Freitag, 4. Dezember 2015

7 Tage ...unter Muslimen

NDR-Reportage (2013)

Ein paar Vorurteile stelle ich bei mir selbst schon fest. Beispielsweise, wenn eine muslimische Frau in einer TV-Diskussion mit Schleier auftritt, fühle ich mich provoziert - im ersten Moment. Vom Verstand her weiß ich, wie unsinnig meine Reaktion ist. Denn von der Person, die da auf dem Bildschirm erscheint, weiß ich absolut nichts - wie kann sie mich da provozieren?
Doch da ist ein weiterer Aspekt: diese Frau verschleiert sich, weil sie auf keinen Fall die Begehrlichkeiten fremder Männer wecken will. Das nehme ich persönlich: bin ich etwa ein triebgesteuerter Lüstling, der jede attraktive Frau anglotzt, sie mit Blicken förmlich auszieht? Nein, so in ich nicht! Es hat etwas Verletzendes, wenn offenbar alle Männer über einen Kamm geschoren werden.

Aus dieser Empfindung entsteht zugleich eine Ermahnung, nicht denselben Fehler zu begehen - indem ich etwa alle Muslime in eine Kategorie zu stecken, mit der wenig Gutes assoziiert wird. Es gibt nicht nur Wahhabiten, Salafisten und Islamisten. Das weiß eigentlich jeder; und doch wächst mit jedem von Islamisten begangenen Terroranschlag das pauschale Misstrauen gegenüber "dem" Islam. Hinzu kommt ein erbärmliches Halbwissen, also das bisschen Information, welches man aus den Medien aufgeschnappt und vielleicht noch durch 2-3 Wikipedia-Artikel angereichert hat.
Von der Lebenswirklichkeit muslimischer Menschen in Deutschland erfährt man dadurch so gut wie nichts.
Die u.a. Reportage "7 Tage ...unter Muslimen" zeigt das Leben schiitischer Muslime "zwischen strengen Ritualen, dem Ertragen von Vorurteilen und dem beruhigenden Glauben daran, dass Gott sowieso größer ist als alles und dass der Koran die Anleitung für ein glückseliges Leben bereithält. Was ist das für eine Religion, die wie keine andere die Nachrichten der letzten zwölf Jahre beherrscht hat? Was macht sie mit den Menschen?"

Die 7-Tage-Reportagen sollen nicht nur informieren, sondern auch dazu dienen, Vorurteile abzubauen. In Bezug auf Muslime gelingt dieses Vorhaben recht gut, wenn auch nicht so ganz:
Ein früherer Schulfreund von mir hat mit seiner Ehefrau vor einigen Jahren den Iran besucht. Nach seiner Rückkehr berichtete er von strikten Verhaltensregeln, welche insbesondere auch von Besuchern aus dem Ausland eingefordert werden. (Zum Beispiel ist während des Fastenmonats Ramadan tagsüber das Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit auch für Nichtmuslime verboten. Frauen müssen grundsätzlich die islamischen Bekleidungsvorschriften einhalten: "Es müssen Arme und Beine bis zu Knöcheln bzw. Handgelenken bedeckt sein. Ein Mantel muss mindestens knielang sein und soll die weiblichen Körperformen verhüllen. Haare und Nacken müssen durch ein Kopftuch bedeckt sein...Homosexuelle Beziehungen sind strafbar. Das gleiche gilt für sonstige sexuelle Handlungen, sofern sie außerhalb der Ehe ausgeübt werden." vgl. Ausw. Amt)

Die hierzulande vieldiskutierte Toleranz gegenüber 'Multikulti' gibt es in vielen islamisch geprägten Ländern nicht. Dabei wird nicht immer klar, welche Konvention religiös motiviert sind und wo eher Kultur und Tradition im Vordergrund stehen.
Da darf man von muslimischen Frauen und Männern wohl erwarten, dass sie sich hierzulande ebenfalls anpassen. Darf man? Ja, soweit es die deutschen Gesetze betrifft. Doch in Bezug auf die Kleidung gilt bei uns: Leben und leben lassen. 




Sonntag, 25. Oktober 2015

Flüchtlingskrise / illegale Einwanderung: Innenpolitische Krise ist absehbar

Dies ist einerseits mein ganz persönlicher Eindruck, wenn ich zwei Momentaufnahmen der gegenwärtigen Entwicklung verfolge:
  • Scharen überwiegend junger Männer, die ungebremst durch Europa strömen und nahezu alle nach Deutschland oder Schweden wollen,
  • eine wachsende Radikalisierung von Teilen der deutschen Bevölkerung, welche sich in einen schockierenden Hass gegen notleidende Menschen steigert.
Die aktuellen "Zahlen zu Asyl", herausgegeben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) zeigt beispielsweise: 44.431 Erstanträge auf Asyl wurden von Jan. bis Sept. 2015 von Personen gestellt, die aus Albanien stammen, das entspricht 16,2 Prozent sämtlicher Antragsteller. Im aktuellen Berichtsmonat kam insgesamt fast ein Viertel der Erstantragsteller (24,4 %, 9.875 Personen) "aus den dominierenden sechs Balkanländern".
Zutreffend ist wohl auch, dass der 'Balkan-Anteil' rückläufig ist ...aber so ganz genau weiß das niemand, seit sich immer mehr unregistrierte Asylantragsteller hierzulande aufhalten.

Andererseits warnen nun laut einem Beitrag der WELT (25.10.) auch die Sicherheitsbehörden "vor totalem Kontrollverlust": "Der Lockruf der Kanzlerin, dass es keine Obergrenze für Asylbewerber gebe, verschärfte die gespannte Lage."
Befürchtet werde eine wachsende Instabilität - aus mehreren Gründen: im Vordergrund stehen dabei verhaltensauffällige Deutsche, die sich vom Verfassungsstaat abkehren könnten: "Wir produzieren durch diese Zuwanderung Extremisten, die bürgerliche Mitte radikalisiert sich, weil sie diese Zuwanderung mehrheitlich nicht will und ihr dies von der politischen Elite aufgezwungen wird..."

Der Umstand des Aufzwingens ist hierbei keinesfalls zu vernachlässigen: In ihrer Wahrnehmung haben viele Deutsche seit Einführung der menschenverachtenden Aganda2010 durch Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) etliche Zumutungen ohnmächtig hinnehmen müssen: Bundes- und Landesregierungen maßten sich an, nach ihren subjektiven ideologischen Vorstellungen vermeintlich "alternativlose" Maßnahmen zu erlassen - oft entgegen dem offensichtlichen Mehrheitswillen der Bevölkerung: Euro-Rettung und ESM, mehrfaches Bankensponsoring (bzw. Verlustkompensation) in unvorstellbarem Ausmaß, aber auch die Ignoranz gegenüber dem Widerwillen gegen Schiedsgerichte im Zuge der noch laufenden TTIP-Verhandlungen.

Diese und weitere Richtungsentscheidungen (Was wurde eigentlich aus No Bail-out?) mussten 'besorgte' und ernsthaft besorgte Bürger hinnehmen, während im GroKo-Land die Opposition auf die Bedeutung eines Wurmfortsatzes reduziert wurde. "Und nun das!"


Hunderttausende illegaler Einwanderer binnen kürzester Zeit, deren Integration angesichts bereits bestehender Parallelgesellschaften mehr als fraglich ist. Ohne jede Kontrollmöglichkeit "importieren wir islamistischen Extremismus, arabischen Antisemitismus, nationale und ethnische Konflikte anderer Völker sowie ein anderes Rechts- und Gesellschaftsverständnis".


Sicherheitsexperten wie der frühere Polizeikommissar Clemens Binninger (CDU) befürchten, die deutschen Sicherheitsbehörden seien außerstande, diese importierten Sicherheitsprobleme sowie die hierdurch entstehenden Reaktionen seitens der deutschen Bevölkerung zu lösen:

"Wenn der Rest Europas das Dublin-Abkommen und die Schengen-Vereinbarungen nicht mehr anwendet, sondern nur noch durchwinkt, sehe ich nicht ein, warum wir unsere Gesetze nicht anwenden dürfen."
Zudem wendet sich das Wahlvolk zunehmend solchen Politikern zu, von denen es glaubt, diese würden - im Gegensatz zur Merkel- und Gabriel-Truppe (GroKo) - auch ihre Interessen vertreten: Derzeit würden nur noch 36 Prozent würden für die Union stimmen. Die Flüchtlingskrise könne die Partei vor eine Zerreißprobe stellen, warnte sogar der ansonsten brav-loyale Finanzminister Schäuble Dass die Enttäuschten sich der SPD zuwenden oder gar den einstmals Liberalen von der FDP ihre Stimme geben, ist kaum zu erwarten - ebenso dürften die Grünen leer ausgehen, die man per se für untauglich hält, ernste Krisen zu lösen. Nein, profitieren dürften die AfD mit ihrem vom Tausendjährigen Reich schwadronierenden Björn Höcke und eventuell noch Bernd Lucke's Alfa - sowie rechtsextreme und gewaltbereite  Strömungen, die nun Morgenluft wittern.

Nicht
Vergeblich versucht Verteidigungsministerin von der Leyen, ihrer Kanzlerin Schützenhilfe zu geben: Die Basis der Union wisse sehr genau, "dass niemand Deutschland und Europa besser durch diese schwere Zeit steuern kann als die Kanzlerin".

Von wegen: das war vielleicht mal so - aber dieses Vertrauen haben Merkel und Gabriel in vielen kleinen Schritten verspielt - insbesondere durch kommunikative Armutszeugnisse wie diese Szene:



Abgedroschenen Phrasen "Es gibt keine einfachen Lösungen", "Lest häufiger die Bibel und geht in die Kirche" oder "Angst ist kein guter Ratgeber" täuschen immer weniger Bürger: Die Menschen in Deutschland brauchen keine Therapie, sondern sie verlangen nach einer ehrlichen Situationsanalyse. Dazu würde nach meinem Empfinden auch gehören, Fehler einzugestehen: Die eigenmächtige und rechtswidrige Entscheidung, im September die aus Ungarn kommenden Flüchtlinge ohne vorherige Registrierung einreisen zu lassen, erweist sich im Rückblick als fatales Signal.

Die Verknüpfung der Flüchtlingskrise mit den (unbestreitbaren) dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte wird längst nicht mehr nur von den Rechten als Unverschämtheit empfunden: Falls Angst kein guter Ratgeber ist, trifft dies fraglos auch auf einen an Selbsthass grenzenden Schuldkomplex zu, welcher die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Wähler nicht kausal betrifft: Eine historische Verantwortung ist zu bejahen, aber inakzeptabel ist die Argumentationsweise "Weil die Generation unsere Großeltern an einem der schlimmsten jemals begangenen Massenmorde beteiligt war bzw. hingenommen hat, müssen wir heute unbegrenzt und unkontrolliert Flüchtlinge aufnehmen - anstatt auf eine gesamteuropäische Lösung hinzuarbeiten".
Nein! Nicht einmal Beobachter im Ausland hegen eine derartige Erwartungshaltung an die Deutschen.


Was hätte Merkel in dieser Situation angesichts einer drohenden humanitären Katastrophe sonst tun können? Henryk M. Broder, dem diese Frage auch gestellt wurde, gibt zu:

"Ich weiß auch nicht, was man hätte tun sollen." Aber Deutschland habe eben kein Monopol auf Menschlichkeit ...mit anderen Worten: Merkel hat eine gesamteuropäische Lösung durch ihre Eigenmächtigkeit vorwegnehmen wollen - doch nachdem dieses Kalkül nicht aufging, wurde eben diese Einigung der EU-Länder erschwert, wenn nicht verunmöglicht. 
Berlin-Neuköllns Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky bezweifelt indessen, ob ein Großteil der illegalen Einwanderer integriert werden kann. Tja, die Frage 'was hätte man tun können?' beantwortet sich vielleicht, indem die Fragestellung etwas modifiziert wird: Wer hätte etwa tun müssen? Deutschland im Alleingang? Oder eine transnationale Konferenz (mit Putin ...und Obama), durch welche die Verursacher der Zustände in Syrien, im Irak und in Afghanistan maßgeblich daran beteiligt werden, an der Behebung des von ihnen angerichteten Chaos mitzuwirken?
(Okay, für die Anstrengung einer derart großen Konferenz war es reichlich spät, als die Flüchtlinge sich in Ungarn sammelten - aber nicht zu spät! Zudem fand doch unlängst eine überteuerte G7-Konferenz auf Schloss Elmau statt ...worüber wurde denn da geredet - außer über Herrn Putin, den keiner dabeihaben wollte?)

Es wird langsam schwierig, den Tretminen der von Rechtspopulisten vereinnahmten Wortschöpfungen und Aussagen auszuweichen: Wenn Sicherheitsfachleute feststellen, dass die Aufnahmekapazitäten für Asylantragsteller derzeit erschöpft sind, klingt dies vordergründig verdächtig nach "das Boot ist voll". Doch es besteht ein wesentlicher Unterschied: Nicht die Angst vor 'Islamisierung' oder 'Überfremdung' ist das Motiv faktenbasierter Analysen, sondern die Praktikabilität des deutschen Alleingangs in der Flüchtlingsfrage.

Dennoch glaubt inzwischen sogar Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), dass es in der Flüchtlingskrise ohne Zäune nicht geht (vgl. ZEIT, 25.10.)


Hannings Zehn-Punkte-Plan

Laut SPON fällt die Union auf ihren tiefsten Umfragewert ('Sonntagstrend') seit 2012. Doch dieser Umstand beschert nicht der SPD einen Aufwind, sondern eher der stramm nach Rechts gerückten AfD - was ist zu tun?Der frühere BND-Chef August Hanning hat ein Zehn-Punkte-Programm entworfen, wie die Bundesregierung in der "gegenwärtigen Migrationskrise" vorgehen könnte. Auszug: 
  •  Die Bundesregierung solle klarstellen, dass die Aufnahmekapazitäten in Deutschland - bis auf Weiteres - erschöpft sind. Es müsse unmissverständlich erklärt werden: Derzeit kann Deutschland keine Migranten mehr aufnehmen.
  • Die Bundespolizei soll angewiesen werden, die deutschen Grenzen für illegale Einwanderer  Migranten zu schließen und diese an der Grenze abzuweisen.
  • Wiedereinführung der Residenzpflicht: Migranten dürften sich nicht weiter als eine bestimmte Entfernung vom Wohnort wegbewegen
  • Bau neuer Unterkünfte in Deutschland und in den Krisenregionen 
  • Verpflichtende Sprach- und Integrationskurse für Migranten
  • Mehr Jobs in Sicherheitsbehörden
Schon Punkt 1 dieser Forderungen dürfte auf wenig Gegenliebe bei Merkel stoßen, weil sie damit das Scheitern ihres bisherigen Kurses eingestehen müsste. Mein persönlicher Eindruck: Hanning hat im Gegensatz zu den GroKo-Fraktionen in ihren Wolkenkuckucksheimen wirklich verstanden, was das zwingende Gebot der Stunde ist: Damit die Akzeptanz und Stabilität der demokratischen und verfassungsmäßigen Institutionen nicht nachhaltig Schaden nimmt, reichen KleinKlein-Bemühungen und symbolhafter innenpolitischer Aktionismus nicht aus!

Doch die Richtlinien-Kompetenz liegt un einmal allein bei dem/der BundeskanzlerIn. Und Angela Merkel hofft weiterhin auf eine europäische Lösung der Krise. Eine Abweisung von Flüchtlingen an der Grenze, geschweige denn Grenzzäune lehnt sie mit Entschiedenheit ab: "Die Deutschen hätten es nicht in der Hand, wie viele Menschen in die Bundesrepublik streben".
Falls dies zuträfe, hätte die Politik in erschreckender Weise versagt: Das Schengen-Abkommen regelte den Verzicht auf Grenzsicherung innerhalb der EU - unter der Voraussetzung, dass die Außengrenzen verlässlich geschützt werden. Und nun der Verzicht auf beides ...ausgerechnet in Verantwortung der CDU, die ansonsten keine Gelegenheit ausließ, sich gemeinsam mit ihrer Schwesterpartei CSU als Law-and-Order-Partei zu profilieren?


Zugleich muss wieder das Bewusstsein einkehren: Weder die Flüchtlinge, noch die ehrenamtlichen Helfer oder Kommunalpolitiker dürfen zu Sündenböcken einer verfehlten Bundespolitik gestempelt werden! Gerade in einer ernsten Krise muss wieder mit Respekt und und Anstand um die geeigneten Lösungen gestritten werden! Eine Ent-Emotionalisierung der innenpolitischen Konflikte setzt zugleich aber voraus, das wachsenden Heer aus "einfachen" Bürgern Unzufriedenen und ernstlich Besorgten nicht pauschal zu kriminalisieren, sondern deutlich zu machen: Wir haben Eure Botschaft verstanden und tragen ihr Rechnung - aber Drohungen und Gewaltakte sind und bleiben hierzulande strafbar! Dabei ist zu differenzieren zwischen einer wachsenden Skepsis gegenüber der partiell erblindeten Bundespolitik und rassistische Pöbeleien (bzw. noch Schlimmerem).


Quellenangaben:



Montag, 19. Oktober 2015

Pegida hat sich endgültig disqualifiziert - und wie steht es um Angela Merkel?

In diesen Tagen begeht Pegida ihren ersten Jahrestag - Grund genug für eine vorläufige Bilanz.
Ob das Attentat auf die Kölner OB-Kandidatin in einen direkten Kontext zu Aktivitäten und Propaganda der Pegida-Gruppierungen zu stellen ist, wage ich zwar zu bezweifeln. Ungeachtet dessen haben diese fremden- und islamfeindlichen Gruppierungen sich längst das demokratische Spektrum verlassen: Das visuelle Ausrufungszeichen hierzu bildeten die Galgen-Attrappen für Mitglieder der Bundesregierung. 

Erstaunlich finde ich, wie viele 'normale' Bürger sich nach wie vor von diesen das 'tausendjährige deutsche/Deutsche Reich befürwortenden Leuten (vgl. Björn Höcke bei Jauch am 18.10.2015) vereinnahmen lassen: Vor etwa einem Jahr durfte man noch den Eindruck haben, dass sich mit Pegida eine Bewegung etablieren würde, die 'mitreden' wollte - wenngleich sie Ansichten vertrat, die mir persönlich von Anfang an fremd waren.

Die tendenziell einseitige Medienberichterstattung ermöglichte des den **gidas sogar, temporär eine Opferhaltung einzunehmen: "Lügenpresse", "gleichgeschaltete Medien" und ähnlich pauschale Termini zählten rasch zu deren bevorzugtem Vokabular.

Inzwischen jedoch kann sich niemand etwas vormachen: Die verbale Brandstiftung, welche der mehrfach vorbestrafte L.Bachmann und ("u.a. Körperverletzung, Einbruch, Diebstahl und Drogenhandel") und seine Kumpels betreiben bzw. befördern, schafft nicht nur das Klima für rassistische Hetze,sondern auch für Gewalttaten. Dennoch lassen sich weiterhin Tausende mit Parolen wie „Nulltoleranz gegenüber kriminellen Zuwanderern“ zu sog. Spaziergängen locken.

  • "Ja, ich habe den Galgen gebaut": Werkzeughändler bekennt sich zu Pegida-Galgen – und verteidigt seine Aktion. (Focus, 17.10.15). Im Kontext der sonstigen Aussagen auf Pegida-Verantstaltung ist der Hinweis auf  ''Satire' oder 'schwarzen Humor' wenig glaubhaft. Zumal der zuständige Ermittler schriftlich mit dem Tod bedroht wurde.
Müsste sich nicht jeder Fragen stellen, wie die WELT sie vor 6 Monaten in Bezug auf die AfD aufwarf: "Wie viel braune Gesinnung steckt in der AfD?"
Das Dresdner Bild von Merkel und "Siegmar das Pack" Gabriel am Galgen symbolisiert die Radikalisierung von Pegida.
"Was anfangs noch als Protest Unzufriedener durchgehen konnte, ist längst eine handfeste rassistische Bedrohung geworden. (...) 
Weil Merkel und Gabriel nur am symbolischen Galgen hängen und nicht tatsächlich an einem echten, findet Bachmann das nicht so schlimm. Das beschreibt ziemlich genau die letzte Grenze, die Pegida für sich noch zieht: die zwischen Hetze und Tat.in bisschen mit dem Tod drohen und von der Strafe des Volkes raunen, das wird ja wohl noch erlaubt sein."(2)
Dass sich Pegida-Chef Bachmann nun für die peinlich-widerliche "Rede" des sich mit jeder noch so platten Beleidigung selbst inszenierenden Akif Pirinçci ("KZs derzeit leider außer Betrieb") entschuldigte ("Ich hätte in diesem Moment die einzig richtige Entscheidung treffen müssen und sofort das Mikro abschalten."), ändert nichts am Gesamteindruck: schließlich verwies Bachmann den Demagogen nicht von der Bühne - sogar dann nicht, als aus den Reihen der Pegida-Mitläufer Protest gegen dessen Hetzrede laut wurde. Außerdem hätte ein 15-minütiger YT-Streifzug gereicht, um zu wissen wofür Pirincci steht - wer so jemanden als Redner einlädt, darf sich nicht wundern.


SPIEGEL-Kommentator Benjamin Maack empfindet eher Mitleid für Pirincci, der seit den 80ern durch seine Muschi-Bücher reich wurde: Maack verweist auf jene Typen, "die wirre Theorien verbreiten... und sich damit aus der Gesellschaft geschossen haben". Nicht wenige von denen hätten sich um Heim, Familie und Arbeitsplatz geredet. 
Wie auch Nach meinem Empfinden liegt als natürliche Reaktion mehr als nahe, sich von den Initiatoren der Pegida-Veranstaltungen zu distanzieren - allerspätestens jetztWer bei denen weiterhin mitläuft, kann  den Status des unbedarften, aber 'besorgten Bürgers' nicht mehr beanspruchen.


Andererseits: Vertrauensschwund und tiefe Verunsicherung gegenüber der etablierten Politik

Eine Analyse der sozialen Medien hätte es längst gezeigt, was nun offensichtlich wurde: Der Bundeskanzlerin schlägt sogar an der eigenen Basis ein eiskalter Wind ins Gesicht. Besonders deutlich wurde dies am 14.10. auf dem CDU-Regionalkongress in Schkeuditz (Sachsen):



Die heftige Kritik an Merkel kennzeichnet einen tiefgreifenden Stimmungswandel, der sich seit Jahren abzeichnet - nicht erst seit dem Eskalieren der schon lange absehbaren Flüchtlingskrise bezweifeln immer mehr Menschen in Deutschland, dass die gewählten Politiker im Interesse des eigenen Volkes handeln.
Neu ist allerdings, dass sich auch in den eigenen Reihen öffentlicher Protest erhebt:

  • Viele könnten Merkels Leitsatz "Wir schaffen das" nicht mehr hören ...tatsächlich haben weder Merkel noch ihr sein Fähnchen stets in den Wind haltende Vize Gabriel die Deutschen zuvor gefragt: "Wollt ihr das schaffen?"
  • Ein weiterer Fragesteller ruft den "nationalen Notstand" aus. "Sie haben als Regierungschefin versagt." Mit christlicher Nächstenliebe allein lasse sich keine staatliche Ordnung erhalten. "Wenn wir den Prozess nicht stoppen, wird Deutschland in eine nationale Katastrophe schlittern."Nicht jeder, der die falschen Signale (fatalerweiser verstanden als "Kommt alle nach Deutschland") kritisch sieht, gehört zu denen, die von Gabriel als "Pack" bezeichnet wurden. 
  • Sogar die 'Junge Union' fordert eine Obergrenze für Zuwanderungen. Offenkundig hat Frau Merkel sich verkalkuliert: sie hoffte, die restlichen EU-Staaten mit der gewohnten Attitüde gütiger Strenge veranlassen zu können, zu europäischen Werten zu stehen. Doch bislang sieht es danach aus, als würde die EU als wertneutraler, interessengesteuerter Wirtschaftsclub erweisen.
  • "Der Souverän mag es nch, wenn er belogen wird. Und er merkt das auch...manchmal erst nach zwei oder drei Wahlperioden."
Die Haltung Merkels, in der Flüchtlingskrise mit dem Kopf gegen die Wand jeder politischen Vernunft anzurennen, ist nicht zukunftsfähig - und darum inakzeptabel. Zugegeben, angesichts der gegenwärtigen Zuspitzung kann es keine einfachen, schnellen Lösungen geben - und ein gewisses Maß an gesellschaftlichen Veränderungen ist unausweichlich. Gerade deshalb darf auf eine geordneten Ablauf der Migration in rechtsstaatlichen Verfahren nicht verzichtet werden.

Quellenangaben

  1. "Hasskommentare auf Facebook: Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Facebook-Manager" (Heise.de)
  2. "Pegida - Zündeln reicht ihnen nicht mehr", (ZEIT, 13.10.15)

    Sonntag, 11. Oktober 2015

    Religion muss endlich Privatsache werden!

    Am Individuum führt sowieso kein Weg vorbei.

    Was der Einzelne glaubt, ist ausschließlich sein persönliches Problem, denn jeder kann nur jeder für sich selbst herausfinden, was er mit der Vernunft in Einklang bringen kann und was nicht. Erziehung bzw. Indoktrination üben einen starken prägenden Einfluss aus, der aber im Laufe des Erwachsenwerdens gegenüber eigenen Überzeugungen verblasst - oder durch diese Bestätigung erfährt.
          
    Dass viele Deutsche dem Zustrom von Migranten aus dem Nahen Osten mit Skepsis und Sorge verfolgen, hat viel mit 'politischer Religion' zu tun. Wie der Bundesinnenminister in einer Bürgerdialog-Runde feststellte, erzeugt der Islam hierzulande weit mehr Vorbehalte als andere Glaubensrichtungen und Weltanschauungen.
    Dabei ließe sich das Zusammenleben von Menschenweitaus komplikationsärmer gestalten - theoretisch zumindest:
    Leben und Leben lassen. 
    Jedem das Seine.
    So trivial diese beiden Grundsätze auch klingen mögen, so bedeutsam ist doch ihre Verwirklichung.
    Persönlich hänge ich weder atheistischen noch agnostischen Vorstellungen an. Im Gegenteil, ein Leben ohne jeden spirituellen Bezug erscheint mir armselig, als ob das Salz in der Suppe fehlte.
    Aber: Es erscheint mir absolut unzulässig, andere Personen von meiner weltanschaulichen Vorstellung überzeugen geschweige ihnen selbige aufzwingen zu wollen.
    Tatsache ist: Eine wachsende Anzahl Menschen wendet sich angewidert von jeglicher Art Spiritualität  ab, da sie Religionen als die Hauptursachen für Hass und nie endenden Krieg auszumachen glauben.



    Theorie und Realität

    Hierzulande sieht das Grundgesetz die Trennung von Kirche/Religion und Staat vor, d.h. Kirchenzugehörigkeit und der persönliche Glaube jedes Einzelnen sollen im rein privaten Bereich gelagert sein, als individuelle Gewissensentscheidung.
    Tatsächlich ist diese an sich erstrebenswerte Zielsetzung keineswegs umfassend verwirklicht. In Deutschland besteht schon durch die sog. gesetzlich geregelte Kirchensteuer, insbesondere aber durch die staatliche Subventionierung sozialer Einrichtungen mit kirchlichem Träger, eine vielfältige Verzahnung von Staat und Kirche. Welcher andere Verein hat Gelegenheit, sich zur Einnahmenverwaltung staatlicher Ressourcen zu bedienen?

    Freilich hat das Staats- und Gesellschaftswesen vieler westlicher Staaten in dieser Hinsicht einen Vorsprung vor jenen islamischen Ländern, welche die Scharia in ihrer Verfassung verankert haben und an 'islamischen Menschenrechten' festhalten. Für mich ein Widerspruch in sich - Grundrechte implizieren einen universalen Anspruch, welcher naturgemäß nicht durch eine Weltanschauung (egal welche!) verfärbt werden darf.
    "Im islamischen Bereich sind Glaube und Religion dagegen grundsätzlich öffentliche, gemeinschaftliche Angelegenheiten mit gesellschaftlicher Tragweite."(1)
    Wo religiöse und staatliche Ordnung einander bedingen, wird Apostasie auch als Hochverrat gegenüber dem Staat angesehen. Dies war sowohl in der Geschichte des Christentums als auch der Hebräer sehr lange ein zentraler 'Erfolgsfaktor', auch wenn dies heute mitunter verdrängt wird.

    Heute wird 'bei uns' die individuelle Gewissensentscheidung nicht staatlich sanktioniert - ein Verdienst der Aufklärung, nicht eines inneren Sinneswandels der Kirchen. Die Haltung 'Ordnung muss sein' ist hierzulande dennoch weit verbreitet: Eine wachsende Angst vor einer "Islamisierung" gesellschaftlicher und soziale Strukturen erwächst doch aus der Furcht, hier könnten die bisherige Ordnung und der gesellschaftliche Konsens zusammenbrechen, falls 'der Islam ans Ruder kommt'.
    Wir gestehen zwar dem einzelnen Menschen die Entscheidungsfreiheit in religiösen Fragen zu - aber 'bitte nicht so viele Frauen mit Schleier und bärtige Männer im Kaftan'...
    Die Ansicht, nach der Religion und Glaube ausschließlich Privatsache sein (und ausschließlich der privaten/persönlichen Handhabung unterliegen) sollte, ist hierzulande wenig verbreitet und noch weniger verwirklicht.

    Dabei kann (und darf) jedes Individuum nur für sich selbst herausfinden, welche Glaubensvorstellung es mit seinen Einsichten  und 'seiner' Vernunft in Einklang bringen kann. Wer an Gott/Götter glaubt oder an eine übernatürliche, nicht personale Kraft, macht das nur mit sich aus und dem, an den/das er glaubt.
    Was im inneren Menschen vorgeht, ist letztlich frei von Einblicken und Einflüssen der Außenwelt.

    Religiöser Unfriede kann nur dort entstehen, wo Glaube/Religion nicht als Privatangelegenheit angesehen wird, d.h. wo Menschen einander Vorschriften machen oder die jeweils 'Ungläubigen' zwangsbekehren bzw. aus dem Weg räumen wollen. Andererseits kann auch Religionsfreiheit nicht im sozialen Vakuum entstehen bzw. geschützt werden:
    "Die Religion als unverfügbare Freiheit zu betrachten heißt kurioserweise, sich auf den weltanschaulich neutralen Staat fest zu verlassen. Wer den nicht als Schutz hat, ist nicht mit Sicherheit frei – sondern lebensgefährlich frei."(2)
    Erst durch ein solches Staatswesen könne Glaube zur Privatsache werden, jedenfalls solange man als Glaubender das staatliche Gewaltmonopol achtet und mit dem Gesetz auch sonst nicht in Konflikt kommt, schreibt Elisabeth von Thadden.
    Für sie ist es zulässig, seinen Glauben in die Öffentlichkeit zu tragen, ihn zu feiern, ihn 'mit guten Gründen politisch' werden zu lassen.

    Diese Zulässigkeit bestreite ich. Wie kann Glaube denn Privatsache werden/bleiben, solange er von seinen Befürwortern zum Maßstab staatlichen Handelns gemacht wird? Politik kann zwar naturgemäß nicht wertneutral sein, doch sie sollte den Glauben da lassen, wo er hingehört: im privaten Bereich und im Kreise gleichgesinnter Menschen.



    Religiöser Unfrieden ist keine Privatangelegenheit.

    Wo Religion zur öffentlichen oder gar zur politischen Gestaltungsoption erhoben wurde und wird, befeuert sie Diskriminierung Andersdenkender, Gewalt und sogar Kriege.
    Geistig gesunde Menschen wollen nichts weniger als diese Auswüchse, aber muss man dafür in Glaubensfragen den Mund halten? 

    Friedvolle Koexistenz setzt gegenseitigen Respekt voraus - sowie das Unterbleiben offensiver (belästigender) Missionstätigkeit, die im öffentlichen Raum nichts, aber auch gar nichts zu suchen hat. Dies gilt meiner Ansicht nach sowohl für lebende Wachturm-Plakatständer als auch für das aufdringliche, manchmal unerträgliche Dawa-Geschrei von Islamisten.
    Dergleichen sollte nicht verboten, sondern sehr konsequent auf geeignete Veranstaltungsorte (am besten schallgeschützte Räume) begrenzt werden. Gleichbehandlung und Friedenspflicht für alle 
    Glaubensrichtungen, Paradigmen und Sekten - einschließlich religionsfeindlicher Atheisten und Darwinisten - steht dabei im Vordergrund. Wer Interesse hat, kann Jehovas Zeugen, Darwinisten, Evangelikale oder Salafisten dort aufsuchen und ungestört (sowie niemanden störend) mit ihnen 'die anderen' als Ungläubige verdammen. Aber so, dass jene 'Ungläubigen' von deren Getue und Gebrülle verschont bleiben.
    Dem Gleichheitsgrundsatz folgend, würde eine solche Friedenspflicht für alle  finden. Glockengeläut und Minarette fallen auch darunter, wenngleich ich mir lokale Regelungen durchaus vorstellen kann.

    Gegen einschlägige Veröffentlichungen in Medien und im Internet ist nichts einzuwenden, denn dort sind der Freiwilligkeit des Zugangs keinerlei Grenzen gesetzt...anders, als z.B. mitten in der Fußgängerzone, wo man sich der optischen und verbalen Präsenz von Eiferern nicht immer entziehen kann.

    Patrik Schwarz(2) argumentiert dagegen, Religion sei immer auch eine öffentliche Angelegenheit. Dies trifft gegenwärtig noch zu, leider. Denn aus dieser unheilvollen Verquickung ergeben sich immer wieder Konfliktpunkte - die leicht vermieden werden könnten, ohne den Einzelnen in seiner (persönlichen) Glaubensausübung nennenswert zu beschränken.
    Schwarz beschreibt das Bild einer einsame Nonne: "[sie] sitzt da, in stiller Anbetung, vor einer goldgeschmückten Monstranz, darin die Hostie. Es ging ungeheurer Friede aus von diesem Bild, aber auch eine Provokation: Vergeudet da nicht eine Frau ihr Leben?"

    Auch hier gilt: Es obliegt doch wohl allein ihr, dies mit sich selbst auszumachen. Niemand sonst hat sich daran zu stören. Was ist an stiller Anbetung in einer Kirche provokativ - außer für jenen Typ Mensch, der andere nicht ihr eigenes Leben leben lassen kann/will?
    Ob man im Bild dieser Nonne nun ein "inneres Leuchten" oder "eine ungute Mischung aus Herzenshärte und mühsam verkniffener Leibeslust" auszumachen glaubt, wen hat's zu interessieren? Die sogenannte Wahrheit liegt, 
    wie fast immer, im Auge des Betrachters.
    "Und dann die Hostie: Wie kann man im Ernst ein Stück Brot anbeten?"
    Privatsache. Und wieder gilt: Glauben und glauben lassen. Mit der TV-Übertragung von Gottesdiensten, Predigten oder Päpsten im rollenden Panzerglas-Käfig habe ich nicht das geringste Problem: längst verfügen wir über eine so große Programmvielfalt, dass wirklich niemand 'gezwungen' ist, dem hermelinbekleideten Ratzinger oder einer Franziskus-Show seine Aufmerksamkeit zu schenken.
    "Es weht mich daher auch nicht länger folkloristisch an, dass Katholiken gelegentlich ihre Monstranz zur Demonstranz machen und an hohen Feiertagen die Hostie in einer Art 'ChristPrideParade' durch die Straßen tragen. Sie zeigen sich und der Welt ihr Heiligstes, und das ist gut so."
    Was genau soll daran gut sein? Mich jedenfalls 'weht das an' (schon weil ich als Kind genötigt war, in zig Prozessionen mitzuschlurfen ...bei jedem Wetter ). Es gibt hinreichend Kirchentage und sonstige Veranstaltungen, wo Kirchen an geeigneten Plätzen ihre Imagepflege betreiben können - vor einem interessierten und freiwilligen Publikum. Eine Prozession erfordert es jedoch oft, sonstige Verkehrsteilnehmer anzuhalten oder umzuleiten - das geht in meinen Augen über die Freiheit des einzelnen hinaus. Zugegeben, in manchem bayrischen Dorf mögen die Verhältnisse anders liegen ...weil eh' jeder mitschlurft.
    Indessen kann eine Unterweisung in Glaubensfragen zweckmäßig sein - sofern sie dem erkennbaren, geäußerten Wunsch des Unterwiesenen entgegen kommt. Mit 'Überredung' zum Glauben, schlimmstenfalls durch eine Trickkiste vordergründig plausibler Argumente, ist dagegen niemandem gedient.
    Schwarz erklärt, er wende sich gegen "Besserwisser, die in dicken Büchern schreiben, warum Glauben schlecht sei für den seelischen und politischen Frieden – also dumm macht oder tot".
    Darin stimme ich zu. Persönlicher Glaube macht niemals "dumm oder tot" (jedenfalls keine unbeteiligten, 'unschuldigen' Personen). Die Gefahr kollektiver Verdummung entsteht erst, sobald die Institutionalisierung des Glaubens einsetzt, wodurch sich Religion mit Dominanz und Machtstreben vermischen kann und zu einem Vehikel für fragwürdige Interessen wird.

    Wenn dann wieder über Glaube gestritten wird (ein Unding!), ist er nicht länger Privatsache.

    Sicher, den Kirchen und religiösen Organisationen kann die 'Privatisierung' des Glaubens nicht gefallen - schließlich leben sie davon, ein Individuum bereits im Säuglingsalter zu vereinnahmen und ihm den Stempel der Zughörigkeit aufzudrücken. Was hat das eigentlich mit Religionsfreiheit zu tun?
    Über das Ziel, durch 'Traditionen' Einnahmen zu generieren, sprechen sie freilich nicht - sondern von ihrem Auftrag"das Evangelium, Gottes frohe Botschaft, in Wort und Tat zu verkündigen und die Gemeinschaft untereinander an Christus auszurichten". Der Kirche müsse es deshalb darum gehen, "die Bedingungen zu befördern, unter denen die "Erkenntnis der Wahrheit", der Glaube wachsen kann."
    Das kann sie meinetwegen versuchen, aber bitte fair, d.h. nur an jenen, die selbständig denken können. Nicht an Babies und Kids im Grundschulalter.
    Allerdings sehe ich auch die Schwierigkeiten, welche sich aus einem gesetzlichen Verbot solcher Praktiken ergäben: Zu tief sind Kindertaufe, Beschneidung usw. in Traditionen sämtlicher mosaischer Religionen verwurzelt. Eine Abkehr davon kann m.E. nur durch Aufklärung und Einsicht bewirkt werden ...ein langer Weg.


    Quellenangaben/Literaturhinweise

    1. "Der Abfall vom Islam – Schariabestimmungen und Praxis", Prof. Christine Schirrmacher (→ PDF)
    2. "Ist Religion Privatsache?" - Pro-/Contra-Erörterung auf ZEIT.de

    Donnerstag, 8. Oktober 2015

    Flüchtlingskrise: Wir schaffen das?

    Merkels Auftritt bei Anne Will

    Die entscheidende Vertrauensfrage - die Wirtschaftswoche hat eine (repräsentative?) Umfrage veranstaltet:
    "Wir schaffen das" ist derzeit das Mantra der Kanzlerin. Fühlen Sie sich von Merkels "Wir" angesprochen?
    • Ja, ich fühle mich angesprochen: 15%
    • Nein, ich fühle mich nicht angesprochen: 85%

    Allein davon, dass man Parolen ("Wir schaffen das...") dutzende Male wiederholt, trifft das Gewünschte nicht ein. Schon der Titel der ARD-Talkrunde "Können wir es wirklich schaffen, Frau Merkel?" hat einen suggestiven Charakter: Welcher Politiker würde darauf mit Nein antworten.

    Frau Merkel ist normalerweise nicht dafür bekannt, politisch-strategisch von der Hand in den Mund zu leben. Sondern als konzeptionell vorausschauend agierend.

    Für die Flüchtlingskrise würde dies bedeuten, nicht die Zustimmung von 20 - 30 Prozent der Deutschen auf halbem Weg zu verlieren. Damit sind nicht die Rechtsaußen-Trupps und die grundsätzlich islamkritischen /-feindlichen Elemente im Land gemeint; eher jene, die die gesamte Welt im Blick behalten. 

    Es gehe darum, eine Situation herzustellen, "die wieder kontrollierter ist, gesteuerter ist, geordneter ist". Damit räumt Merkel ein: die Lage ist seit ihrer 'beispiellosen politischen Fehlleistung' (dem "Durchlassen der Flüchtlinge aus Ungarn") zumindest teilweise außer Kontrolle geraten.

    Am 7.10. hatten 34 CDU-Politiker aus mehreren Bundesländern in einem 'Brandbrief' (Wortlaut, Focus) an Angela Merkel deren Flüchtlingspolitik deutlich kritisiert:

    "Die gegenwärtig praktizierte 'Politik der offenen Grenzen' entspricht weder dem europäischen oder deutschen Recht, noch steht sie im Einklang mit dem Programm der CDU."
    • EU-Länder wie Griechenland, Italien, Ungarn, Kroatien, Slowenien und Österreich leiten viele Flüchtlinge bis jetzt entgegen dem geltenden europäischen Recht einfach nach Deutschland weiter - z.T. auch ohne Registrierung.
    • Die Aufnahmekapazitäten Deutschlands sind allerdings bis an die Grenzen gespannt und an manchen Orten bereits erschöpft.
    • Außerdem stamme "die Mehrheit der Flüchtlinge aus Ländern, deren vorherrschende Gesellschaftsbilder deutlich von unseren westlichen Werten abweichen."
    Nach dieser Zustandsbeschreibung kommt die zentrale Aussage des Schreibens, welche sich mit der "Komm alle nach Deutschland"-Signalpolitik Merkels auseinandersetzt: Ein großer Teil der CDU-Mitglieder und Wähler fühle sich von der Linie der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik nicht mehr vertreten.

    Den anschließend in diesem Schreiben erhobenen Forderungen kann ich mich nur anschließen:

    • Wiederherstellung der Geltung des europäischen und deutschen Rechts (Dazu zähle auch, Flüchtlinge, die aus sicheren Drittstaaten kommen, werden gemäß Asylverfahrensgesetz an der deutschen Grenze abzuweisen. 
    • Mehr Hilfe für und Druck auf Griechenland und die Türkei - Was soll Druck bringen?
    • Zeitnahe und unbürokratische Stärkung der Hilfe für Flüchtlinge vor Ort
    • Klare Botschaften zur begrenzten deutschen Aufnahmekapazität an die Herkunftsländer und deren Bevölkerung - darin sehe ich gegenwärtig neben der Hilfe für die Nachbarländer Syriens die wichtigste Aufgabe Merkels, um nicht weiter an Zustimmung im Inland zu verlieren.
    • Beschleunigung von Abschiebungen und Rücküberstellungen
    Sorge bereitet mir noch etwas: Zwischen den Zeilen höre ich bei Merkel tiefe Ratlosigkeit heraus: Zwischen "Ich muss" (dieses Problem lösen) und "Ich kann" liegen mitunter Welten.
    Falls Merkel wirklich glaubt, es liege "nicht in unserer Macht, wie viele nach Deutschland kommen", dann ist es vielleicht an der Zeit, den verdienten Ruhestand ins Auge zu fassen.


    ARD - Die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise



    Freitag, 25. September 2015

    Flüchtlingspolitik: "Gutmenschen" gegen "Schlechtmenschen"?

    Die bipolare Diskussionskultur nervt - Ich habe es vor zwei Wochen dargelegt: in der öffentlichen, medial aufbereiteten Wahrnehmung scheinen ausschließlich zwei konträre Positionen zu existieren: "Pro Flüchtlinge hierzulande" versus "Contra Flüchtlinge".
    Die exponierten Vertreter dieser beiden inszenierten Pole argumentieren jeweils aus ihrer Ideologie heraus:
    • "Für Banken haben wir hundertmal mehr ausgegeben als nun für notleidende Flüchtlinge" 
    • "Die vielen Leute aus dem Balkan haben gar keinen Asylanspruch."
    Beides ist - bezogen auf die jetzt anstehende Problematik - Augenwischerei: Für die Banken (und die Griechen) wurden überwiegend Bürgschaftserklärungen abgegeben, tatsächliche Zahlungen sind in weit geringerem Ausmaß geflossen. Und der Anteil von Migranten aus 'dem Balkan' ist momentan stark rückläufig.
    Das Vokabular - "Gutmenschen" und "Schlechtmenschen" - ist definitiv nicht meins: 'Schlechtmenschen' ist sowieso nicht ernst zu nehmen und den Terminus 'Gutmensch' verwende ich prinzipiell nicht wegen seines ironisch-zynischen Beiklangs.


    Wenn Rainald Becker in seinem Tagesthemen-Kommentar vom 14.Sepember von "linken Gutmenschen" spricht - Becker wandte sich gegen den Vorwurf, die zeitweiligen Grenzkontrollen würden das Grundrecht auf Asyl außer Kraft setzen oder Flüchtlingen „eine sichere Heimstatt verwehren ...wie Grüne und linke Gutmenschen jetzt wohl vermuten werden.“ - teleportiert er sich selbst in eine andere Kategorie: Die Gruppe derer, die billige Stereotype bedienen, anstatt sich mit etwaiger Kritik sachlich auseinander zu setzen.

    Wie die Schriftstellerin Nina George zutreffend darlegt, wird den "Gutmenschen" durch eine "bewusst ätzend-ironische Verkehrung des Sinns ‘guter Mensch’ ein naives, fanatisches ‘Gutseinwollen’ unterstellt".
    That's it: Naivität ("Kommt alle zu uns, irgendwie wird alles gut werden...") mag manchesmal zutreffen - doch persönliche Motive auf so eine fiese, fast schon hinterhältige Weise zu karikieren, das geht gar nicht.
    Übrigens auch da nicht, wo am laufenden Band "Ja, aber - Nazis" gekürt werden:
    "Wer zu den Flüchtlingen „Ja“ sagte, allerdings nicht im Überschwang, sondern mit einem leisen "Aber?" – wurde zum "Aber-Nazi". 
    So einfach geht das."
    Die echten Ja, Aber-Nazis prägen freilich andere Aussagen: "Ich hab' nichts gegen Flüchtlinge, aber bitte nicht hier / keine Muslime" oder "Lasst sie im Mittelmeer ersaufen". Wer solche Parolen ausgibt, verachtet Menschen und fühlt sich noch im Recht damit.

     Aber: Dieser eklig-klebrige Sprachgebrauch ist nur ein Aspekt - hatte R. Becker in der Sache unrecht, da er die temporären Grenzkontrollen als notwendige Maßnahme sieht? Nein, keineswegs.
     Damit bin ich bei 'meinem' Problem mit der gegenwärtigen Streitkultur angelangt: Die Sachfragen, deren zeitnahe und kompetente Beantwortung wichtiger denn je wäre, treten in den Hintergrund. Sicht- und hörbar wird jede noch so perfide Diffamierung derer, die 'in der Flüchtlingsfrage auf der anderen Seite sehen'. Nicht Argumente werden abgewertet, sondern insgesamt die sie vertretende Person ...verbale Streubomben werfen ist eben einfacher als die bisweilen mühsame Teilnahme am qualifizierten Disput.

    Eine Ausnahme stellt (zumindest vordergründig) Roland Tichy dar, der sehr deutlich sagt: Gegenwärtig werde das Asylrecht vergewaltigt, um eine seit Jahren absehbare, aber weitgehend ignorierte Migrationsbewegung nach Europa zu handhaben. Tichy ist um Differenzierung bemüht:
    "Die modernen Flüchtlinge durchqueren Serbien im Taxi. Viele sind auf der Suche nach einem besseren Leben, was völlig legitim ist. Aber sind sie dann Flüchtlinge?"
    Wenn es ihnen 'nur' ums bessere Leben geht und sie nicht aus einem Kriegs-/Krisengebiet geflohen sind, trifft der Begriff 'Flüchtling' im asylrechtlichen Sinne kaum zu. Doch eine Taxifahrt durch Serbien ist halt kein hinreichendes Qualifizierungskriterium - der Einzelfall muss geprüft werden, bevor entschieden (oder von der TV-Zuschauertribüne geurteilt) wird.
      Doch dann gibt Tichy einen Eindruck wieder, der sich meiner fast jedesmal bemächtigt, wenn ich zurzeit ein Nachrichtenmagazin anschaue:
    "Und immer die Bilder der Frauen mit den weinenden Kindern auf dem Arm – während doch im Hintergrund eher kräftige, aggressive Männer zu sehen sind, die 80 Prozent der Fliehenden stellen – und für sich das Recht des Stärkeren in den überfüllten Zügen beanspruchen."
    Tatsächlich scheinen überwiegend kräftige junge Männer zu uns zu kommen, die "so gar nicht wie Flüchtige aussehen". Ach ...und schon bin ich in die Falle der Verallgemeinerung gelatscht! Wie sehen denn Flüchtige aus ...oder wie dürfen sie aussehen, damit sie in mein persönliches Mitfühl-Schema passen??
      Ich verpasse mir eine emotionale Kopfnuss und nehme mir vor, weniger nach dem vordergründig Augenscheinlichen zu urteilen. 
    Dabei würde ich mir Unterstützung seitens der Medien wünschen. Doch nahezu alle Redaktionen positionieren sich einseitig: sie ergreifen eindeutig Partei "für die vermeintlich ebenso wie für die tatsächlich Schwachen. Sie haben die kognitive Dissonanz verstärkt – und werden mit noch mehr Vertrauensverlust bestraft." (Tichy)
      Diese Kritik trifft leider zu: Überall finde ich Beiträge vor, die uns dummen Normalbürgern das Merkel-Mantra "Wir schaffen das" vorbeten und ansonsten die Sensationsgier mit Extremsituationen und -bildern befriedigen. Das langfristige WIE bleibt unbeantwortet.

    Quellenangabe: 

    Höhlenforschung: Autarkes Biotop in der Movile-Höhle

    In der Höhle Pestera Movile in Rumänien, die lange von der Außenwelt isoliert war, hat sich eine "Gemeinschaft urtümlicher Wesen" (SPON, 1996) entwickelt: Fingerdicke Biofilme aus Bakterien, Riesenegel und fleischfressende Insekten, die sich auf ihr düsteres Biotop spezialisiert haben.
    Die Höhle von Movile am Südufer des Mangaliasees (Schwarzmeerküste) wurde 1986 von Cristian Lascu entdeckt. Sie bildete sich vor ca. 5 Millionen Jahren und ist seit mindestens 500.000 Jahren von der Oberfläche abgeschnitten. Die Höhlenatmosphäre enthält viel Schwefel und kaum Sauerstoff. Die Höhlenwände der Karsthöhle bestehen aus Lehm, welcher von einer 25 Meter dicken Kalkstein-Schicht  umschlossen ist. Der einzige Zugang zur Höhle ist eine schwefelhaltige Wasserader aus 400 Meter Tiefe.

    "Hunderte Tausendfüßler mit einer fast durchsichtigen Haut"

    Im Innern der Höhle besteht ein außergewöhnliches Ökosystem, das etwa "60 urzeitliche Tierarten" aufweist, die sich im Laufe der Zeit stark spezialisierten und beispielsweise Augen oder Farbpigmente in der Haut völlig zurückgebildet haben. 35 vorgefundene Arten waren noch unbekannt.
    Die Überlebensfähigkeit dieses Systems wird durch Schwefelbakterien gewährleistet, die auf dem Wasser einen gallertartigen Überzug bilden. Auf dieser Masse bilden sich Pilze, welche anderen Lebewesen in der Höhle als Nahrung dienen.
    Ähnliche Systeme sind seit den 1970er Jahren aus der Tiefsee bekannt - jedoch lassen sie sich in der Movile-Höhle aufgrund ihrer Zugänglichkeit wesentlich leichter untersuchen.

    Das Besondere und Interessante an dieser Höhle ist also das Vorhandensein eines Biotops mit autarken Lebensformen. Dieser Mikrokosmos der Movile-Höhle basiert vermutlich auf Chemosynthese und könnte von daher Rückschlüsse über Lebensformen auf anderen Planeten ermöglichen.
    Wie der abschließende Forschungsbericht darlegt, stellt das Höhlensystem aufgrund seiner Abgeschlossenheit ein "ideales Untersuchungs- und Demonstrationsobjekt zur Quantifizierung von Stoff- und Energieflüssen für extreaterrestrische Systeme wie der ISS oder Bodenstationen auf dem Mond oder dem Mars dar".
    "Die Primärproduktion basiert vorwiegend auf der bakteriellen Oxidation geogenen Sulfids, jedochleisten wahrscheinlich auch die Methanoxidation sowie die Nitrifikation einen signifikanten Beitrag zur Energiebilanz."(1)

    Dokumentation zur Movile-Höhle (ZDF)

    Der Film bietet einen Überblick extremophiler Lebensformen in erschiedenen Biotopen. Leider wurde die ursprüngliche Dokumentation auf YT entfernt




    Siehe auch:

    1. Untersuchung der Mikroflora in Movile Cave bei Mangalia, Rumänien (Abschlusbericht
    2. Im weiteren Sinne relevant / von Interesse:
      "Astrobiologie für Einsteiger" (von Kevin W. Plaxco Michael Groß):

    Freitag, 11. September 2015

    Flucht aus Kriegsgebieten - im Alleingang ist Deutschland (bald) überfordert

    Der tägliche Nachrichten-Überblick löste gestern einen mittelschweren Schock aus: Binnen 14 Tagen ist die Flüchtlingskrise in Europa eskaliert: Grenzübergänge werden gesperrt, Unregelmäßigkeiten im Zugverkehr. 
    zugleich erschreckende Bilder, die eines deutlich machen: Millionen Flüchtlinge sind keine statistische Größe, sondern in jedem einzelnen Fall eine persönliche Tragödie.

    • Im Laufe dieser Woche allein trafen in München rund 40.000 Menschen ein. 
    • Allein an diesem Wochenende werden 40.000 weitere Flüchtlinge erwartet.
    • UvdL hat 4000 Soldaten in Rufbereitschaft versetzt, um ggf. Unterstützung bei der Bewältigung des Ansturms von Flüchtlingen zu leisten. Schon jetzt unterstützen Bundeswehrangehörige bei der Bearbeitung von Asylanträgen sowie beim Transport und der medizinischen Betreuung. Maximale Kulanz sei angesagt: "Was personelle Hilfe angeht, haben wir noch Luft nach oben."
    • Laut ARD-Brennpunkt vom 11.9.2015 denkt der Gesetzgeber über eine befristete Zwangsvermietung(!) von leerstehendem Wohnraum nach. Bevorstehende Konflikte lassen sich unschwer erahnen.
    Heute dann diese Schlagzeile in der Süddeutschen (12.9.)
    "Bisher 9200 Flüchtlinge - München fürchtet Kollaps
    Erstmals erwarten die Behörden mehr Flüchtlinge, als sie bewältigen können. Die Deutsche Bahn macht sich langsam Sorgen um die Sicherheit ihrer Züge - und erwägt, den Zugverkehr einzustellen.

    Unterdessen vergleicht Österreichs Kanzler Faymann die Politik seines ungarischen Amtskollegen Orban mit der NS-Zeit (FOCUS, 12.9.). Es sei unerträglich, "Menschenrechte nach Religionen zu unterteilen". 
    Unterhalb dieser Meldung eine Videobeschriftung, die zugleich Aufforderung ist: "Luftballons und Gesang - so herzlich begrüßen die Deutschen Flüchtlinge". Ja, noch. Gegen eine offene und freundliche Willkommenskultur ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Es bleibt nur abzuwarten, inwieweit diese entgegenkommende Haltung beibehalten wird ...sobald dieselben Deutschen in ihrem Alltag auf Unliebsames stoßen, das sie - ob zutreffenderweise oder nicht - mit der schieren Anzahl von hastig ins Land gelassenen Flüchtlingen/Migranten assoziieren.
    Ich würde mir dies wünschen (dass wir uns auch in 2-3 Monaten fair gegenüber allen Neuankömmlingen verhalten) - denn diese tragen keine Schuld an der Kurzsichtigkeit von Politikern.

    "Der Papst hat keine Ahnung"

    Europa - präziser die EU - erweist sich in diesen Tagen als Rosinenpickerverantsaltung zur Ausweitung von Vertriebsstrukturen sowie zur Gelderverteilung: Ungarns Regierungschef Orban spricht aus, was die wohl meisten anderen EU-Regierungen denken: Die(se muslimischen) Flüchtlinge seien ein rein deutsches Problem, kein europäisches. Gegen christlich getaufte Flüchtlinge 'in kleinen Stückzahlen' hätte man dort wohl nichts einzuwenden, aber Syrer, ...Iraker ...Pakistanis?

    Dies ist keine unsachlich-ironische Polemik von mir, leider: Der ungarische Bischof Laszlo Kiss-Rigo widerspricht seinem Boss, Papst Franziskus, und beschwört eine Schreckensvision einer  „Invasion muslimischer Flüchtlinge" (FAZ, 8.9.15):
    "Muslimische Flüchtlinge in seinem Land seien eine Bedrohung und außerdem arrogant und zynisch. Franziskus habe keine Ahnung von der Situation."     
    Der Papst hatte wenige Tage zuvor Europas Katholiken zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. Sein ungarischer Bischof aber findet: Die muslimischen Flüchtlinge seien "eine Gefahr für Europas universelle christliche Werte" (außer Liebe, Gnade und Mildtätigkeit, nehme ich an?). Sie verdienten keine Unterstützung, denn sie hätten Geld und außerdem hinterließen sie Müll.

    Über eine derart selektives Verständnis von 'christlicher Barmherzigkeit' kann ich nur mit dem Kopf schütteln. 
    Dieser ungarischen 'Furcht' um die christliche Identität Europas hält Kardinal R. Marx entgegen:
    "Aber das gehört ja zum Wesentlichen der christlichen Identität, dass wir unabhängig von seinem Glauben und seiner Herkunft einem Menschen, der in Not ist, helfen. Und ihm mit Respekt begegnen."
    • Eine ungarische Kamerafrau traktierte zwei Flüchtlingskinder mit Tritten. Der Vorfall ereignete sich, als hunderte Flüchtlinge eine Grenzabsperrung überwanden. Einem Vater, der ein Kind auf dem Arm trug, stellte dieselbe Dame ein Bein - beide fielen hin. (s. Video, Reuters) Sie habe sich gefürchtet und irgendwie schützen wollen. 
    • Die USA werden im kommenden Jahr(!) 10 000 Syrer aufnehmen. Wie nett. Ausgerechnet das Land, welches die Destabilisierung des Nahen Ostens maßgeblich mitverursacht hat, beschränkt sich auf Symbolpolitik. Die Vereinigten Staaten stehen international in der Kritik, weil sie im Vergleich zu Europa nur einen Bruchteil der Flüchtlinge aufnehmen.
    • Die Sicherheitsbehörden haben der "Passauer Neuen Presse" zufolge bislang  29 "erwiesene Syrien-Kämpfer" unter Asylbewerbern identifiziert.

    Was ich nicht verstehe: Existiert nicht die (Dublin-) Regelung, dass Flüchtlinge innerhalb der EU in dem Land registriert werden und ein Asylverfahren anstrengen können, das sie als erstes betreten?

    Was wir gegenwärtig erleben, ist erst der Anfang eines anhaltenden Zustands ("Unicef warnt vor Millionen neuen Flüchtlingen", WELT, 11.9.15) - es braucht nicht ein Strohfeuer der Euphorie, sondern einen langen Atem. Wie will man ein zunehmendes Chaos verhindern, wenn grundlegende Regeln und Abläufe stumpf ignoriert werden?
    "Dem fortschrittlichen Teil unserer Gesellschaft droht eine Spaltung beim Urteil über die Flüchtlingsfrage."
    So lautet die Überschrift einer knappen Gegenüberstellung der konträren Positionen (Nachdenkseiten, 8.9.15), die in überspitzter Verkürzung lauten:

    "Kommt alle zu uns, nach Deutschland."
    vs.
    "Das Boot ist voll, basta."

    Artikulieren sich hierzulande bald nur noch die 'Piep, wir ham euch alle lieb'-Fraktion und die ekligen Flüchtlingshasser? SPON erweckt exakt diesen Eindruck:
    "Die Flüchtlingskrise polarisiert, das zeigte sich vielerorts: auf der einen Seite engagierte Helfer und konstruktive Politiker, auf der andern Seite Populisten und Hetzer."
    Nur Unbesonnenheit steht zur Auswahl - entweder Schwarz oder Weiß?  Diese Entweder-Oder-Sicht ist Unfug: Wo würdet Ihr denn die Helferin einordnen, die sich nach Kräften für Flüchtlinge in ihrem Heimatort engagiert - und im IV-Interview dennoch sagt, so könne es nicht mehr weiter gehen?
    Wo sind die 'Ordnungspolitiker' auf einmal hin, die HartzIV-Empfänger mit herben Sanktionen zum "Einhalten bestehender Regeln" zwingen?
    Natürlich sehe ich ich den Unterschied: wohl die wenigsten HartzIV-Bezieher haben einen vergleichbaren Leidensweg hinter sich wie ein großer Teil der aus Kriegsgebieten Geflüchteten. Aber zur 'Tafel' geht auch niemand freiwillig, solange er irgendwie ohndem über die Runden kommt.

    Ich bin kaum ein Freund der CSU, doch hierin ich teile die Haltung von Bayerns Finanzminister Söder, die der von Helmut Schmidt ziemlich nahe kommt: 

    "Das beginnt uns zu überfordern."

    Inzwischen ist dies auch mein Eindruck: zu schnell, zu chaotisch. (Söder bezieht sich allerdings auch auf die finanzellen Leistungen; er will die deutschen Standards bei der Flüchtlingsversorgung senken und das Asylrecht anpassen. 


    Es geht nicht ums kleinliche Geld sparen, Herr Söder. Sondern um einen geregelten Ablauf bei der Aufnahme anstatt wilder Hektik und Überforderung der zuständigen Stellen. Kardinal Reinhard Marx liegt insoweit exakt richtig, wenn er erklärt:
    "Ich glaube, der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker hat in einer großen Rede auf den Punkt gebracht(...): zu wenig Europa, zu wenig Union. Die Identität Europas besteht auch darin, wie man mit Notleidenden umgeht."
    In einem kurzen Satz drückt der Kardinal aus, worauf es für die gesamte EU nun ankommt:
    "Hier muss man sich in Europa gegenseitig helfen."
    Die sich anbahnende organisatorische Überforderung Deutschlands schien auch die UN zu sehen, als sie schon Mitte August erklärte,  Deutschland nehme zu viele Flüchtlinge auf.  Es sei langfristig nicht tragbar, dass nur zwei EU-Länder mit leistungsfähigen Asylstrukturen die Mehrheit der Flüchtlinge aufnehmen, kritisierte UN-Kommissar António Guterres.

    Zur Frage der Bekämpfung der Fluchtursachen sagte Hans-Peter Friedrich (CSU): "Wir müssen mehr und mehr einen Schwenk von der innenpolitischen Handlungsnotwendigkeit machen, hin zu den außenpolitischen und sicherheitspolitischen Spielräumen, die wir haben." 
    In Syrien könne Deutschland derzeit nicht ansetzen. Ich weiß nicht: Sollte die Politik nicht beides, Innen- wie Außenpolitik, im Blick behalten - anstatt 'zu schwenken'?

    Im Interview mit RP online forderte "Flüchtlingskanzlerin"
     Merkel zum wiederholten Male "eine faire Lastenverteilung in Europa, wenn es darum geht, Flüchtlinge aufzunehmen".
    Zugleich beruhigt sie: "Die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge können wir tragen."
    Die Kosten sind aber gegenwärtig nicht die primäre Herausforderung:
    Den ohnehin finanziell und personell überlasteten Kommunen - welche letztlich die Hauptlast der Unterbringung und späteren Integration zu tragen haben - sind kaum noch in der Lage, beliebig schnell beliebig viele Unterkünfte bereit zu stellen. Zelte waren anfänglich 'tabu', inzwischen sind Zeltunterkünfte vielerorts die einzige Möglichkeit, um Eingereiste rasch und 'vorläufig' unterzubringen.

    Solchen Einwänden hält Merkel, die gerade von der deutschen Mutti zur "Mutter der Nationen" (FAZ) avanciert, entgegen:

    "Grundrecht auf Asyl kennt keine Obergrenze"

    Diese "Obergrenze" wird aber ganz schnell in Sicht kommen, auch wenn noch niemand sie derzeit beziffern mag. Einstweilen verlassen sich die CDU- und SPD-Größen darauf, die übrigen EU-Länder würden sich schon noch überzeugen lassen, 'ihren' Beitrag zu leisten. Eine Flüchtlingsverteilungsquote soll's richten. Nur ignoriert dieses von Theoretikern erdachte Vorhaben die primär Beteiligten bzw. Betroffenen: die Flüchtlinge! Viele von ihnen haben sehr genau erkannt: In osteuropäischen Ländern sind sie als Muslime und 'Kulturfremde' nicht willkommen, dort will sie keiner haben. Und sie selbst wollen da auch nicht bleiben, sondern in ihr Wunschland: Schweden oder Deutschland. 
    Okay, etliche wollen auch nach Groß-Britannien - aber London und Paris reagieren auf die Flüchtlingswellen bislang nicht mit dem Bau zusätzlicher Aufnahmeeinrichtungen, sondern mit höheren Zäunen und der Aufstockung ihrer Hundestaffeln.

    Die UNHCR meint (5.9.): Die Entscheidung von Österreich und Deutschland zur Aufnahme Tausender Flüchtlinge und Migranten, die die Grenze von Ungarn aus überquert hatten, zeuge von "politischer Führungskraft, die auf humanitären Werten". 
    Das kann man so sehen. Selbige Entscheidung könnte sich jedoch als kurzsichtig herausstellen - falls die von ihr ausgehende Signalwirkung einen noch größeren Zustrom auslöst/begünstigt, welchen die vom Rest Europas alleingelassenen Länder Schweden und Deutschland dann beim besten Willen nicht mehr bewältigen können. Sämtliche arabischen TV-/Newsmedien berichteten über die öffentlich kommunizierte Aussetzung des vorgesehenen Regelwerks. Die einmal aus Jordanien, Libanon usw. aufgebrochenen Flüchtlinge können nicht 'mal eben' an den Ausgangspunkt ihrer gefahrvollen Reise zurückkehren.

    Relativ schnell werden die Regierungsparteien zum bundespolitischen Tagesgeschäft zurückkehren ...und sich an ihre primäre Motivation erinnern: an der Macht bleiben, also wiedergewählt werden. Die CSU-Spitze hat als erste begriffen:
    Schon warnen freiwillige und angestellte Helfer auf kommunaler Ebene vor einem Rechtsruck bei den nächsten Wahlen. Diese Helfer erleben nicht nur Leid und Erleichterung aufgenommener Flüchtlinge hautnah mit, sondern auch die geteilten Reaktionen deutscher Mitbürger. 


    • In einem weiteren Artikel versuchte die WELT (11.9.), die "Blitzwende" der Kanzlerin als das rational-abgewogenes "Ergebnis jahrelanger stiller Planspiele" zu verkaufen: Mit großer Entschlossenheit habe sie das Ruder herumgerissen. Warum? Weil sie Führungsstärke zeigen wolle, und um "Ruhe in die Aufregung zu bringen".

    "Gleichzeitig soll die Bevölkerung nicht glauben, sie müsse mit ihrer Hilfsbereitschaft ein Staatsversagen kompensieren."
    Aber genau darauf läuft es gegenwärtig offenbar hinaus - während die langfristigen Auswirkungen dieses spontanen Bevölkerungszuwachses in den Sternen stehen.-
    Unterdessen schreitet die Polarisierung 'im Volk' voran: Wüste wechselseitige Beschimpfungen sind ebenso an Tagesordnung in sozialen Medien wie hasserfüllte Tiraden gegen Flüchtlinge. Heidenau und Freital sind Spitzen eines Eisberges der Wut 'besorgter Bürger' ...in Talkrunden wird längst davor gewarnt, dass rechtsgerichtete Strömungen nur darauf warten, von diesem Unmut zu profitieren.
    Es bleibt also abzuwarten, wann Merkel, Gabriel und der Rest anfängt zurück zu rudern ...und das Schengen-Abkommen der Vergangenheit angehört. 

    Kriminelle Handlungen derer, die ihren ablehnende Haltung und ihren Hass mit Gewalt durchsetzen wollen, lassen sich schon lange nicht mehr als Einzelfälle abtun:

    In Gerstungen (Thüringen) wurde wiederum ein für die Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestelltes Wohnhaus angezündet. Die Eigentümerin hatte das leerstehende Haus als Unterkunft angeboten - "die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus" und schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus.
    Ist das nicht auch eine Form von Terrorismus - insbesondere wenn es den Tätern völlig egal ist, ob sich in der abzufackelnden Flüchtlingsunterkunft zur Tatzeit Menschen aufhalten oder nicht?
    So viel steht fest: Gewalt, Hass und die Demütigung Unschuldiger (indem man auf Kinder uriniert!) sind nichts als eine widerwärtige Sackgasse. Die politische Willensbildung wird davon (hoffentlich) nicht beeinflusst.

    Bereits vor einer Woche hatte Ungarns Regierungschef Viktor Orban Österreich und Deutschland dazu aufgerufen, sie sollten „klar sagen“, dass keine weiteren Flüchtlinge mehr aufgenommen werden, ansonsten würden weiterhin „mehrere Millionen“ Menschen nach Europa kommen.

    Ist das die Lösung? Grenzen dicht machen und den Kopf in den Sand stecken, damit man das Schreien derer nicht hört, die in Massenunterkünften (im Nahen Osten) nicht mehr genug Nahrung erhalten - weil etliche Staaten ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der UN-Nahrungsmittelhilfe nicht nachkommen? 


    Erbärmlich: Das Versagen der Weltgemeinschaft

    Tatsache ist: Das „Syria Refugee and Resilience Programme for 2015“ ist derzeit nur zu 37 Prozent finanziert. Alle Aktivitäten des Hilfsprogrammes sind hiervon betroffen - der Libanon und Jordanien haben alleine fast fünfmal so viele Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, wie alle Länder Europas zusammen:
    "4.088.099 syrische Flüchtlinge sind in den Ländern rund um Syrien registriert, darunter 1.938.999 in der Türkei, 1.113.941 im Libanon, 629.266 in Jordanien (...). Nur 12 % der Flüchtlinge in der Region leben in formellen Flüchtlingscamps". ("Verzweiflung treibt Tausende Syrer nach Europa", UNHCR, 8.9.15)
    Insgesamt geht die Uno von über 12 Millionen Syrern aus, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Hilfsor-ganisationen, also NGOs, sind längst überfordert. Vor dem Hintergrund fehlender internationaler Unterstützung musste das UN-Welternährungsprogramm nun 229.000 Flüchtlingen in Jordanien die Nahrungsmittelhilfe streichen. Die Folge: Es machen sich immer mehr Menschen machen sich auf den riskanten Weg nach Europa, weil sie in den Flüchtlingslagern nicht mehr versorgt werden.
    Die Finanzierungsschwierigkeiten der Uno kommentiert Frau Merkel ungewöhnlich wortreich: "Es kann nicht sein."

    Die NZZ spricht von "Europas großer Kraftprobe" und beschreibt das "Dilemma der Politik, zwischen humanitärer Tradition und den Bedürfnissen der eigenen Bevölkerung abzuwägen". 
    Zu lange wollte man in Europa nicht zur Kenntnis nehmen, was auf den Kontinent zukommt:
    "Nicht erst seit kurzem  (...)haben Italien und Griechenland auf ihre Probleme aufmerksam gemacht.
    Europa hat zugeschaut, wie sich die Flüchtlingslager in Syriens Nachbarländern gefüllt haben, wie Libyen im Chaos versank und der Islamische Staat sich ausbreitete."
    Frankreich und Deutschland sollten, deutet der o.a. NZZ-Kommentar an, den Druck zur Lösungsfindung zu erhöhen - so ähnlich wie in der Griechenland-Frage. Vermutlich halten Merkel und Hollande sich nicht grundlos zurück, gemeinschaftliche Maßnahmen zu erzwingen: es steht diesmal kein Zaubermittel zur Verfügung, um die Flüchtlingskrise rasch zu entschärfen. Zu groß ist deren Dimension und die ursächlichen Konflikte sowie das Morden des "IS" lassen sich nicht 'abschalten'.
    Im Gegenteil - es zeichnen sich zusätzlich neue Problemfelder ab: laut einer UN-Prognose könnte der Gaza-Streifen ab 2020 "unbewohnbar" werden; schon jetzt sei die Infrastruktur dort komplett zerstört.

    "Niemand hat ein Rezept dafür, wie im Nahen Osten eine funktionierende staatliche Ordnung wiederhergestellt werden kann.", schreibt Rainer Hermann in der FAZ.

    Dass Deutschland Millionenbeträge für syrische Flüchtlinge im Libanon ausgibt, ist fraglos richtig. Doch in welchem Verhältnis stehen diese zweistelligen Millionenbeträge zu den Milliarden, die von Deutschland bzw. Europa für die Versorgung von hier aufhältlichen Migranten bereitgestellt werden? Müssten nicht viel mehr getan werden, um die Situation der Flüchtlinge in Ländern wie Jordanien und Libanon spürbar zu verbessern?
    Und: wann gelingt es, reiche Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Oman und Bahrain deutlich stärker in die finanzielle Flüchtlingshilfe einzubinden, wenn diese schon die Genfer Flüchtlings-konvention ablehnen und ihre Bereitschaft zur Aufnahme ihrer Glaubensbrüder ...'überschaubar' ist? (2014 haben die Golfstaaten insgesamt knapp eine halbe Milliarde Dollar zu UN-Programmen für Syrien beigesteuert, aber nur nur etwa 60 000 Menschen aufgenommen.)


    Fazit: 

    Ja, Deutschland soll unbedingt weiterhin humanitäre Hilfe leisten (das ist wirklich "alternativlos", wie Merkel gelegentlich sagt), ebenso sollte Europa endlich verantwortungsvoll handeln. Doch angesichts der sich nun abzeichnenden Größenordnung der Krise kann diese niemals von Europa alleine bewältigt werden (in der gegenwärtigen zerstrittenen Verfassung der EU schon gar nicht).
    Es bedarf schnellstens eines weltweiten Flüchtlingsgipfels, mindestens aber auf G20-Ebene.


    Siehe auch:

    • "Das Geld reicht nicht. Die Vereinten Nationen haben ihre Nahrungsmittel-Hilfe eingeschränkt." (DW, 14.8.15)"
    • "Was tun die islamischen Länder für die vielen Flüchtlinge?" (SZ, Dez. 2014)
    • "Unglaubliche Hilfsbereitschaft in Österreich und Deutschland" (UNHCR, 5.9.15)
    • Italiens Parlamentspräsidentin: „Keine Toleranz für Fremdenfeindlichkeit“ (FAZ, 10.9.15)
    • "Flüchtlingsdebatte: Kardinal Marx kontert Minister Söder", Münchener Merkur,12.9.)
    Nachtrag (13.9.15): Manchmal ist es keine Freude, eine Situation zutreffend eingeschätzt zu haben: 
    "Dobrindt fordert Wiedereinführung der Grenzkontrollen" (Focus, 13.9.)
    Eine wirksame Kontrolle der deutschen Grenzen sei unausweichlich geworden, "weil auch wegen des Totalversagens der EU der Schutz der EU- Außengrenzen nicht mehr funktioniert". Deutschland helfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise seit Monaten weit mehr als alle übrigen Länder in Europa, betonte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt.