehen (sofern man auf der Erde bleibt und sich nicht mit rasender Geschwindigkeit durchs All bewegt;). Theoretisch denkbar ist aber, dass unsere Chronologie (im Sinne v. 'Jahreszählung') fehlerhaft sein könnte.


Chronologie (=' die Lehre von der Zeit') unterscheidet verschiedene Aspekte:

  • Zeit als physikalisches Phänomen: Zeit (physikalische Größe), Zeitmessung (Chronometrie)
  • allgemeine Chronologie: Jahreszählung (z. B. v. Chr.), Kalendersysteme
  • Datierung: der von Historikern rekonstruierte Geschichtsverlauf, genauer 'Wissenschaft des Lokalisierens von historischen Ereignissen in der Zeit in Archäologie und Geschichte'
  • als Begriff der Alltagssprache: Beschreibung einer Abfolge von Ereignissen in einem speziellen Kontext, Chronologie bestimmter Ereignisse
Der u.a. Vortrag befasst sich zunächst ausführlich mit einer historischen Betrachtung verschiedener Kalendersysteme samt deren Korrektur- und Schaltregeln. Der Zuschauer erfährt einiges über die astronomische Grundlage dieser Systeme, z.B. Lunarkalender, Solarkalender und die Mischform der Lunisolarkalender unterschieden.

Der Vortrag bezieht sich auf eine These des Chronologiekritikers Heribert Illig, laut der 297 Jahre der Geschichtsschreibung im Zeitraum September 614 bis August 911 überhaupt nicht stattgefunden hätten. Illig bezeichnet diese Zeit als "Erfundenes Mittelalter".

Als Element seiner These erklärte Illig, die Persönlichkeit Karl der Große sei eine reine Erfindung, zu Propagandazwecken. Hans-Ulrich Niemitz schloss sich dieser Vorstellung an und benannte den Zeitraum als  Phantomzeit, weil das Fränkische Reich nach Chlodwig I. ein Produkt der Fantasie oder der Täuschung gewesen sei.

Von Geschichtswissenschaftlern und Mediävisten wird diese These als völlig fehlerhaft betrachtet und zurückgewiesen.

"Illigs Thesen zur Chronologiekritik erhielten vornehmlich in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie der Tagespresse mediale Aufmerksamkeit. Von Geschichtswissenschaftlern wurden sie u.a. mit dem Verweis auf methodische Fehler als unwissenschaftlich abgelehnt und als wissenschaftlich widerlegt bezeichnet." (Quelle: Wikipedia)
Prof. Herrmann schließt sich dieser Betrachtungsweise im wesentlichen an und erklärt in seinem Vortrag, weshalb die Jahrhunderte nicht verschwunden seien. Seine Begründung fußt auf astronomischen Ereignissen (Sonnenfinsternisse u.ä.), welche in historischen Quellen datiert und heute verlässlich nachvollziehbar sind.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Harodim oder: Welche Lektionen hat 9/11 uns gelehrt? (2)

(Fortsetzung; Teil 1 findet sich hier).

Was am 11. September 2001 wirklich geschah? 

Ich habe nicht die geringste Ahnung. Sämtliche Bilder, Textquellen und Informationen, aber auch Kommentare und Schlussfolgerungen über 9/11 liegen mir nur aus 3. oder 4. Hand vor. Den offiziellen 9/11 Commission Report habe ich in Bruchteilen zur Kenntnis genommen - ebenso die Argumentation derer, die diesen Bericht in Zweifel ziehen. Auch bin ich weder Physiker noch Statiker, somit fehlt mir jegliches zur 'Wahrheitsfindung' notwendige Grundlagenwissen.


Dennoch: Der von der Bush-Administration gezeichnete Verlauf - 19   fluguntaugliche, z.T. Drogen konsumierende, islamistische Terroristen mit Teppichmessern koordinieren 5 Terroranschläge mit Verkehrsflugzeugen ohne Hilfe/Mitwisser - erscheint mir dennoch bestenfalls unvollständig. 

Der Journalist Lars Schall definiert sogenannte "Tiefen-Ereignisse" - Vorgänge, die tief in illegalen, verdeckten Tätigkeiten von Geheimdiensten verwurzelt sind und mit einem typischen Muster von Vertuschungen und einer erstaunlichen Medienfehlfunktion einhergehen. "Strukturelle Tiefenereignisse" sind durch ihren permanenten Einflusses auf die Geschichte charakterisiert und markieren nicht selten einen radikalen, für die Masse unvorhersehbaren, aber gleichwohl geplanten und gesteuerten Wendepunkt.



Auch fiktionale Filme können der Manipulation dienen

Es fällt auf, dass sich der Film Harodim von Anfang an bedenklicher Stilmittel bedient: Etwa der Schriftzug "Dieser Film ist [keine] Fiktion" - obwohl Harodim eben doch vorwiegend unbewiesene Mutmaßungen thematisiert und diese in ein fiktionales Szenario einbindet. Augenscheinlich sollen die Gedankengänge des Publikums in eine bestimmte Richtung gelenkt werden.

Auf Behauptungen folgen kurze Einblendungen von Bildern/Szenen aus dem realen Weltgeschehen (Hitler und die Nazis dürfen nicht fehlen), welche das Gesagte durch Assoziationen bekräftigen und mit Emotionen verbinden sollen. Solche Querverbindungen steigern zwar den Unterhaltungswert, jedoch können sie gleichfalls der Manipulation dienen - und sind keinesfalls immer leicht zu durchschauen.

Warum erachte ich Harodim dann trotzdem als sehenswert?
Dieser Film bedient die Ängste und widerstreitenden Empfindungen einer stetig wachsenden Anzahl von Menschen. Doch es handelt sich keineswegs um irreale Ängste: Eine 
Dysfunktionalität der politischen Gestaltungskräfte wird vielfach als real empfunden - und kulminieren in dem subjektiv untrüglichen Gefühl, dass mit diesem 'System' etwas nicht stimmt:
  • Illegitimes Handeln westlicher Regierungsapparate - bis hin zu Folterungen, um Geständnisse zu erpressen und dem Töten von Kindern durch Drohnen - ist beinahe alltäglich geworden, gemessen an der öffentlichen Reaktion, nicht am Leid der Opfer. (Vor 9/11 kamen solche Praktiken auch vor, aber sie galten wenigstens noch als 'geächtet'.)
  • Bis heute gelang es der fortschrittlichsten Geheimoperation aller Zeiten nicht, alle Drahtzieher und die ausländischen Geldgeber der Anschläge von 9/11 zu identifizieren und anzuklagen. Liegt dies bloß an Rivalitäten zwischen den Geheimdiensten - oder ist es "nicht gewollt"?
  • Rechtsstaatliche Prinzipien und einst als unveräußerlich geltende Freiheitsrechte werden per Salamitaktik (in kleinen Schritten) zunehmend ausgehöhlt - in manchen Ländern werden Bürgerrechte schrittweise durch eine Art Kriegsrecht abgelöst.
"Wie in Zeiten des Mittelalters können amerikanische Bürger in Kerker geworfen werden und verschwunden bleiben. Keine Beweise oder Anklagen müssen einem Gericht vorgelegt werden. Kein Verfahren ist erforderlich, und keine Verurteilung." (Paul Craig Roberts - "Können die Amerikaner der Täuschung entkommen?") 
  • Innerhalb westlicher Regierungen finden sich nur vereinzelt Stimmen der Vernunft, welche eindringlich auf derart bedenkliche Entwicklungen nach 9/11 hinweisen.
    Zwar finden einzelne Politiker im Ruhestand ehrliche Worte der Kritik...ist es nicht traurig, dass sie erst dann den Mund aufmachen dürfen/wollen?
„Amerika verfügt zur Zeit über keine funktionierende Demokratie.” (Jimmy Carter, ehemaliger US-Präsident) 
  • Die fortgesetzte Geheimhaltung von Untersuchungsergebnissen und Fakten zu den 9/11-Anschlägen irritiert mich persönlich am meisten. Dass Vertrauen der US-Bevölkerung in seine Regierung und die 'Dienste' ist zerrüttet - die nationale Sicherheit ist nicht durch 'Geheimnisse', sondern vor allem dadurch gefährdet, dass Hintergründe und die Umstände, die zu 9/11 führten, weiter im Verborgenen liegen.. 
"Die Aufklärung der Tat des 11.9. wird verbissen blockiert. Die Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses des amerikanischen Congress, Dean und Hamilton, erklären unverblümt, sie seien nach Strich und Faden von der Regierung belogen worden." Andreas v. Bülow auf heise.de (2010)
  • Die Skala von Werten und Prioritäten hat sich im Westen binnen 13 Jahren drastisch verschoben - und das soll eine Handvoll Fanatiker verursacht haben? Osama und seine 19 Handlanger konnten den Auslösemechanismus einer solchen Verschiebung nur bewirken, sofern diese längst beabsichtigt (und vorbereitet?) war.


Suggeriert Harodim die Unwahrheit?
Dass Harodim  auf YT und im Web als "ultimative Wahrheit"angepriesen wird, bestenfalls Teil einer cleveren Vermarktungsstrategie, ansonsten jedoch purer Unsinn. Ein Verdienst (wenn man es so nennen will) von Filmen wie Harodim: sie rücken entscheidende Fragen sogar ins Bewusstsein derer, die nur unterhalten werden wollen :
Wer sind die wirklich 'Bösen' auf der Weltbühne - die "Drahtzieher" - die Nationen, Gruppierungen und Bündnisse gegeneinander ausspielen, ja gegeneinander aufhetzen? Gibt es diese 'Bösen' überhaupt? Was sind deren Motive?
Im Film schon... ist ja klar. In der 'wirklichen' Welt klingt es abstrakt, wenn nicht wie abstruses, düsteres Gefasel von "Jungs um die 30, die noch nie eine Freundin hatten" (Signs;).

Wie abwegig sind solche Fragestellungen tatsächlich? 
  • Gibt es jemanden, der darauf aus ist, "die Macht der Nationalstaaten zu brechen, damit sich eine globale Gesellschaft entwickeln kann"?
  • Wurde hierzu "eine neue Form des Krieges entworfen, die sowohl steuerbar als auch global ist" - der Krieg gegen den Terror?
Wenn solche Puppenspieler existieren, waren sie seit 9/11 überaus erfolgreich: 
  • Seit 2001 werden die Einwohner westlicher Länder zunehmend manipuliert, mit einer Flut nutzloser Informationen eingedeckt (und abgelenkt), zugleich überwacht - und vor vollendete Tatsachen gestellt. Derweil hat Krieg wieder Hochkonjunktur und wird als akzeptables politisches Instrument vermarktet. Lässt die Bereitschaft des Volkes, sich weiter durch Antiterror-Maßnahmen gängeln zu lassen, erkennbar nach, ereignet sich absehbar ein weiterer Anschlag...
  • Das Denken in geopolitischen Kategorien und die scharfe Abgrenzung ideologischer Blöcke nimmt in der Politik wieder mehr Raum ein. Nicht Friedenskonferenzen, - welche nach Verbindendem, Versöhnendem suchen würden - sind angesagt. Sondern die Konturierung, Konfrontation sowie die Sicherung von Einfluss-Sphären.
Ist das nicht zu weit hergeholt? Ein kurzer Szenenwechsel mag für einen Aha-Effekt sorgen:

"Rebuilding Americas Defenses" - das neue amerikanische Jahrhundert

Prof. Samuel Huntington, ("The Clash of Civilizations" / "Kampf der Kulturen", 1996), Sicherheitsberater mehrerer US-Präsidenten, erwartet eine Verlagerung des Konfliktes zwischen Ideologien nationalstaatlicher Bündnisse hin zu einem Konflikt zwischen Zivilisationen. In einer zukünftig multipolaren Geopolitik werde, werde die dominante westliche Zivilisation dabei herausgefordert. Um dieser Herausforderung zu begegnen, fordert Huntington eine Geopolitik der Macht - statt einer Politik der Menschenrechte, angeführt von den Vereinigten Staaten. Er regt zudem die Stärkung der westlichen Identität nach außen und innen an.Kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stellte Huntington vor diesem Hintergrund der Identitätsfestigung fest, die westliche Staatengemeinschaft benötige nun dringend einen neuen Feind. Nach Lage der Dinge könne dies nur die muslimische Welt sein.
Zbigniew Brzezinski spricht sich Anfang der 1990er Jahre für einen Zugriff der USA auf die Bodenschätze des Nahen und Mittleren Ostens aus.  


"Rebuilding Americas Defenses" ist ein 2000 von 'Vordenkern' herausgegebenes Strategiepapier (Volltext als PDF), welche dem "Project for the New American Century" (PNAC, dt. 'Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert') angehörten, eines neokonservativen amerikanischen Thinktanks. Die Thesen der PNAC laufen darauf hinaus, die Regierung der Vereinigten Staaten habe deren technologischen und wirtschaftlichen Überlegenheit einzusetzen, um durch Einsatz aller Mittel - einschließlich militärischer - unangefochtene Überlegenheit zu erreichen. Nur so lasse sich die weltweite Einhaltung von Recht und Gesetz gemäß den von den USA gesetzten Maßstäben ('pax americana') sicherstellen. 

Diese neokonservative Agenda zielt u.a. darauf ab, die amerikanische Hegemonie für Sicherheitszwecke aufrecht zu halten.
Führende Mitglieder der PNAC sind - rückblickend - keine Unbekannten: Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz oder auch Richard Perle. Im o.a. Strategiepapier stellen diese Herren auf Seite 63 fest:

"Further, the process of transformation, even if it brings revolutionary change, is likely to be a long one, absent some catastrophic and catalyzing event – like a new Pearl Harbor."
"Der Prozess der Transformation wird sich wahrscheinlich lang hinziehen, sofern nicht ein katastrophales und beschleunigendes Ereignis ('Katalysator') stattfindet wie etwa ein neues Pearl Harbor."
Diese Aussage von Cheney, Rumsfeld usw. ist keine Fiktion! Sondern zweifelsfrei nachvollziehbar durch etwas Recherche im Web.

Interpretationsversuche sollten die Kirche im Dorf lassen: Eine solche Katastrophe ("ein neues Pearl Harbor") wird in diesem Papier keinesfalls als wünschenswert dargestellt. Aus der o.a. Aussage eine Art 'Ankündigung' der Anschläge vom 9.11. herauslesen zu wollen, ist absurd.


Dieser Einschub soll lediglich aufzeigen, dass bestimmte Netzwerke von den Folgen der Terrorakte mittelbar, im Hinblick auf ihre Interessen und Ziele, profitiert haben: 9/11 lieferte ihnen die die Begründung für kostspielige und radikale Veränderungen in der Innen-und Außenpolitik Amerikas. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Cui bono? - Folge dem Geld (und möglichen Insidern)

Wenn ich die vielen Krisenherde weltweit in ihrer Zuspitzung betrachte, so frage ich mich zwangsläufig: Wer profitiert von Kriegen und Finanzkrisen?
Nun, es profitiert, wer sich das System der Weltwirtschaft zunutze macht und über ein mobiles (kurzfristig umschichtbares) Vermögensportfolio im großen Stil verfügt.
"Informierte Handelsaktivitäten" 
Von den Anschlägen vom 11. September 2001 sollen 'informierte Kreise' mit dem Handel sog. Put-Optionen (vgl. Leerverkauf / Verkauf(Put-)Option)an den Finanzmärkten profitiert haben. Dieser Insider-Handel, stellte der ehemalige Bundesbankchef Ernst Weltke fest, hätte "ohne ein bestimmtes Wissen nicht geplant und ausgeführt werden können."
"Put-Optionen sind, wenn sie spekulativ eingesetzt werden, grundsätzlich Wetten darauf, dass Aktienpreise abrupt fallen werden. Der Käufer, der mit einem Verkäufer einen Zeit-spezifischen Vertrag eingeht, muss die Aktien zum Zeitpunkt, da der Vertrag erworben wird, nicht besitzen. (...) 
Diese riskanten Spielereien mit Short-Optionen sind ein sicheres Zeichen für Investoren, die wussten, dass in ein paar Tagen etwas geschehen würde, das die Marktpreise dieser Aktien [von stark betroffen Branchen wie Fluggesellschaften und Versicherungen] drastisch senken würde." (Vgl. "Insiderhandel 9/11 ungelöst", Lars Schall)
Da "unwiderlegbare Beweise für Insider-Handel" erbracht wurden, sollte diese Spur (das abnorm gestiegene Handelsvolumen mit solchen Optionen vor und nach den Anschlägen) nicht zu den Tätern oder zumindest Mitwissern führen?
Allgemein stellen Nutznießer des zyklischen Verlaufs der Weltwirtschaft, organisiert in informellen Netzwerken, ihren Vermögenszuwachs, eigene Macht und persönliche Ideale über das Wohl aller Menschen - sie haben null Interesse daran, dass sich an diesem zyklischen Verlauf etwas ändert. Ist dies eine Verschwörung - oder die Konvergenz von Motiven?
Des weiteren stellt sich natürlich die Frage nach einem politischen Nutzen:

"Stellt man die Frage nach dem Cui Bono, wem nutzt ein solcher Terrorakt, dann ergibt sich die Antwort von selbst. Er schadet der muslimischen Welt, er nutzt denen, die ihre Interventionskriege damit zu rechtfertigen versuchen." Andreas v. Bülow auf heise.de (2010)
Allerdings halte ich die meisten Mutmaßungen von Bülow's und anderer 9/11-Skeptiker über den tatsächlichen Hintergrund der Anschläge ("kontrollierte Sprengungen") für wenig realistisch - schlicht aus einem Grund: viele dieser Konstrukte sind viel zu kompliziert und erfordern zu viele Mitwisser, beides impliziert unkalkulierbare Risiken. Lesenswert sind Artikel von Lars Schall (z.B. "Luftabwehr und Militärkriegsspiele"), in denen der Autor das viermalige 'Versagen' der amerikanischen Luftabwehr am 11.September 2001 anhand bekannter Fakten und Aussagen analysiert: Bis jetzt wurde nicht glaubwürdig dargelegt, weshalb keines der vier entführten Flugzeuge abgefangen wurde. Auch das systematische Zurückhalten von Ermittlungsergebnissen durch eine CIA-Abteilung ("Alec Station") in Bezug auf Verdächtige mit islamistischem Hintergrund nährt den Eindruck, 'man habe die Anschläge wissentlich geschehen lassen'.

Mich hat zudem überrascht, dass R.Cheney als Schlüsselfigur der Ereignisse bis heute nicht einmal unter Eid befragt wurde - obwohl der
 Vizepräsident mehrere Entscheidungen traf, die lt. dem von L.Schall zitierten Paul D. Schreyer außerhalb seiner rechtlichen Befugnisse lagen: Cheney war nicht Teil der National Command Authority, welcher die oberste Leitung des US-Militärs anvertraut ist.



Wir sollten uns vor mehreren nahe liegenden Irrtümern hüten:
  • Wir sollten nicht den Fehler wiederholen, eine formelle Gruppe (im Film die Freimaurer) zum Schuldigen für eine zyklische Wirtschaftsordnung zu machen, in der dramatische Krisen und Kriege als Korrektiv ('Reset') alle 60-80 Jahre unausweichlich sind. Die Suche nach Sündenböcken fördert das alte Machterhaltungsprinzip "Teile und herrsche"!
  • Die vorschnelle Verwendung des Begriffs "Verschwörungstheoretiker" kommt einer Keule gleich, um eine konkrete inhaltliche Debatte über heikle Aspekte zu vermeiden. 
  • Nach Möglichkeit sollten wir uns einen distanzierten Blick dafür bewahren, wer auf das populäre Trittbrett berechtigter Skepsis aufspringt und dabei eigene Ziele politischer und ideologischer Natur verfolgt.
    Unter das Label der "9/11-Wahrheitsbewegung" schlüpfen längst auch Ideologen, denen an Allem gelegen ist,
     außer Objektivität und ehrlicher Aufklärung. In Deutschland versuchen insbesondere Strategen aus dem braunen Sumpf, die Kritik an Eliten für ihre Zwecke zu vereinnahmen. 
  • Die unbedarfte Haltung "Im Internet erfahre ich, wie mich die Mainstream-Presse anlügt" halte ich für ambivalent bis gefährlich: In der 'normalen' Presse wird nicht nur gelogen und im Netz wird nicht immer die Wahrheit gesagt!
    Auch die Welt der Medien besteht nicht aus Schwarz und Weiß, sondern aus einer gewaltigen Komplexität in unterschiedlichsten Graustufen. 

Literaturhinweise:

Letzte Bearbeitung: 29.1.2015

Dienstag, 17. Juni 2014

Harodim oder: Ist Krieg die einzige Konstante in unserer Geschichte? (1)

Zeichnen wir Menschen uns als einzige irdische Spezies letztlich dadurch aus, dass wir selbst schädigen, sogar vernichten können kann und dies bereitwillig unter Beweis stellen?

Ist Krieg der 'Vater aller Dinge' ... oder ein unausweichlicher Mechanismus in einer Art Evolution 2.0 (die ursprünglichen Selektionsmechanismen hat der Mensch für sich weitgehend außer Kraft gesetzt, z.B. durch die Medizin), bei der wiederum die "Starken" überleben, während die "Schwachen" ausgemerzt werden??

Um zu erahnen, was heute in der Welt los ist, bieten die Ereignisse vom 9.September 2001 einen ergiebigen Ausgangspunkt.

Der Thriller "Harodim – Nichts als die Wahrheit?" (2012) wendet sich u.a. der Frage zu, was die Menschheit vorantreibt.. Eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes findet sich hier; m.E. lohnt es sich, den gut 90-minütigen Streifen selbst anzuschauen und sich eine eigene Meinung zu bilden.





Vorweg: Harodim zog viel Kritik auf sich. Im Lexikon des Internationalen Films heißt es beispielsweise:

„Als Kammerspiel inszenierter Politthriller, der die klaustrophobische Verhörsituation durch die Einblendung von Nachrichtenbildern erweitert. Die neuen "Erkenntnisse" verharren im vorhersehbaren Rahmen gängiger Verschwörungstheorien.“
Worauf ist der Terminus "Verschwörungstheorie" anwendbar? Wohl nur auf ein bloßes Hirngespinst handelt, das jeder realen Grundlage entbehrt.
Von dieser Einordnung wird mitunter leichtfertig und voreilig Gebrauch gemacht - nämlich stets dann, wenn eine Behauptung/Vermutung so ungeheuerlich erscheint und im Widerspruch zum eigenen Weltbild steht...und der Mehrheit zunächst die emotionale Kraft fehlt, sich den überaus beunruhigenden Fakten zu stellen. (Als Beispiel ließe sich hier der Umgang vieler Deutscher anführen, die lange außerstande waren, die Verbrechen der eignen Nazi-Regierung als Realität (an)zuerkennen.)

Harodim gibt keine Antworten - dieser Film zeichnet ein Szenario, welches sich im Laufe der Handlung (die ausschließlich aus Dialogen besteht) zunehmend im Nebel der Spekulation verliert. Zugleich greift der Film aber auch unangenehme Fragen auf, deren Antwort wir nicht kennen. 


Der Film Harodim spannt einen langen Bogen von 9/11 über die Anti-Terror-Gesetze (und die aus ihnen hervorgehende Beschneidung von Grund- und Freiheitsrechten in vielen Ländern der Welt) bis hin zu dem vorgeblichen Ziel eines weltweit agierenden Geheimbundes, die Menschheit auf 500 Millionen Individuen zu reduzieren (vgl. Georgia Guidestones).

Hm, haben wir das nicht schon gelesen? Ja, aber nicht so.


Ohne Feind kein Geld für den Krieg 

Ein zentraler Leitgedanke des Films: Durch den plötzlichen Zusammenbruch der UdSSR hatte der militärisch-industrielle Komplex in Ländern des Westens kein Feindbild mehr, welches Ausgaben für nationale Sicherheit in Höhe der bisherigen Verteidigungs- und Geheimdiensthaushalte weiterhin gerechtfertigt hätte. Deshalb musste ein neuer Feind gefunden (oder "erfunden") werden. Der erste den man fand, war Saddam Hussein. Er sei zu einem Angriff auf seinen Nachbarn verleitet worden - es kam zum ersten Golfkrieg.

Doch der Irak reichte auf Dauer nicht als Bedrohungsszenario aus, jedenfalls nicht durchgehend. Vielmehr habe internationaler Terrorismus "unbegrenzte Möglichkeiten" eröffnet - um wieder höhere Ausgaben für Rüstung und Überwachung zu rechtfertigen...bis hin zur Kontrolle der Medien und dem Aussetzen von Bürgerrechten.


Al Quaida, von westlichen Geheimdiensten um 1988 'erschaffen' zur Bekämpfung des Ostblocks, wurde nun für ein neues Ziel in Stellung gebracht - die Ausweitung und Eskalation des internationalen Terrorismus. Praktischerweise hatte 'man' dadurch auch einen Sündenbock, der sich der Öffentlichkeit präsentieren ließ - ein 'konstruierter Feind'. Den Hass militanter Islamisten nun gegen den 'dekadenten Westen' noch zu schüren und zu lenken erwies sich als nicht weiter schwer. Daran, dass es sich bei Al Qaida und ähnlichen Mörderbanden um menschenverachtende Verbrecher handelt, rüttelt dieser Film keineswegs.


Doch das habe noch nicht gereicht. Schon der Anschlag auf das WTC 1993 sei von 'anderer Seite' initiiert worden, aber allein den islamistischen Terrorgruppen in die Schuhe geschoben worden. Zunehmend sei Al Qaida für etwas anderes, Größeres, Böseres instrumentalisiert und mit Geldern ausgestattet worden.


Spätestens ab hier vermag ich diesem anfänglich noch plausiblen Gedankengang nicht mehr zu folgen. Denn dieser gipfelt in einem über viele Jahrzehnte installierten und befolgten 'geheimen Drehbuch', namentlich der "Neuen Weltordnung". Urheber dieses 'Drehbuches': eine internationale Geheimgesellschaft, die weltweit die Macht übernehmen wolle. Hierzu habe sie die Weltfinanz bereits in der Hand und die Spitze der US-Regierung infiltriert. (Das ist wohl der Punkt, an dem die Kritik festgemacht wird, der Film bediene antisemitische Vorurteile.)


Existieren Beweise?


Auch im Film wird nun die Frage nach Beweisen aufgeworfen - und eben hier liegt die Schwachstelle: Plausible Geschichten sind "nett" und vermögen durchaus zu fesseln. Doch ohne Beweis, ohne evidence verkommen sie in der realen Welt zur Verschwörungstheorie - unabhängig von ihrem möglichen Wahrheitsgehalt.


"Es gibt Unterlagen, die jeder überprüfen kann." 
Welche Unterlagen, Hinweise etc. existieren?
  • Das Manöver "Northern Vigilance" - beinhaltete die Verlagerung der Mehrzahl (?) aller US-Abfangjäger nach Alaska und Kanada ab dem 9.September 2001, also 2 Tage vor den Anschlägen. Resultierend sei die gesamte Ostküste der Vereinigten Staaten am Vormittag des 11.September nurmehr von sechs F16-Jägern verteidigt worden.
Snapshot aus dem Film "Harodim": das
vermeintlich vertrauliche Übungsszenario

Soweit nachvollziehbar, fand ein solches Übungsszenario statt. (Vgl. hierzu "Die Wargames des 11. September" v. 12.6.2004 auf heise.de).
Das zufällige(?) Zusammentreffen solcher Ereignisse lässt auch einen unbefangenen Beobachter stutzen, es erscheint unwahrscheinlich. Andererseits: Warum sollte das US-Militär eine solche Übung durchführen, wenn es von den 'echten' 9/11 -Anschlägen vorher gewusst hat? 
  • Auch die vom US-Vizepräsidenten R. Cheyney als Reaktion auf die Anschläge verhängte Flugsperre wird als "Beweisgrund" für die o.a. Weltverschwörung angeführt - konkret: diese Order habe verschleiern sollen, dass keine Verkehrsflugzeuge, sondern ferngesteuerte Militärmaschinen mit den WTC-Türmen kollidiert seien. Was mit den echten Verkehrsflugzeugen und ihren Passagieren geschehen sei, "werden wir wohl nie erfahren".
    "Das wäre beim heutigen Stand der Technik durchaus im Bereich des Möglichen", so lautet im Film die Antwort auf den Einwand, derartige Mutmaßungen seien doch sehr weit hergeholt. 
So geht es gut zwanzig Minuten weiter. Der Zuschauer wird mit Fragen konfrontiert, die sich im Zusammenhang mit 9/11 tatsächlich stellen und bis heute nicht abschließend beantwortet sind (die nachfolgenden Beispiele kratzen nur an der Oberfläche):
  • Warum ist vor und nach den Anschlägen niemals ein Gebäude aus Stahlbeton infolge eines Feuers bzw. der Kollision eines Flugzeuges komplett eingestürzt? 
  • Warum waren die Untersuchungen zum Einsturz des nicht von einem Flugzeug getroffenen WTC VII - Gebäudes (ein Hochhaus mit 49 Stockwerken) völlig unzureichend? Weltweit vertreten Fachleute, darunter eine Gruppe von 1900 Architekten und Ingenieuren, die gut begründete Auffassung, 'herabstützende Trümmer und Gebäudeteile' (infolge des Einsturzes der beiden WTC-Towers). Wer schon mal die Sprengung eines Hochhauses beobachtet hat, der kann sich der visuellen Parallelen beim Kollaps von WTC VII nicht erwehren: Der gewaltige Betonbau geht "in Fallgeschwindigkeit, symmetrisch und senkrecht" zu Boden. Dieser Eindruck wird von Fachleuten für controlled demolition geteilt.
    Es ist bekannt, dass der Eigentümer des Gebäudes (L.Silverstein) mit der New Yorker Feuerwehr darüber sprach, ob eine kontrollierte Sprengung des beschädigten Gebäudes nicht zweckmäßig wäre. Nur: auch hier hätte man für die Vorbereitung einer Sprengung viele Wochen im Vorfeld der Anschläge benötigt.


Hier auch die gegenteilige Argumentation: 'keine Sprengung von WTC 7, sondern Schwächung des Gebäudes in Verbindung mit baulichen Besonderheiten':




  • Warum bleiben "hunderte dokumentierte Zeugenaussagen" in der offiziellen Darstellung unberücksichtigt (zB in Bezug auf Explosionen im Untergeschoss B2 eines der Türme, bevor ein Flugzeug mit ihnen kollidierte)? Viele dieser Zeugen seien durch die Untersuchungskommission nicht einmal angehört worden. Als Beispiel wird der Hausmeister des Nordturms genannt - William Rodriguez hat 20 Jahre im WTC gearbeitet; am 11.Septemer öffnete er mit seinem Generalschlüssel die Türen zum Treppenhaus öffnete und rettete so hunderte Leben. Als der zu Recht als Held gefeierte Rodiguez später an die Medien herantrat und seine Sicht ("kontrollierte Sprengung") schildern wollte, wurde seine Zeugenaussage ignoriert und erschien nicht im Bericht.
  • Weshalb wurden nur unzureichende, unkoordinierte Abwehr- und Verteidigungsmaßnahmen durch den modernsten Militärapparat der Welt ergriffen - nachdem feststand "America is under attack"? Sind Erklärungsversuche wie Inkompetenz, Vertretungsregelungen (zB im NMCC) oder "heillose Verwirrung" plausibel?
  • Stimmt es, dass  dass die Vereinigten Staaten in der Zeit vom Zusammenbruch der UdSSR bis zum 11.September 2001 "enge Beziehungen" zu Bin Laden und den Taliban unterhalten hätten (vgl. Aussage der ehemaligen FBI-Übersetzerin Sibel Edmond)?
    Weshalb durften ausgerechnet Angehörige der Bin Laden Group die USA mit dem Flugzeug verlassen - als eine strikte Flugsperre bestand und die Ermittlungen erst angelaufen waren?
  • Wurden tatsächlich Spuren von Thermit (genauer Nanothermit, d.i. ein  Spezialsprengstoff) in den Trümmern aller drei eingestürzten Gebäude (WTC I, II und VII) nachgewiesen? Allein dieser Frage nach einem vermuteten "kontrollierten Abriss" der drei WTC-Gebäude widmen sich etliche Internetseiten und Blogs bis heute, z.B. hier.
    Für eine Sprengung wären wochenlange Vorbereitungen unerlässlich gewesen...
  • Oassen gefundene Wrackteile der Flugzeuge der dargestellten Hergangsversion der 9/11 Commission?
  • Was geschah mit Goldreserven im Wert von 165 bis 200 Millarden (?) US-Dollar, das sich in Kellertresoren des WTC hat und von denen später nur 0,1 Prozent (im Wert von etwa 200 Millionen Dollar) gefunden werden konnten? Nach heutigem Stand weiß niemand, wieviel Gold sich physisch im WTC befand. (Hier ein Überblick, aber diese durchaus bedeutsame Frage scheint für Mainstream-Medien keine Relevanz zu besitzen, denn sie greifen sie kaum auf.)
Im Fokus steht ein entscheidender Aspekt:
Gibt es einen/mehrere Aspekte, der/die nicht mit der offiziellen Darstellung erklärt
werden kann/können? Die Antwort herauf muss nach meinem Dafürhalten mit Ja beantwortet werden. Konsequenz: 
  1. Die Identifizierung der Attentäter (und Hintermänner) sowie Schuldzuweisung zulasten der 19 namentlich benannten Terroristen beruht auf einer bis heute lückenhaften Kette von Ermittlungsergebnissen.
  2. Die Die Ermittlung von Tathergang und Drahtziehern ist de facto faktisch nicht abgeschlossen - ein Umstand, den Harodim unterschlägt, wenn im Film scheinbar "Beweise" für eine Verschwörung vorgelegt werden.
  3. Diese und weitere unbeantwortete Fragen stellen Indikatoren dar - und zwar allein dafür, dass es endlich eine unabhängige Untersuchung der 9/11 - Ereignisse geben sollte.
Die Bush-Administration lehnte solche Forderungen nach einer 'weiteren' Untersuchung stets ab - mit der Begründung, man habe doch bereits eine unabhängige Kommission installiert und deren Report (Volltext als PDF) veröffentlicht. Anfänglich ausgerechnet mit Henry Kissinger als deren Leiter...ja nee, ist klar. 

Thomas Kean, der spätere Leiter der Kommission, hat sich wiederholt öffentlich beschwert, die Untersuchung werde behindert: Mitgliedern dieser Kommission wurde keine umfassende Akteneinsicht gewährt - schon damit hat sich das Attribut 'unabhängig' erledigt.
Die Tatsachenbehauptung einer Falseflag-Operation (d.h. einer Inszenierung bzw. Ermöglichung der Anschläge durch andere Urheber als Al Qaida) ist meiner Auffassung nach so lange unzulässig, bis die nach wie vor unbeantworteten Fragen zum 11.September zweifelsfrei geklärt sind, d.h. bis zum Abschluss einer solchen unabhängigen Untersuchung.

Unterstellen wir für einen Moment, die Anschläge von 9/11 seien tatsächlich nicht (allein) von Al Quaida zu verantworten - wäre dies etwa ein Indiz für eine weltumspannende Verschwörung? Im Film betreiben "Banker und ihre Drahtzieher" - zu denen wohl die Freimaurer zählen sollen ("biblische Symbole und Archetypen" wie z.B. die Zahl 33, 'das Auge' und die Pyramide...das lasse ich mal so stehen, obwohl ich diese Symbole nicht als biblisch identifizieren kann) - eine derartige Verschwörung seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten. In diesem 'Drehbuch hätten die Anschläge vom 11. September u.a. dazu gedient, sich der riesigen Goldreserven (s.o.) im WTC zu bemächtigen.

Und wozu das alles? Worin sollte der eigentliche Zweck dieser Verschwörung bestehen, für die ein nie endender Krieg gegen den Terror nur ein Meilenstein ihres Jahrhundertprojektes ist? 
"Wenn sich die Weltbevölkerung nicht um 80 Prozent verringert, ist eine lebenswerte Zukunft für die Menschheit nicht möglich."
Diese Zielsetzung ist nicht völlig aus der Luft gegriffen - die Georgia Guidestones haben einen Urheber und waren zudem auch noch ziemlich teuer. Eine der zehn Inschriften auf ihnen lautet: "Halte die Menschheit unter 500 Millionen (und) in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur". Kaum verwunderlich ist, dass dieses Monument bei NWO-Gegnern auf große Resonanz stößt.

Im Film Harodim werden sogar (un-)denkbare Wege angedeutet, wie dieses Ziel zu erreichen wäre - sie alle laufen auf Massenmord in schwer vorstellbarem Ausmaß hinaus.


Sonntag, 15. Juni 2014

Militanter Islamismus breitet sich aus - ein unlösbares Problem?

Vorab: ich bin diese Typen sowas von leid. Sie missbrauchen eine Religion mit fadenscheinigen Auslegungen für ihre eigene, pervertierte Ideologie - welche sogar die Ermordung von Jugendlichen rechtfertigt. Warum? Weil zB ein Mädchen eine Schule im Westen besucht und Kritik an den pakistanischen Taliban geübt hat.

Doch blindwütiger Hass geht auch von anderen Akteuren aus: Nach einer mehrmonatigen 'Pause' setzt das US-Militär nun wieder bewaffnete Drohnen in Waziristan ein - und nimmt den Tod von Unschuldigen wissend in Kauf. Auch hier gehören Kinder und Jugendliche zu den kollateralen Opfern.


Beide Formen von Gewalthandlungen sind in meinen Augen zutiefst verabscheuungswürdig - ich bin nicht imstande, angesichts unterschiedlicher Motive die Tötung von Zivilisten in dem einen Fall abzulehnen und im anderen Fall gutzuheißen oder als notwendige Folge von etwas aufzufassen, das sich als 'war on terror' längst zu einer zynischen Todesmaschinerie verselbständigt hat.

  • Siehe auch "Mit Kindergesichtern gegen Drohnenangriffe": Künstler haben auf Feldern in Pakistan riesige Plakate mit Kindergesichtern ausgelegt. Folglich blicken US-Soldaten künftig in Kinderaugen, wenn sie Drohnenangriffe planen. Dass Drohnenopfer von einigen US-Soldaten auch "Bug Splat" (englische Bezeichnung für den Fleck, den ein Insekt hinterlässt, wenn es zerquetscht wird) genannt werden, ist entsetzlich - und zeigt, wie entmenschlicht diese Form des Töten aus der Ferne ist.
Der Fokus der Weltöffentlichkeit richtet sich in diesen Tagen auf die militante Islamisten-Organisation ISIS, welche sich mit zehntausend und mehr Kriegern im Irak formiert hat und nach ersten Eroberungen jetzt auf Bagdad marschiert.

Der durchschnittliche TV-Zuschauer im Westen (schaltet bei dem Thema mangels Interesse gleich auf einen anderen Kanal oder) reibt sich die Augen: Woher haben die so viele gut ausgerüstete Kämpfer? Wo kommen die alle her...waren sie vorher unauffindbar? Und wieso gelingt es 10.000 Fanatikern, eine ganze Armee in die Flucht zu jagen?

Zwei Fragen sind hierbei entscheidend: Wie entsteht (einmal mehr) so viel Hass? Und worauf gründet sich die augenscheinliche Überlegenheit dieser mordenden Banden?

Hinsichtlich der Frage nach den Motiven der ISIS und ähnlichen Vereinigungen gewalttätiger Islamisten bin ich eingangs auf die Drohnenopfer eingegangen. Natürlich sind die Auswüchse des Anti-Terrorkriegs nur eine Facette einer unüberschaubaren Kausalkette von Gewalt, politischen Fehlern, nationalistischer Ignoranz und religöser Verbohrtheit auf etlichen Seiten. 
Der Drohnenterror zeigt aber erschreckend anschaulich, wie die Zauberlehrlinge innerhalb einer blindwütig um sich schlagenden Supermacht (zu den Amtszeiten von George W. Bush...heute läuft es "smart" ab) die Geister nicht mehr loswird, die sie selbst ins Leben gerufen hat. Der einhergehende Zynismus, mit dem Unschuldige zu Opfern gemacht werden und wurden, hat für eines gesorgt: Die Rekrutierungsbemühungen des islamistischen Terrors sind auf Jahre hinweg überaus erfolgreich - in den betroffenen Ländern, aber in geringem Umfang auch in Mitteleuropa.

Bürgerkriegsparteien in Syrien wurden auch vom Westen mit militärischer Ausrüstung versorgt - heute zählen sie zu den ISIS-Kämpfern. Wie kurzsichtig musste man sein, um genau dies nicht vorherzusehen?!

Das "selbstbewusste neue Deutschland" - zu ängstlich, die Ursachen dieses Chaos zu benennen?

Außenminister Steinmeier äußert sich am Freitag (13.6.14) besorgt über den Vormarsch der ISIS-Terroristen im Irak. Doch auch er verschließt die Augen vor der eigentlichen Kausalität, welche derart großangelegte Operationen erst ermöglicht hat:
Es komme jetzt darauf an, dass das Voranschreiten der Isis im Irak gestoppt werde. Steinmeier wurde auch gefragt, ob er den USA und Großbritannien eine Mitschuld an der Situation im Irak gebe
 "Es ist nicht unsere Aufgabe, Schuldige zu suchen, sondern Lösungen", antwortet er. 
Arrrgh...ist das noch Diplomatie, falsch verstandene Bündnistreue - oder schon Feigheit? Neuerdings fordern Gauck, UvdL u.a. mehr weltpolitisches Gewicht für das selbstbewusste, ach so starke Deutschland.
Hier ließ man eine gute Gelegenheit verstreichen, wirkliches Selbstbewusstsein zu zeigen und in zweckdienlicher Weise Gebrauch von der deutschen Gewichtigkeit zu machen - wenn sie denn besteht. 

Niemand verlangt von Steinmeier, auf die einstigen Eroberer des Irak einzudreschen - sie sind nicht der eigentliche Gegner (das sind, auch für mich, die islamistischen Mörderbanden). Doch er hätte die Fakten benennen müssen, welche ursächlich für die gegenwärtige Misere sind - nur auf Grundlage der sachlichen Analyse von Kausalfaktoren lassen sich tragfähige Lösungen erarbeiten.


Es gibt sie durchaus, die vorsichtig-skeptischen Stimmen: so sagte sich Philipp Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, zu  SPON:

"Es war ein Fehler, keine Strategie zu haben für die Zeit nach dem Sturz von Saddam Hussein."
 Das war aber doch nicht der einzige Fehler, Herr Mißfelder! Dieser ganze Angriffskrieg gegen den Irak war ein schwerer Fehler - und ein weiterer Fehler war es, dann aus Kostengründen afap die Zelte abzubrechen und ein heilloses Chaos zu hinterlassen! (So kann Herr Mißfelder das freilich nicht sagen, denn die gestrenge Mutti seiner Partei war damals uneingeschränkt für den Irakkrieg...vgl. Merkels Rede vor dem Bundestag, 2002).

Entschiedenere Worte findet SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich:

"Die Folgen der von der Bush-Regierung initiierten Intervention sind offenkundig, aber sie ist nicht allein verantwortlich. Die ungehinderten Zufuhren von Waffen und Kämpfern nach Syrien tragen ebenso dazu bei wie die kompromisslose Regierung von Premier Nuri al-Maliki."  
Das trifft so im wesentlichen zu, auch wenn das Machtvakuum im Irak erst durch Bush's Rache- und Ressourcenfeldzug ermöglicht wurde. (Warum in diesem Kontext auch gerne auf Tony Blair verwiesen wird, verstehe ich nur bedingt: Ein Pudel macht, was Herrchen sagt. Dass ausgerechnet Blair nun auftrumpft und allein der irakischen Regierung den Schwarzen Peter zuschiebt, ist ein Unding.)

SPON stellt abschließend auch fest, das Schreckensszenario im Irak werde womöglich noch zum "Umdenken am Hindukusch" zwingen - mit Bezug auf den bis 2016 geplanten Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan.


Der Zerfall der irakischen Armee




Der Islamische Staat im Irak und der Levante abgekürzt ISIS bzw. ISIL, in den Medien auch als Islamischer Staat im Irak und in Syrien bezeichnet, ist eine dschihadistisch-salafistische Organisation. Sie hat ihren Ursprung im irakischen Widerstand und bekannte sich früh zu al-Qaida. Seit Mitte 2013 sind ISIS und al-Qaida zerstritten. Im Irak tötete ISIS durch Anschläge über 6000 Menschen. Die Organisation kämpft im Syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung von Präsident Assad, aber auch gegen die Freie Syrische Armee (FAS) und die kurdische Minderheit im Norden des Landes. Seit Mai 2010 ist Abu Bakr al-Baghdadi ihr Anführer. (vgl. Wikipedia)
Ziel der Terrortruppe ist ein sunnitischer Gottesstaat vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf. 


Der Irak und die Länder der Levante (in heutigen Grenzen)

ISIS/ISIL bekämpft vorrangig die Schiiten, wegen deren Abkehr von der "wahren" sunnitischen Lehre des Islam Im Irak fühlen sich viele Sunniten seit Jahren von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert. Isis brachte mehrere Städte unter ihre Kontrolle und will nun Bagdad umzingeln und in die Stadt einmarschieren.

In Mossul haben 30.000 Soldaten der irakischen Armee vor 800 Kämpfern der Isis kapituliert. Ein desertierter Soldat schildert das pervertierte Vorgehensschema der Terroristen:
"Sie hacken dir die Hand ab, wenn du rauchst, oder falsch betest, sie töten dich, wenn du einen falschen Bart hast, und sie vergewaltigen Frauen", sagt er. "Sie wollen die Scharia."
Das ist keineswegs der einzige Grund für Sunniten, zu desertieren: Der irakische Präsident al-Maliki, von seinen schiitischen Glaubensbrüdern ins Amt gehieft, hat für Kurden und Sunniten wenig übrig. Ihm werden religiöse Unterdrückung, Diskriminierung der sunnitischen Bevölkerungsteile, Korruption und schlichtweg Inkompetenz angelastet.

Desweiteren habe eine Verschwörung zwischen der Polizei, dem Bürgermeister in Mossul und Armee-Generälen in Bagdad - mit dem Ziel, der ISIS die Machtübernahme zu ermöglichen. Es hat den Anschein, dass Ex-Bahtisten ("alte Kräfte von Saddam") den Sturz des schiitischen Präsidenten Maliki herbeiführen und so die alte Macht der Sunniten wiederherstellen wollen.(Quelle: SPON vom 15.06.2014)


Trifft dies zu, dann ist das Vorhaben der USA - dem Irak als Nebeneffekt des Krieges die Demokratie 'zu bringen' - als gescheitert zu betrachten: unter der Oberfläche blieben die alten Seilschaften, Denkweisen und Feindschaften bestehen. Kenner der Region sagten dies bereits vor 11 Jahren voraus.


Zerfall staatlicher Ordnung als Nährboden für Terroristen:
Irak, Syrien und auch der Libanon sind bedroht...


Nach der Eroberung irakischer Städte steht auch die syrische Provinzhauptstadt Deir al Zour vor der Einnahme durch ISIS-Terroristen, berichtete die FAZ am 12.Juni. Mit Bulldozern hätten die Terroristen bisherige Grenzanlagen beseitigt - und so gezeigt, dass für sie "die imperialistische Ära, in der sich die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich Irak und Syrien unter den Nagel rissen", erst jetzt zu Ende gehe.

Das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 war eine geheime Übereinkunft zwischen den Regierungen Großbritanniens und Frankreichs, durch die deren koloniale Interessensgebiete im Nahen Osten nach der Zerschlagung des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg festgelegt wurden.

Das von der ISIS angestrebte Kalifat soll an den Ufern von Euphrat und Tigris bis hin zum Mittelmeer errichtet werden: Nicht nur der Irak und das syrische Grenzgebiet zur Türkei sind im Visier der Mörderbanden, sondern auch der Libanon, insbesondere die Hafenstadt Tripolis. Auch dort schreitet der Zerfall staatlicher Ordnung voran - der Libanon hat seit Mai keinen Präsidenten. Das Machtvakuum, im Irak und Syrien "zum prägenden Merkmal des dysfunktionalen politischen Systems geworden", bildet den optimalen Nährboden für die menschenverachtetende Vision von Terrorvereinigungen, die sich im Besitz moderner Waffen befinden.


Analyse von FAZ-Autor Markus Bickel:

"Drei Jahre nach Beginn der Revolution gegen Malikis Verbündeten Assad rächt sich, dass der Westen dessen Gegner nie ausreichend unterstützte."
Bickel unterscheidet demnach zwischen der "moderaten" Freien Syrischen Armee (FSA) auf der einen Seite und den radikalen ISIS-Terroristen sowie der Al-Nusra-Front auf der anderen. Letztere seien erst durch die Hinhaltetaktik des Westen zu den stärksten Milizen in Syrien herangewachsen – und kontrollierten nun weite Teile des Landes.

Ist das die Lösung - dass der Westen seine Stellvertreterkriege im Nahen Osten austrägt, ja nach Opportunität mal diese, mal jene Miliz mit Waffen versorgt und glaubt, die Fäden zugunsten eigener Interessen ziehen zu können? 

Eben diese Denkweise halte ich für den Kardinalfehler überhaupt, welcher seit 1979 oft wiederholt wurde.
Abgesehen davon weiß auch Herr Bickel: das Assad-Regime ist einer der wichtigsten Verbündeten Russlands, das sich mit Waffenlieferungen in Krisengebiete auch nicht zurückhält.

Dennoch zitiert er Robert Ford, den zurückgetretenen US-Botschafter in Damaskus, mit der Forderung:

"Granatwerfer, Raketen und Boden-Luft-Raketen für die Rebellen. Damit könnten die Revolutionäre der ersten Stunde die Versorgung von Assads Truppen aus der Luft ebenso stoppen wie den Vormarsch der Isis-Terroristen."
Und nebenbei würde der Westen damit einen weiteren Konflikt mit Russland verschärfen. Reicht das Chaos in der Ukraine nicht, wo noch im Mai 400 Söldner der amerikanischen Söldnerfima academi mitmischten und die Auseinandersetzung anheizten?

Abgesehen davon, zeichnet sich ein ähnliches Dilemma - die Rückkehr der geduldig abwartenden alten Kräfte - nicht auch für Afghanistan ab? 




Unlösbare Konflikte?


Wenn die US-Regierung nun zögert, erneut im Irak militärisch zu intervenieren, hat dies wenig mit einem Lerneffekt zu tun: Man fürchtet in Washington schlicht, die Lage nicht zeitnah in den Griff zu bekommen. 

Ich tue nicht so, als wisse ich eine Patentlösung gegen den sich ausbreitenden islamistischen Terror. Sicher ist nur: Jedes "Weiter so" ist falsch - die bisherige Politik zur Generierung moderner Kolonialstaaten und Abhängigkeiten sowie des Exportes westlicher Werte darf nicht fortgesetzt werden:

Demokratieverständnis und westliche Werte lassen sich nicht mit Zwang und Arroganz in Kulturkreisen etablieren, die seit Jahrhunderten in völlig anderen Kategorien denken und leben. Diese Selbstüberhebung westlicher Staaten und Bündnisse erachte ich als eine der wesentlichen Ursachen für die großflächige Dezentralisierung und Erstarkung islamistischer Terrorgruppen. Dies gilt analog auch für Russland, China, den Iran, und alle übrigen Hegemonialmächte.-

Einen Ansatz, der in die notwendige Richtung weist, glaube indessen ich zu kennen - denn er hat früher schon funktioniert: Meines Erachtens führt nichts vorbei an einer Durchführung mulitilateraler Konferenzen nach dem Vorbild der KSZE. Dies ist ein langer, mühsamer Weg...Rückschläge sind vorgezeichnet...doch diesem Konferenzformat (und der Weitsicht von damals verantwortlichen Politikern) ist es zu danken, dass meine Generation den Kalten Krieg überlebt hat.

Zu wuchtig, zu groß, zu viele Parteien? Als die KSZE 1973 in Helsinki eröffnet wurde, nahmen an der Konferenz nehmen 7 Staaten des Warschauer Paktes, 13 neutrale Länder und die 15 NATO-Staaten teil. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Parteien, sondern der ernsthafte Wille, eine Verständigung zu erzielen. 


Sollten Terrorvereinigungen an einer multilateralen Friedenskonferenz teilnehmen?


Nein, jedenfalls nicht im ersten Step. Ziel eines solchen Formates müsste neben den staatlichen Interessen doch vor allem sein, die Zivilbevölkerung in allen von Krieg und Unruhen gebeutelten Regionen zu schonen, zu schützen. 
Daran sind diese "religiösen" Mörder ganz offensichtlich nicht interessiert.
Es muss vorab zu einer Einigung zwischen den o.a. Großmächten kommen, unter Einbeziehung und mit Zustimmung der betroffenen Länder. Resultat kann die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe sein, mit UN-Mandat und unmissverständlichen Auflagen.

Ob das klappt? Weiß ich nicht, ich bin weder Nahost-Experte noch Politiker. Offensichtlich wird der Westen mit Russland und China zu einer längerfristig tragfähigen Übereinkunft gelangen müssen, damit regionale Konflikte wie im Nahen Osten und der Ukraine beigelegt werden können. Ein Wladimir Putin hatte das schon 2001 verstanden, als er in seiner Rede vor dem Dt. Bundestag eine grundlegend neue Form der Zusammenarbeit zwischen den 'Blöcken' als erforderlich bezeichnete. Er musste dann aber mitansehen, wie sein Land vom Westen desavouiert wurde und förmlich ausgeplündert werden sollte (Stichwort PSA-Verträge, Bodenressourcen).


Inzwischen hat Putin seine anfänglich vorsichtig-kooperationsbereite Haltung gegenüber dem Westen 'umfassend korrigiert'. Dennoch dürfte er letztlich an einer Stabilisierung hin zu einer neuen Entspannungsphase interessiert sein. China ist bislang stets pragmatisch gewesen, solange es keine Einmischung in seine inneren Angelegenheiten befürchten musste. Europa macht letztlich das, was die USA vorgeben - mit ein paar eigenen Fußnoten, um das Gesicht zu wahren. Letztlich mündet die Frage nach dem Erfolg multilateraler Friedenskonferenzen in eine andere: Ist eine weitreichende, 'weltweite' Entspannung von den USA gewollt?


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